Bitcoin fiel am 23. Februar 2026 unter die Marke von 65.000 $ und verzeichnete innerhalb weniger Stunden einen Rückgang von über 5 %, nachdem Präsident Trump den globalen Zollsatz auf 15 % anhob. Diese Tarifnachricht war jedoch nur der Auslöser, nicht die Ursache der Entwicklung. Ausschlaggebend waren vielmehr fünf Wochen anhaltender ETF-Abflüsse, ein um 59 % gesunkenes Spot-Volumen im Wochenvergleich, ein Angst- und Gier-Index im einstelligen Bereich sowie ein Derivatemarkt mit erhöhter Hebelwirkung, die bei Abwärtsbewegungen zu Kettenliquidationen führte.
Innerhalb von 24 Stunden wurden Positionen im Wert von mehr als 458 Millionen US-Dollar liquidiert, davon 92 % Long-Positionen. Über 136.000 Trader waren betroffen. Die stündliche Liquidationsspitze lag bei 367 Millionen US-Dollar und sorgte durch konzentriertes, zwangsweises Verkaufen dafür, dass sich ein 3%-Dip zu einem Kursrutsch von über 5 % ausweitete.
Dieser Artikel analysiert die Ereignisse, beleuchtet die strukturelle Marktschwäche und erklärt, wie Risikomanagement-Tools auf Phemex genutzt werden können, um sich in einer Liquidierungswelle besser zu positionieren.
Was ist tatsächlich passiert?
Die Abfolge der Ereignisse ist entscheidend. Es handelte sich nicht um ein Einzelereignis, sondern um vier Faktoren, die sich innerhalb von 72 Stunden kumulierten.
20. Februar: Der Supreme Court kippt IEEPA-Zölle. Das US-Höchstgericht entschied mit 6:3 Stimmen, dass Trumps weitreichende Zölle auf Basis des International Emergency Economic Powers Act unrechtmäßig waren. Kurzzeitig entspannte sich das Marktumfeld. Bitcoin stieg von 66.500 $ auf bis zu 68.000 $.
20.–21. Februar: Trump kontert mit Section 122-Zöllen. Nur wenige Stunden nach dem Gerichtsurteil erließ Trump eine Executive Order für neue globale Zölle von 10 % nach Section 122 des Trade Act von 1974 und kritisierte die Gerichtsentscheidung in sozialen Medien. Bis Samstag erhöhte er den Satz auf 15 %, das gesetzliche Maximum. Die rechtliche Grundlage änderte sich, doch ökonomisch blieben die Auswirkungen identisch: höhere Importkosten, steigende Inflationserwartungen und nachlassende Risikobereitschaft.
22.–23. Februar: Der Verkaufsdruck beschleunigt sich am Wochenende. Bitcoin fiel am Sonntag auf 67.500 $ und rutschte am Montag in der asiatischen Session weiter auf unter 65.000 $. Laut CNBC markierte Bitcoin mit 63.119 $ ein Achtmonatstief. ETH fiel unter 1.870 $. Altcoins wie SOL, XRP und AVAX verloren 6–9 %.
Yen-Carry-Trade-Auflösung verstärkte den Effekt. Ein starker Anstieg des japanischen Yen – ausgelöst durch Spekulationen über restriktivere Maßnahmen der Bank of Japan – zwang institutionelle Anleger zur Reduzierung ihrer Positionen. Da die Liquidität am Wochenende niedrig war, traf diese risikoscheue Bewegung den Kryptomarkt besonders stark.
Warum war der Markt so verwundbar?
Die Tarifnachrichten trafen auf einen bereits strukturell schwachen Markt. Dieses Verständnis hilft, zukünftige Abwärtsbewegungen besser einzuschätzen.
Fünf Wochen in Folge ETF-Abflüsse. Bitcoin-ETFs verzeichneten seit Mitte Januar fast 4 Milliarden US-Dollar an Abflüssen. BlackRocks IBIT verlor allein 2,1 Milliarden, Fidelitys FBTC über 954 Millionen. Das verwaltete Vermögen fiel von 125 auf rund 85–94 Milliarden Dollar. Wenn große Käufer systematisch verkaufen, verstärken sich negative Impulse.
Hoher Hebel trotz Abwärtstrend. VanEck-Analysen zeigen, dass das offene Interesse an BTC-Futures seit dem Oktober-Hoch von 90 Mrd. $ auf etwa 49 Mrd. $ fiel – das verbliebene Hebelvolumen reichte jedoch für Kettenliquidationen. Der Markt hatte 45 % des Maximums an Hebel und 47 % des Preises verloren, aber die verbleibenden Trader waren überwiegend auf steigende Kurse positioniert.
Spot-Volumen war eingebrochen. Mit einem Minus von 59 % beim Spot-Volumen zum Wochenende waren die Orderbücher dünn. Eine Marktausführung von 50 Millionen $ hätte unter normalen Bedingungen kaum den Kurs beeinflusst, sorgt aber bei geringer Liquidität für starke Ausschläge.
