Die US-Notenbank Federal Reserve veröffentlichte am 8. April das Protokoll der FOMC-Sitzung vom 17.–18. März, das eine deutlich restriktivere Tonlage aufwies, als Zinssenkungsbefürworter erwartet hatten. Die Kerninflation nach PCE stieg im Januar auf 3,1 %, rund 0,25 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr, und die Fed-Analysten führen diesen Anstieg direkt auf höhere Zölle zurück. Sieben der 19 FOMC-Mitglieder rechnen für 2026 mit gar keinen Zinssenkungen, und erstmals seit Beginn dieses Zyklus preisen die Terminmärkte eine Wahrscheinlichkeit von rund 30 % für Zinserhöhungen bis Anfang 2027 ein.
BTC notierte am 10. April bei etwa 72.200 USD und bewegte sich damit weiter im Bereich von 71.000–73.000 USD, der die Vorwoche prägte. Das Protokoll selbst löste keinen Abverkauf aus, da die Waffenruhe im Iran am 9. April einen Teil des Zinsschocks abfederte. Doch die Botschaft bleibt klar: Die Fed betrachtet die zollbedingte Inflation als strukturelles Problem – nicht als kurzfristige Entwicklung. Der erwartete Zeitplan für Zinssenkungen, auf den viele Kryptoinvestoren gesetzt hatten, verschiebt sich damit weiter nach hinten.
Was das Protokoll tatsächlich zu Zöllen und Inflation sagt
Das FOMC-Protokoll vom 17.–18. März 2026 ist expliziter als die öffentliche Stellungnahme nach der Sitzung. Die Fed-Analyse führt den Anstieg der Kerninflation bei Waren im Wesentlichen auf die im Rahmen des Trade Act von 1974 eingeführten höheren Zölle zurück. Die Mitglieder stellten fest, dass der Preisanstieg weiterhin „deutlich über dem Tempo liegt, das mit dem nachhaltigen Erreichen des 2 %-Ziels vereinbar wäre“.
Eine separate Studie des Federal Reserve Boards aus derselben Woche quantifiziert diese Auswirkungen: Bis Februar 2026 ließen Zölle die Kerninflation bei Waren um 3,1 % steigen, was 100 % der über dem Vorkrisenniveau liegenden Inflation in dieser Kategorie erklärt und den gesamten PCE-Kernindex um 0,8 Prozentpunkte anhob. Die Preisüberwälzung auf Konsumenten erfolgte zwar langsamer als bei den China-Zöllen 2018/19, erreichte aber denselben Endpunkt – jede zusätzliche Zolllast schlägt letztlich auf die Ladenpreise durch.
Die am 2. April angekündigten 50-%-Zölle auf Stahl, Aluminium und Kupfer haben sich noch nicht in der Statistik niedergeschlagen, werden aber in Zukunft den Preisdruck weiter erhöhen. Das Protokoll verdeutlicht, dass die Fed das Problem nicht als selbstheilend betrachtet.
Warum „higher for longer“ jetzt Basisszenario ist
Das Dot-Plot der Märzsitzung sah im Median noch eine Zinssenkung um 25 Basispunkte für 2026 vor. Sieben Mitglieder erwarteten aber gar keine Senkung mehr, die Inflationsprognose für den PCE-Haupt- und Kernindex wurde von 2,5 % auf 2,7 % nach oben angepasst. Die Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhungen bis Anfang 2027 kletterte auf etwa 30 %.
Das CME FedWatch Tool zeigt aktuell fast 98 % Wahrscheinlichkeit für keine Änderung beim nächsten Fed-Entscheid am 29.–30. April. Die Hoffnung auf einen Zinsschritt im zweiten Quartal ist somit vom Tisch. Der frühestmögliche Spielraum für eine Senkung liegt nun im September, falls die Inflation mitspielt – was in den letzten sechs Monaten meist nicht der Fall war.
