Präsident Trump unterzeichnete am 2. April 2026 eine Section-232-Proklamation, die die Zölle auf Stahl-, Aluminium- und Kupferimporte neu strukturiert. Artikel, die vollständig oder fast vollständig aus diesen Metallen bestehen, werden mit 50 % verzollt. Für Produkte, die einen erheblichen Anteil dieser Metalle enthalten, gilt ein Satz von 25 % auf den gesamten Warenwert. Die neuen Sätze traten am 6. April in Kraft. Bitcoin-Mining-Hardware besteht aus diesen drei Metallen: Aluminium bildet Gehäuse und Kühlkörper, Kupfer ist in Kabelbäumen und Leiterplatten enthalten, und Stahl verstärkt Container und Racks für große Mining-Setups.
BTC notiert am 10. April bei etwa 72.200 US-Dollar, die Netzwerk-Hashrate liegt bei 870 EH/s. Die Gewinnspannen beim Mining sind nach dem Halving im April 2024 bereits geschrumpft. Nun werden die Rohstoffe für Mining-Geräte durch die Importzölle nochmals teurer. Die entscheidende Frage ist, wie stark sich diese Kosten auf Miner auswirken und welche Marktteilnehmer von der Veränderung profitieren.
Was ändert die Proklamation vom 2. April?
Die Proklamation vom 2. April führt ein abgestuftes System ein, das abhängig vom Metallanteil eines Produkts greift. Artikel, die fast ausschließlich aus Aluminium, Stahl oder Kupfer bestehen, werden mit 50 % auf ihren vollen Zollwert belegt. Für abgeleitete Produkte mit erheblichem Metallanteil gilt ein Satz von 25 % auf den Gesamtproduktwert, nicht nur auf den Metallanteil. Das ist besonders für die Elektronikfertigung relevant, da die Zollbelastung nun den Gesamtwert betrifft.
Produkte mit maximal 15 % Metallanteil (nach Gewicht) sind ausgenommen. Bestimmte Ausrüstungen für Stromnetze erhalten bis 2027 einen ermäßigten Satz von 15 %. Mining-Hardware fällt unter keine dieser Ausnahmen.
Wie viel Aluminium und Kupfer steckt in einem Mining-Rig?
Ein Antminer S21 XP (aktuelles Spitzenmodell von Bitmain) wiegt ca. 14,6 kg. Allein die Aluminium-Kühlkörper machen bei leistungsstarken ASICs 30–40 % der Masse aus und sind entscheidend für das Wärmemanagement.
Kupfer ist in drei Hauptbereichen zu finden: den internen Kabelsträngen (Leiter), den Leiterplatten (mehrlagige Kupferschichten) und im Netzteil (Transformatorwicklungen, Sammelschienen).
Der Metallanteil eines typischen ASIC-Minern ordnet ihn mindestens als abgeleitetes Produkt ein, sodass der 25-%-Zollsatz auf den vollen Warenwert greift. Ein Antminer S21 XP (6.400 US-Dollar) würde etwa 1.600 US-Dollar zusätzliche Metallzölle zahlen – zusätzlich zum bestehenden Reziprozitätszoll von 21,6 % auf ASICs aus Südostasien. Das ergibt eine kumulierte Zollbelastung von fast 47 % vor weiteren Einfuhrabgaben.
Der Kostendruck betrifft nicht nur einzelne Geräte. Industrielle Mining-Container (30.000–80.000 US-Dollar) bestehen aus Stahl (Rahmen), Kupfer (Verdrahtung) und Aluminium (Belüftung). Mit 50 % Zoll auf den Stahlrahmen und 25 % auf Komponenten steigen die Preise je nach Konfiguration um 10.000–25.000 US-Dollar.
Auswirkungen auf die Mining-Ökonomie
US-Miner arbeiteten bereits vor dem 2. April mit geringen Margen. Die durchschnittlichen Produktionskosten börsennotierter US-Mining-Unternehmen lagen Ende März 2026 bei etwa 74.600 US-Dollar pro Bitcoin (inkl. Abschreibung, Strom, Gemeinkosten). Bei einem BTC-Preis von 72.200 US-Dollar waren die Margen ohnehin eng. Die neuen Zölle auf Metalle (zusätzlich zu bestehenden Importzöllen) erhöhen die Kosten für neue Mining-Kapazität deutlich.
Besonders entscheidend ist der kumulative Effekt: Neue ASIC-Generationen lösen ältere Modelle alle 12–18 Monate ab. Mit jedem Zyklus müssen Miner neue Hardware erwerben, die nun durch Zölle verteuert ist. Ein US-Miner, der eine S19-Flotte durch S21 XPs ersetzt, zahlt ca. 47 % mehr als ein Konkurrent in Kasachstan oder Russland, wo keine Zölle anfallen.
Kostenpunkt | Vor dem 2. April | Nach dem 2. April |
Antminer S21 XP Grundpreis | $6.400 | $6.400 |
Reziprozitätszoll (21,6 %) | $1.382 | $1.382 |
Metallzoll Section 232 (25 %) | $0 | $1.600 |
Gesamtkosten pro Gerät | $7.782 | $9.382 |
Kostensteigerung pro Gerät | +$1.600 (+20,6 %) |
Der Hashpreis (täglicher Umsatz pro Terahash) liegt bereits nahe historischen Tiefständen. Eine weitere Erhöhung der Hardwarekosten um 20 % lässt sich für viele Miner nur schwer kompensieren. Im Grenzfall kann dies den Weiterbetrieb bestimmter Anlagen gefährden.