Der Angst- und Gier-Index zeigte extreme Werte. Am 23. Februar lag der Index bei 5-6, einem der niedrigsten Werte seit 2018. Bei so gedrückter Stimmung handeln viele Marktteilnehmer aus Panik und schließen Positionen, die sie von Beginn an kleiner hätten wählen sollen.
Hintergründe der Liquidationskaskade
Liquidationsdaten liefern Einblicke, die ein Kurschart nicht bieten kann: Sie zeigen, wie falsch Marktteilnehmer positioniert waren.
| Kennzahl | Daten (23. Feb 2026) |
|---|---|
| 24h-Liquidationen | ~458 Mio. USD gesamt |
| 1h-Spitzenliquid. | 367 Mio. USD |
| Long-vs-Short-Ratio | 92 % Longs liquidiert |
| Liquidierte Trader | 136.000+ |
| BTC-Kursrückgang | 68.000 $ → 64.000 $ (~5,9%) |
| ETH-Rückgang | unter 1.870 $ (~7 %) |
| Schäden bei Altcoins | SOL, XRP, AVAX -6 bis -9 % |
| Angst-/Gier-Index | 5–6 (Extreme Angst) |
Die Liquidationsquote von 92 % bei Long-Positionen zeigt, dass der Markt überwiegend auf steigende Kurse setzte – ein Bounce blieb jedoch aus. Die Folge: Gehebelte Longs wurden zwangsweise verkauft, der Preis fiel weiter, was weitere Liquidationen auslöste – der klassische Liquidationseffekt.
Diese Kaskade setzt sich so lange fort, bis ausreichend Hebel aus dem System gespült wurden und die verbleibenden Verkäufer Spot-Investoren sind, die freiwillig agieren.
Zum Vergleich: Dieses Liquidationsevent war bedeutend, aber nicht das größte 2026. Am 1. Februar führten Kursrückgänge auf 76.000 $ zu 2,2 Mrd. USD Liquidationen innerhalb eines Tages. Im Februar insgesamt wurden wöchentlich 3–4 Mrd. $ liquidiert.
Das Verhalten der "Whales" inmitten des Chaos
Während Privatanleger liquidiert und ETFs Kapital abgezogen haben, zeigten On-Chain-Daten ein anderes Bild: Große Adressen (Whales) erhöhten ihre Bestände um rund 230.000 BTC innerhalb von drei Monaten, mit einem Wert von 15,59 Milliarden USD. Wallets mit 1.000–100.000 BTC akkumulierten seit Januar etwa 150.000 BTC zu einem Durchschnittspreis von 77.000 $, was eine klare Kaufbasis bildete.
Am 6. Februar absorbierten Whale-Wallets 66.940 BTC an nur einem Tag – der größte 24h-Zufluss seit dem Bärenmarkttief 2022 bei 16.000 $.
Diese Divergenz zwischen Retail-Panik und Whale-Akkumulation ist historisch oft ein Vorzeichen für Erholungen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine unmittelbare Gegenbewegung sicher ist – es zeigt vielmehr, dass kapitalkräftige Akteure bei Rücksetzern zukaufen.
Wie professionelle Trader die Liquidierungswelle überstanden
Liquidationen sind keine zwangsläufige Folge eines Crashes, sondern häufig das Resultat vermeidbarer Risikomanagementfehler.
Positionsgröße vor dem Trade festlegen
Trader, die am 23. Februar liquidiert wurden, waren nicht Opfer der Kursbewegung selbst, sondern eines zu hohen Hebels im Verhältnis zum eingesetzten Margin. Wer auf Phemex BTC-Futures mit 10x Hebel handelt, dem reicht eine Bewegung von 5 % gegen die eigene Position, um 50 % des Margins zu verlieren – bei 20x kommt es sofort zur Liquidation.
Die Rechnung ist einfach: Bei 5x-Hebel kann man einen Kursrückgang von 20 % überstehen, bei 10x nur 10 %, bei 25x reichen 4 %. Die Bewegung am 23. Februar betrug weniger als 6 %, d. h. alle Long-Positionen mit über 15x-Hebel waren direkt in Gefahr.
Stop-Loss-Aufträge als Absicherung nutzen
Ein Stop-Loss bei 66.000 $, während BTC bei 68.000 $ gehandelt wurde, hätte die Verluste auf 2,9 % begrenzt, statt eine Zwangsliquidation von 5–6 % zu riskieren. Phemex bietet Standard- und bedingte Stop-Loss-Orders an, die nur unter bestimmten Kursbedingungen ausgelöst werden.
Bedingte Orders sind vor allem in volatilen Phasen nützlich, da sie erlauben, Staffelungen zu definieren: „Wenn BTC unter 66.000 $ fällt, schließe 50 % der Position; unter 64.000 $ den Rest.“ So bleibt das Kapital besser geschützt.
Cross Margin vs. Isolierte Margin: Die richtige Wahl treffen
Isolierte Margin begrenzt das Verlustrisiko auf den eingesetzten Margin einer einzelnen Position. Nur dieser Betrag ist bei Liquidation betroffen.