Für BTC ist der Zusammenhang klar: Höhere Zinsen bedeuten attraktivere Renditen bei Staatsanleihen und Geldmarktfonds, die mit risikoreichen Anlagen um Kapital konkurrieren. Der Markt war ursprünglich von zwei bis drei Zinssenkungen bis Sommer 2026 ausgegangen; diese Erwartungen sind nun weitgehend verschwunden. Der BTC-Anstieg von 65.600 auf 126.000 USD im Jahr 2025 wurde durch drei Zinssenkungen getragen – ohne weitere Zinsschritte fehlt der Impuls.
Der unterschätzte Öl-Faktor
Zölle sind nur eine Seite der Inflationsmedaille. Die andere ist Öl. Die Hormus-Krise und der Iran-Konflikt trieben den Ölpreis (Brent) Anfang des Jahres Richtung 115 USD. Das Protokoll zeigt, dass die Fed die gestiegenen Energiepreise in die neuen Inflationsprognosen einbezogen hat.
Fed-Präsident Powell bezeichnete den Ölpreisanstieg auf der Pressekonferenz am 18. März noch als „möglicherweise vorübergehend“, das Protokoll weicht jedoch ab: Mehrere Mitglieder betonten, dass Ölpreisanstiege den Inflationsdruck verstärken und der Fortschritt zum 2 %-Ziel „langsamer als bislang erwartet“ erfolgen könnte.
Die Waffenruhe im Iran am 9. April stabilisierte Öl bei etwa 95 USD (nach dem Höchststand bei 115 USD) und beruhigte die Märkte. Das führte an diesem Tag zu BTC-ETF-Zuflüssen in Höhe von 358 Mio. USD (Quelle). Eine Waffenruhe ist aber keine dauerhafte Lösung. Steigen die Energiepreise erneut, verschärft sich das Inflationsproblem und der Zeitplan für Zinssenkungen verschiebt sich weiter.
Die Rolle von Kevin Warsh als möglicher Fed-Vorsitzender
Powells Amtszeit als Fed-Chef endet am 15. Mai. Kevin Warsh ist als Nachfolger nominiert. Die Anhörung im Senat ist für den 16. April angesetzt, verzögert sich aber möglicherweise wegen fehlender Unterlagen und politischer Blockaden.
Warsh gilt als bekanntester QE-Kritiker der modernen Fed-Geschichte. Während seiner Amtszeit von 2006 bis 2011 sprach er sich gegen das QE2-Programm von 600 Mrd. USD aus. Nach seinem Ausscheiden machte er die expansive Geldpolitik mitverantwortlich für den Inflationsanstieg 2021–2022.
Sein erwarteter Kurs ist für Krypto uneindeutig: Einerseits unterstützt er Trumps Forderungen nach kurzfristig niedrigeren Zinsen (gestützt auf Produktivitätsgewinne durch KI), andererseits setzt er sich konsequent für eine Verkleinerung der Fed-Bilanz ein. Zinssenkungen wirkten historisch positiv auf BTC, Bilanzkürzungen dagegen dämpfend. Die ersten 100 Tage von Warsh werden zeigen, welche Richtung überwiegt.
Zieht sich die Bestätigung hin, übernimmt Vizepräsident Philip Jefferson vorläufig den Vorsitz. Die Anhörung am 16. April bleibt ein wichtiger Termin.
Bedeutung für die Bitcoin-Preisentwicklung
BTC bewegt sich seit Anfang März zwischen 65.600 und 73.000 USD. Das FOMC-Protokoll bestätigt das Umfeld, das diese Seitwärtsphase stützt: Ohne Zinssenkungen fehlt der makroökonomische Katalysator für einen Ausbruch über 76.000 USD (das Hoch vor der März-Sitzung). Der jüngste Anstieg auf 72.200 USD wurde durch die Waffenruhe im Iran und ETF-Zuflüsse getragen – nicht durch eine verbesserte Zinsperspektive.
Das bullische Szenario beruht auf zwei Möglichkeiten: Entweder überrascht die Inflation in den kommenden CPI-Berichten (13. Mai und 11. Juni) nach unten, was der Fed im September Spielraum für eine Zinssenkung verschaffen könnte, oder die institutionelle ETF-Nachfrage überwiegt die makroökonomischen Gegenwinde. Die kumulierten BTC-ETF-Zuflüsse übersteigen inzwischen 65 Mrd. USD, und der Zufluss von 358 Mio. USD am 9. April zeigt, dass das institutionelle Interesse noch vorhanden ist – allerdings selektiver: Es wird eher in Schwächephasen gekauft als auf steigende Kurse gesetzt.
