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CFTC prüft: Zukunft von Perpetual Futures auf GPU Compute – Prognose & Leitfaden

Schlüsselpunkte

Teilen Sie jetzt Ihre Meinung zur Regulierung von Perpetual Compute Futures mit! Reichen Sie Ihren Kommentar bis zum 20. Oktober 2026 bei der CFTC ein.
 
 
Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat am Mittwoch, den 19. August, einen Request for Comment zur Notierung von Compute-Derivatekontrakten veröffentlicht, welcher am Freitag, den 21. August, im Federal Register als Dokument 2026-17163 unter RIN 3038-AF77 von 91 FR 54259 bis 54264 erschien. Die meisten der sechs Seiten lesen sich wie eine typische Markstruktur-Konsultation, behandelt werden unter anderem Fungibilität, Settlement-Indizes und Manipulationsrisiken. Dann kommt Abschnitt II.4 mit der Überschrift „Perpetual Compute Futures“ und stellt der Öffentlichkeit zwei Fragen zu einem Kontrakttyp, der bislang auf keinem US-Designated Contract Market gelistet ist.
 
Die Kommentierungsfrist endet am Dienstag, den 20. Oktober 2026, dem gleichen Tag, an dem auch die SEC ihre eigene Regelung zu Krypto-Wertpapierangeboten abschließt. Das in der Überschrift erwähnte Instrument ist jedem vertraut, der mit Krypto-Derivaten gehandelt hat. Der zugrunde liegende Wert ist jedoch neu – und es lohnt sich, dies zu verstehen, bevor das Kommentarfeld mit Stellungnahmen von Leuten gefüllt wird, die ihr Geld mit dem Vermieten von GPUs verdienen.
 
 

Was ein Compute-Derivat tatsächlich abbildet

 
Compute bedeutet Rechenleistung – genau das, was Large Language Models in enormen Mengen verbrauchen. Die CFTC definiert den zugrundeliegenden Wert wenig abstrakt, sondern sehr konkret: Das zugrundeliegende Commodity eines Compute-Futures-Kontraktes ist typischerweise „Zugang zu gemieteter Rechenkapazität auf Hardware, die dem Käufer dieser Kapazität nicht gehört“. Als Beispiel wird der stündliche Mietpreis einer Nvidia B200 angegeben. Die Commission lässt aber die Tür für andere Einheiten offen und nennt explizit auch den Zugang zu einer bestimmten Menge von LLM-Inference-Tokens als Alternative.
 
„Gemietet“ ist das Schlüsselwort. Ein Compute-Kontrakt referenziert keinen Chip, kein Rechenzentrum und keine Unternehmensanteile. Er steht für eine Stunde Nutzung eines fremden Prozessors, bepreist in Dollar pro GPU-Stunde – ähnlich wie ein Stromvertrag für eine Megawattstunde steht und nicht für eine Turbine.
 
Eine entsprechende Benchmark existiert bereits öffentlich: Silicon Data veröffentlicht täglich den H100 Rental Price Index mit dem Ticker SDH100RT. Dieser basiert auf Beobachtungen bei Neo-Cloud-Anbietern, Hyperscalern, Colocation-Märkten und privaten Mietplattformen und wird nach Spezifikation, Mietdauer und Geografie standardisiert. Am 24. August um 07:50 UTC lag dieser Index bei 2,53 $ pro GPU-Stunde.
 
Der Grund, warum ein Markt das überhaupt braucht, ist derselbe, warum Fluggesellschaften Kerosin absichern: Rechenleistung ist der größte Einzelkostentreiber zwischen einem AI-Agenten oder einem Frontier-Modell und der Bilanz, die dafür zahlt. Anbieter, die solche Kapazitäten vermieten, müssen Investitionen oft auf Basis einer Nachfrage planen, die niemand zuverlässig vorhersehen kann. Die CFTC orientiert sich in ihrer Herleitung an dem AI Action Plan aus dem Juli 2025, der ausdrücklich empfiehlt, den Markt für Compute-Finanzprodukte zu verbessern, damit Startups und Forschende leichter Zugang erhalten.
 