Cross Margin nutzt das komplette Account-Guthaben als Margin für alle offenen Positionen. Das gibt mehr Spielraum vor der Liquidation, birgt aber das Risiko, dass ein einzelner Trade das gesamte Konto gefährdet.
Gerade in volatilen Märkten ist isolierte Margin die sicherere Option, da das maximale Verlustrisiko von Anfang an klar ist.
Reduce-Only-Orders: Die Notbremse
Der Reduce-Only-Order-Typ von Phemex verhindert, dass versehentlich eine Position vergrößert wird, wenn eine Reduzierung oder Schließung geplant war. Gerade bei schnellen Marktbewegungen kann ein falscher Klick schnell teuer werden. Reduce-Only wirkt hier als Schutzmechanismus.
Funding Rate: Warnsignal für den Markt
Vor dem Crash am 23. Februar waren die Funding Rates bei BTC-Perpetuals positiv – Long-Positionen zahlten also Prämien an Shorts. Persistierend positive Funding Rates zeigen ein Ungleichgewicht. Wenn 92 % der Liquidationen Long-Positionen treffen, zeigt das ein überfülltes Sentiment.
Vor Eröffnung einer gehebelten Position sollte die Funding Rate, z. B. bei CoinGlass, geprüft werden. Ist diese erhöht und der Markt überkauft, können bereits kleine Nachrichten starke Ausverkäufe auslösen.
Wie geht es weiter?
Das makroökonomische Bild bleibt angespannt. Die 15%-Zölle gelten nun nach Section 122, weitere Untersuchungen nach Section 232 und 301 sind geplant. Trumps Besuch in Peking am 31. März könnte zusätzliche Volatilität auslösen.
Technisch bleibt das Bild für Bitcoin schwach: Nach einem Hoch bei 125.000 $ im Oktober 2025 wurden seitdem sukzessive tiefere Hochs gebildet. Der Rückgang auf unter 65.000 $ bedeutet -26 % seit Jahresbeginn und über -47 % seit dem Oktoberhoch.
Gleichzeitig gibt es gegenläufige Faktoren: Whale-Accumulation auf aktuellem Niveau ist die stärkste seit 2022, ETF-Abflüsse könnten sich verlangsamen. Phemex-Analysen sprechen von "Resilienz statt Stärke" beim Kursverlauf während des Tarifevents – der Markt bewegte sich im Vergleich zu klassischen Assets in einer engen Spanne.
Die Angst bleibt hoch, der Hebel wurde größtenteils abgebaut, große Investoren kaufen zu – keine Garantie für ein Boden, aber ein typisches Muster für Bodenbildungsphasen.
Häufige Fragen
Wie viel wurde während des Bitcoin-Crashs am 23. Februar liquidiert?
Innerhalb von 24 Stunden wurden über 458 Mio. USD an Krypto-Futures liquidiert, davon 92 % Long-Positionen. Mehr als 136.000 Trader waren betroffen. Die maximale Liquidationsspitze lag bei 367 Mio. USD pro Stunde. In der Vorwoche wurden 3–4 Mrd. USD liquidiert.
Haben Trumps Zölle den Bitcoin-Crash direkt verursacht?
Die Zölle waren der Auslöser, nicht die Ursache. Bitcoin war bereits 47 % vom Hoch entfernt, ETF-Abflüsse summierten sich auf fast 4 Mrd. USD, das Spot-Volumen lag 59 % unter dem Vorwochenwert und es bestand eine hohe Long-Hebelquote. Die Tarifnachricht traf also einen bereits schwachen Markt.
Welcher Hebel ist in volatileren Phasen ratsam?
Je niedriger, desto besser. Mit 5x-Hebel kann ein 20%-Rückgang abgefedert werden, bei 10x sind es 10 %. Der Crash am 23. Februar bewegte BTC um ca. 6 %. Ab 15x-Hebel bei Long-Positionen drohte direkt die Liquidation. Profis handeln in unsicheren Phasen selten mit mehr als 3–5x, oft noch niedriger oder setzen ganz auf Spot.
Fazit
Der Crash am 23. Februar war ein Test für das Risikomanagement. Die Tarifnachricht war der Auslöser, die Voraussetzungen schufen ETF-Abflüsse, geringe Liquidität, Yen-Carry-Trade-Auflösung und übermäßiger Long-Hebel. Wer Positionsgrößen konservativ wählte, Stop-Loss nutzte und isolierte Margin bevorzugte, konnte Verluste begrenzen. Überhebelte Longs ohne Stops wurden Teil der 458-Millionen-Dollar-Statistik.
Das Marktumfeld trennt Arbeitsweise von Ergebnis. Zollentscheidungen kann man nicht beeinflussen, wohl aber den eigenen Hebel, die Stop-Strategie und die Marginauswahl. Wer diese Punkte beachtet, kann künftige Rücksetzer als Chance statt als Risiko nutzen.
Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Futures birgt erhebliche Risiken und ist nicht für alle Anleger geeignet. Vergangene Liquidationsdaten sind keine Garantie für zukünftige Marktbewegungen. Setzen Sie niemals Kapital ein, dessen Verlust Sie sich nicht leisten können.