Das bärische Szenario ist einfacher: Kommt der heutige CPI-Bericht „heiß“ herein und bestätigt die von der Fed beobachtete Zollinflation, dürfte BTC die Unterstützungszone bei 68.000–68.500 USD erneut testen. Ein nachhaltiger Bruch unter 65.600 USD bei gleichzeitigen ETF-Abflüssen könnte eine Korrektur in Richtung 59.500 USD auslösen.
Fazit: BTC befindet sich aktuell zwischen zwei Kräften – strukturelle Nachfrage von ETFs und Unternehmen stützt nach unten, die restriktivere Fed-Position zu zollgetriebener Inflation begrenzt das Potenzial nach oben. Die nächsten beiden Inflationsdaten werden entscheidend sein.
Häufig gestellte Fragen
Warum war das FOMC-Protokoll wichtiger als die eigentliche März-Sitzung?
Stellungnahmen und Dot-Plots liefern zwar Überschriften, doch das Protokoll zeigt die internen Debatten. Die Erwähnung eines 30-%-Risikos für Zinserhöhungen und die explizite Zuordnung der Inflation zu Zöllen waren in der Pressekonferenz am 18. März nicht zu erkennen – das Protokoll offenbart, worüber die Notenbanker tatsächlich hinter verschlossenen Türen sprechen.
Wird die Fed 2026 die Zinsen erhöhen?
Der Optionsmarkt preist für Anfang 2027 eine Wahrscheinlichkeit von ca. 30 % für Zinserhöhungen ein – möglich, aber nicht Basisszenario. Eine Anhebung setzt einen weiteren Inflationsanstieg (über 3,5 % Kern-PCE) und einen robusten Arbeitsmarkt voraus, damit die Fed ohne Rezessionsrisiko reagieren kann.
Wie unterscheidet sich Zollinflation für Kryptohändler von „normaler“ Inflation?
Zollinflation ist angebotsseitig (cost-push): Sie erhöht die Preise, ohne die Nachfrage zu beeinflussen. Zinserhöhungen können diese Art der Inflation kaum bekämpfen, da sie nur die Nachfrage dämpfen, aber nicht die Zölle senken. Dadurch entsteht ein stagflationäres Umfeld – langsameres Wachstum und gleichzeitig hohe Preise. Für BTC ist Stagflation kurzfristig eher negativ (da die Zinsen hoch bleiben), mittelfristig aber eventuell unterstützend, sollte die Fed später wieder expansiv agieren.
Wann ist das nächste FOMC-Meeting und wird die Fed die Zinsen senken?
Die nächste FOMC-Sitzung findet am 29.–30. April 2026 statt, das CME FedWatch Tool sieht eine Wahrscheinlichkeit von 97,9 % für ein Beibehalten des Zinsniveaus. Das darauffolgende Meeting ist am 16.–17. Juni – je nach Entwicklung der Inflationsdaten im Mai und Juni ist eine Änderung dann erstmals möglich.
Fazit
Das März-Protokoll bestätigt, was der Markt befürchtete. Die Fed sieht in der zollgetriebenen Inflation einen strukturellen Gegenwind, keine vorübergehende „Delle“. Intern hat sich die Diskussion von „wann sinken die Zinsen“ zu „müssen wir erhöhen?“ verschoben. BTC wird aktuell von ETF-Zuflüssen und der Iran-Waffenruhe gestützt, aber der makroökonomische Spielraum ist kleiner als vor einem Monat. Die nächsten wichtigen Termine: heutiger CPI-Bericht, Warsh-Anhörung am 16. April, FOMC-Sitzung am 29.–30. April. Beobachten Sie die Inflationszahlen und die ETF-Flows: Die Fed hat schriftlich festgehalten, dass Zinssenkungen vorerst nicht anstehen.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Führen Sie stets eine eigene Recherche durch.