Wer profitiert von den Metallzöllen?
Die Profiteure lassen sich in drei Kategorien einteilen – kleinere US-Miner gehören nicht dazu.
Große Miner mit Lagerbeständen vor dem Zollanstieg: Marathon Digital, Riot Platforms und CleanSpark haben 2024 und Anfang 2025 große Hardwarebestellungen ausgelöst und so günstigere Preise gesichert. American Bitcoin – unterstützt von der Trump-Familie – kaufte 11.298 ASIC-Miner vor der Einführung der neuen Zölle. Diese Unternehmen haben somit einen Kostenvorteil gegenüber Wettbewerbern, die jetzt einkaufen müssen.
Nicht-US-Miner: Russland kontrolliert ca. 17 % der globalen Hashrate und zahlt keine US-Zölle auf die Einfuhr von Mining-Hardware. In Kasachstan, Teilen Afrikas und manchen Ländern Lateinamerikas gilt Ähnliches. Jede Zollrunde verbessert die Wettbewerbsposition dieser Regionen und beschleunigt die Verlagerung von Hashrate ins Ausland.
Inländische Hersteller von Mining-Hardware: Auradine, ein US-ASIC-Entwickler mit über 300 Mio. USD Kapital, profitiert von steigenden Importkosten für chinesische Geräte. Das geplante "Mined in America Act" könnte Subventionen und Steueranreize für US-Produzenten bringen, sofern es verabschiedet wird.
Auswirkungen auf Hashrate-Verteilung und Netzwerksicherheit
Bitcoins Sicherheitsmodell lebt von einer geografisch verteilten Hashrate. Die USA stellen mit rund 38 % Anteil (ca. 330 EH/s) derzeit den größten Einzelmarkt. Durch steigende Kosten für neue Mining-Kapazitäten verlagert sich die Hashrate jedoch tendenziell in kostengünstigere Regionen.
Bereits installierte Hardware bleibt weiterhin in Betrieb, das Risiko besteht eher langfristig. Doch wenn jede neue ASIC-Generation in Texas 20 % mehr kostet als in Russland und die benötigten Container 30 % teurer sind, wird der Aufbau neuer Kapazitäten im Ausland attraktiver.
Zudem sind die Preise für Industriemetalle bereits hoch. Kupfer stieg an der LME auf über 12.000 USD/Tonne, u.a. durch Vorratskäufe und Angebotsunsicherheiten. Für raffiniertes Kupfer steht am 30. Juni eine Überprüfung an. Aluminium startete das Jahr über 3.000 USD/Tonne (plus 18,5 % gegenüber 2025). Steigende Rohstoffpreise und Zölle verstärken den Kostendruck auf Mining-Infrastruktur.
Häufig gestellte Fragen
Gilt der 50-%-Metallzoll direkt für ASIC-Miner?
ASIC-Miner sind abgeleitete Produkte mit Aluminium und Kupfer und fallen daher unter den 25-%-Satz. Die 50 % gelten für fast vollständig aus Stahl, Aluminium oder Kupfer bestehende Artikel wie Rohaluminium oder Kupferdraht. Mining-Container mit Stahlrahmen können für ihre Strukturelemente unter den höheren Satz fallen.
Werden die Metallzölle auf bestehende ASIC-Importzölle aufgeschlagen?
Ja. US-Miner zahlen bereits 21,6 % Zoll auf ASICs aus Südostasien. Der neue 25-%-Metallzoll kommt separat auf den Gesamtwert. Insgesamt ergibt sich für einen importierten Antminer S21 XP eine Zollbelastung von rund 47 % – vor weiteren Abgaben.
Führt dies zur Verlagerung des Bitcoin-Minings aus den USA?
Nicht sofort, da bereits installierte Hardware weiterläuft. Das Risiko besteht mittelfristig, weil jede neue Anschaffung für US-Miner im Vergleich zu Ländern ohne Zölle teurer wird. Über zwei bis drei Zyklen kann dies den US-Anteil an der Hashrate verringern.
Kann das "Mined in America Act" die Zolleffekte ausgleichen?
Falls verabschiedet, könnte das Gesetz Subventionen und Steuererleichterungen für zertifizierte US-Miner bringen und so einen Teil der Belastung kompensieren. Das Gesetz befindet sich aber noch im parlamentarischen Prozess. Miner müssen vorerst mit dem aktuellen Zollumfeld planen.
Fazit
Der Metallzoll vom 2. April erhöht die ohnehin beträchtliche Importlast für US-Krypto-Miner. Die Gesamtbelastung für Geräte aus Südostasien liegt nun bei fast 47 %. Große Miner mit Altbeständen sind vorerst geschützt, doch in der nächsten Investitionswelle werden die Auswirkungen deutlicher spürbar.
Beobachten Sie den Stichtag 30. Juni zur Überprüfung des Kupferzolls und verfolgen Sie das "Mined in America Act" für mögliche Ausgleichsmaßnahmen. Bleiben die Rohstoffpreise hoch und BTC im Bereich von 70.000 US-Dollar, könnte sich das Geschäft für viele US-Miner nicht mehr rechnen. Das Kapital wandert dann in Regionen, wo Hardware 30–47 % günstiger ist – und mit ihm die Hashrate.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanzberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Führen Sie stets eigene Recherchen durch, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.