Warum GPU-Zeit wie eine Ware funktioniert – und wo nicht

 
Eine Stunde H100-Kapazität ist verderblich wie kaum eine andere börsennotierte Ware: Niemand speichert sie, niemand nimmt sie ins nächste Quartal mit, und eine ungenutzte Stunde ist kein Bestand, sondern ein Verlust. Die CFTC bezieht sich dazu explizit auf einen Präzedenzfall; in einer Fußnote wird ihre Arbeit zu Elektrizitätsfutures aus 2012 angeführt, um zu belegen: „Elektrische Energie muss nach Bedarf genutzt oder verbraucht werden“, sie wird nicht im Voraus gekauft, geliefert und gelagert.
 
Das spricht dafür, Compute als Commodity zu behandeln. Die Commission legt dann aber auch überzeugend die Gegenargumente dar: Compute „weist möglicherweise derzeit noch nicht die typischen Eigenschaften von Commodities auf, die üblicherweise den Derivatemärkten zugrunde liegen – inklusive Fungibilität, Standardisierung und ausreichender Liquidität.“ Die Compute-Märkte seien fragmentiert, Preisbildung geschehe meist in intransparenten bilateralen Deals, und dominante Marktteilnehmer könnten genug Marktmacht besitzen, um Indizes zu beeinflussen.
 
Liest man die Fragenliste als Checkliste anstatt als Wunschliste, wird schnell klar, wo die eigentliche Arbeit liegt.
 
Test, den ein gelisteter Kontrakt bestehen muss
Wo Compute laut Einschätzung der CFTC steht
Einheiten sind über alle Anbieter fungibel
Schwach. Der Preis variiert nach Anbieter, Region und Vertragsstruktur
Standardisierte Spezifikationen und Qualitätsstufen
Fehlend. Die Commission erwartet, dass Standardisierung erst geschaffen werden muss
Öffentlich nachvollziehbare Transaktionsaufzeichnung
Dünn. Ersteinschätzung ist, dass nicht-veröffentlichte bilaterale Verträge den Großteil des wirtschaftlichen Werts tragen
Schätzbare verfügbare Liefermenge
Offen. Kommentatoren sollen eine Methodik nach Core Principle 5 vorschlagen
Settlementpreis ist schwer zu manipulieren
Offen. Viele veröffentlichte Preissätze werden von den Anbietern selbst festgelegt
 
Die Manipulationsfrage ist der schärfste Punkt des Dokuments. Wenn ein Compute-Index teilweise aus Preisen errechnet wird, die die Kapazitätsanbieter selbst veröffentlichen, sind diejenigen mit dem größten Einfluss auf den Settlement-Preis gleichzeitig die Kapazitätslieferanten. Die Commission fragt explizit, was einen Anbieter daran hindern würde, Preise anzupassen oder Kapazität während eines Beobachtungsfensters gezielt in bestimmte Märkte zu lenken. Das ist keine rhetorische Frage.
 

Der Abschnitt, der daraus eine Krypto-Story macht

 
Abschnitt II.4 umfasst zwei Fragen (a) und (b) mit rund siebzig Wörtern – aber genau dadurch wird das Dokument für den Krypto- und AI-Infrastruktur-Sektor relevant. Die erste Frage: Ob Perpetual Compute Futures Vorteile für Marktteilnehmer gegenüber „traditionellen“ bzw. Terminkontrakten mit fixem Verfallsdatum bieten und ob sie Absicherungsmöglichkeiten bieten, die bestehende Produkte nicht leisten können. Die zweite fragt, ob Perpetual Compute-Derivate einzigartige Risiken für Marktteilnehmer oder den breiteren Markt bedeuten und welche zusätzlichen Schutzmaßnahmen die Commission oder Börsen ggf. treffen sollten.
 
Ein Perpetual Futures Contract hat kein Fälligkeits- oder Lieferdatum und bleibt durch regelmäßige Zahlungen zwischen Long- und Short-Positionen – die sogenannte Funding Rate – in unmittelbarer Nähe zum zugrunde liegenden Indexwert. Diese Zahlung ersetzt sozusagen die Ausgleichswirkung des Verfallsdatums eines klassischen Terminkontrakts.
 
Nun stellt man dieses Konstrukt gegen einen zugrunde liegenden Wert, der per Definition kein Liefedatum kennt: Gemietete Rechenleistung wird fortlaufend verbraucht, stündlich bepreist und nie auf Lager gelegt – das Kalendermonat eines fix-datierten Kontrakts ist ökonomisch gesehen eher willkürlich. Ein Marktteilnehmer, der sich z. B. drei Jahre lang gegen steigende Compute-Kosten absichern möchte, muss einen dated contract 36-mal rollen und dabei jedes Mal einen Basisverlust in Kauf nehmen. Ein Perpetual hebt das Rollieren komplett auf – und gerade bei einem nicht-lagerfähigen Commodity ist das ein strukturelles, kein kosmetisches Argument.
 
Die Risiken sind vergleichbar: In einem marktengen Umfeld kann die Funding Rate die Wirtschaftlichkeit einer Position dominieren, ein Index basierend auf Anbieter-Preisen bietet einen schwächeren Anker als ein lieferbares Commodity, und fehlendes Verfallsdatum bedeutet auch, dass keine physische Lieferung zur Marktrealität zwingt. Auf diese Kritikpunkte bittet die Commission nun explizit um schriftliche Stellungnahmen.
 
Vorsitzender Michael S. Selig, der seit dem 22. Dezember 2025 als sechzehnter CFTC-Chairman amtiert, formulierte das Ziel in der begleitenden CFTC-Mitteilung: „So wie die amerikanischen Märkte den Goldstandard für die bislang zentralen Commodities der Industrie-Ökonomie setzten, werden wir dasselbe für das Commodity der Intelligenz-Ökonomie tun.“ Der Request sei ein erster Schritt hin zu klaren Spielregeln für amerikanische Compute-Märkte. Das dem Dokument beigefügte Abstimmungsprotokoll hält fest: Er stimmte zu, es gab keine Gegenstimmen im Gremium.
 
Und eine harte Grenze gilt für all das: Ein Request for Comment ist eine Konsultation, keine Regel, keine Genehmigung und kein Produkt. Nichts im Primärtext autorisiert aktuell, einen Compute Perpetual zu listen; der 20. Oktober ist Fristende für Einreichungen, aber kein Handelsstart.
 
 

Was CME und Silicon Data bereits beantragt haben

 
Die Regulierungsfrage kommt nicht aus dem Nichts: CME Group und Silicon Data verkündeten am 11. August ihre Absicht, zwei Kontrakte zu launchen – Silicon Data H100 Rental Index Futures und Silicon Data B200 Rental Index Futures –, Ziel ist der 5. Oktober, gelistet unter NYMEX-Regeln, abhängig von der aufsichtsrechtlichen Prüfung. Jeder Kontrakt entspricht etwa einem Monat Mietdauer auf einer GPU und wird gegen die Silicon-Data-Indizes abgerechnet, nicht gegen physische Lieferung von Kapazität.
 
Zwei Details sind zu beachten: Erstens ist der 5. Oktober explizit an die behördliche Prüfung geknüpft – es ist also eine Absicht, kein Listing, und zwischen Bekanntgabe und Live-Kontrakt liegt bei diesen Produkten immer noch die regulatorische Umsetzung. Zweitens: Beide Produkte sind monatliche Fix-Datum-Futures – genau die Struktur, gegen die Section II.4 den Perpetual kontrastiert sehen will.
 
Die Reihenfolge verrät etwas: Erst kamen Terminkontrakte, dann wurde die Perpetual-Frage gestellt – ein umgekehrtes Muster gegenüber dem Kryptomarkt, wo Perpetuals früh die höchsten Volumina zogen, bevor klassische Futures für den Markt relevant waren. Betreiber der GPU-Flotten, die wir in unserem Data Center Coverage verfolgen, werden jetzt offen gefragt, welcher der beiden Ansätze tatsächlich ihr Risiko absichert.
 

Sechs offene CFTC-Verfahren – und warum sie oft verwechselt werden

 
Diese sechs Verfahren zu verwechseln, ist der wohl häufigste Fehler – und viele haben ihn schon begangen. Die Commission hat aktuell sechs getrennte Konsultationsprozesse offen, mit eigenständigen Dokumenten, Inhalten und Deadlines.
 
CFTC-Konsultationsverfahren
Fristende
Ausweitung klassischer Futures auf 24/7-Handel sowie Perpetuals für physisch gelieferte oder lagerfähige Energierohstoffe
Mittwoch, 26. August 2026
Gemeinsames SEC- und CFTC-Verfahren zu Portfolio-Margining
Montag, 31. August 2026
Überprüfung verpflichtender Swap-Clearing-Anforderungen
Montag, 28. September 2026
Doppelte Regulierung von Commodity Pool Operators und Trading Advisors
Montag, 5. Oktober 2026
Interessenskonflikte und Verbindungen
Montag, 5. Oktober 2026
Notierung von Compute-Derivaten
Dienstag, 20. Oktober 2026
 
Die erste Zeile sorgt für die meisten Verwechselungen, da zwei dieser Verfahren das Wort Perpetual enthalten. Die 24/7-Trading-Konsultation vom 28. Juli fragt generell nach kontinuierlichem Handel von Futures, behandelt Perpetuals aber explizit nur für physisch gelieferte/lagerfähige Energierohstoffe. Compute fällt in keine dieser Kategorien und braucht deshalb ein eigenes Regulierungspapier.
 
Am 20. Oktober enden zudem gleich zwei krypto-nahe Konsultationen: Die SEC-Regelung für Token Offerings (91 FR 54510) und die Compute-Derivate. Wer zu beiden einreicht, arbeitet also mit einem einzigen Kalender.
 

FAQ

 
Ist ein Compute-Futures-Kontrakt ein Krypto-Produkt?
 
Nein. Die Abrechnung erfolgt ausschließlich gegen den Mietpreis von GPU-Kapazität und ist weder an einen Token noch an eine Blockchain gebunden. Die Verbindung zum Kryptosektor ist strukturell: Das von der CFTC vorgeschlagene Perpetual-Design wurde zunächst fast ausschließlich im Kryptoderivatehandel entwickelt und getestet.
 
Können US-Trader einen Compute-Perpetual handeln?
 
Nein! Kein US-Designated Contract Market hat aktuell einen solchen Kontrakt beantragt. Die Commission ist noch im Stadium der Fragestellung, welche Anforderungen ein solches Produkt erfüllen müsste. Die bislang mit Stichtag angekündigten Compute-Produkte von CME und Silicon Data sind monatliche, fix-datierte Futures, keine Perpetuals.
 
Was würde ein Compute-Perpetual eigentlich absichern?
 
Das Exposure auf den stündlichen Mietpreis von AI Computing – offen gehalten auf unbestimmte Zeit. Ein Cloud-Anbieter kann so Umsatz absichern, ein Modellentwickler kann Inputkosten deckeln, ohne jede Position monatlich rollen oder laufend Basisverluste einpreisen zu müssen.
 
Bedeutet das Fristende am 20. Oktober, dass dann direkt etwas passiert?
 
Nein, es endet lediglich die Einreichungsfrist. Ein Request for Comment verpflichtet zu keiner direkten Folge – je nach Agentur-Entscheidung kann danach ein Regelungsentwurf, eine Guidance oder gar nichts folgen.
 

Fazit

 
Das Instrument selbst ist nicht die eigentliche Story. Ein bar-basierter Bitcoin-Perpetual wurde längst auf einem US-Designated Contract Market gecleared – der Konflikt um die Kontraktart ist abgeschlossen. Neu ist das Underlying: Ein Bundesregulator, der die Wörter Perpetual und Compute in die gleiche Überschrift setzt, markiert erstmals offiziell, dass dieses Design weit über Krypto hinaus Anwendung finden kann.
 
Zwei Termine sind entscheidend: Der 5. Oktober – Ziel der CME und Silicon Data für H100- und B200-Kontrakte, abhängig von der aufsichtsrechtlichen Prüfung. Kommt es hier zu Verzögerungen, wird die Prüfung härter als zuvor erwartet. Am 20. Oktober endet die Frist, und die Eingaben werden öffentlich – der gesamte Diskussionsinhalt zum Compute-Perpetual wird also transparent, statt nur aus Pressemitteilungen erschlossen werden zu müssen.
 
Entscheidend ist nun, wer sich zu Wort meldet: Dominieren Börsen und Datenanbieter die Einreichungen, bleibt es eine Marktstruktur-Diskussion. Stimmen große Hyperscaler, Neo-Clouds oder Modell-Labs mit ab, ist das Nachfrageseite real – und erst Nachfrage macht aus einer Anfrage ein echtes Produkt.
 
 
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Führen Sie immer Ihre eigene Recherche durch, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.
 
 

 

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