Am 23. April 2026 definierte Belarus als erstes Land offiziell, was eine „Krypto-Bank“ ist und welche Aufgaben sie übernehmen darf. Der erste stellvertretende Vorsitzende der Nationalbank, Alexander Egorov, gab auf der Digital Banking 2026-Konferenz bekannt, dass Krypto-Banken künftig mit 26 zugelassenen Kryptowährungen operieren und 11 Kategorien von Finanzdienstleistungen wie Einlagen, Kredite, Staking und Token-Emission anbieten werden (Quelle).
Der Unterschied zu traditionellen Krypto-Börsen ist deutlich: Börsen ermöglichen primär den Handel, während Krypto-Banken Einlagen, verzinste Konten, Kredite, die Nutzung von Krypto als Kreditsicherheit, Staking unter Regulierung sowie die Übertragung von Assets zwischen Privatpersonen und Unternehmen mit vollständiger Aufsicht bieten. Die rechtliche Grundlage schuf Dekret Nr. 19 vom 16. Januar 2026, die operative Ausgestaltung wurde auf der April-Konferenz vorgestellt.
Im Folgenden wird erläutert, welche Services darunterfallen, wie sich das Modell im Vergleich zu klassischen Börsen verhält und weshalb es über Belarus hinaus relevant sein könnte.
Die 26 zugelassenen Kryptowährungen
Die Nationalbank wählte 26 digitale Assets für den Betrieb von Krypto-Banken. Zur Liste gehören BTC, ETH, TON, SOL sowie mehrere Stablecoins und etablierte Altcoins. Die Auswahl erfolgte laut Egorov anhand von Marktkapitalisierung, Liquidität und den Bedürfnissen von Privat- und Geschäftskunden.
Bemerkenswert ist die Aufnahme von TON. Während westliche Aufsichtsbehörden sich vor allem auf BTC, ETH und klar regulierte Assets konzentrieren, verfolgt Belarus mit der Integration von Toncoin (über Telegram in Osteuropa und Zentralasien verbreitet) einen eigenen Ansatz. Das Ziel ist, bestehende Nachfrage zu bedienen, anstatt auf internationale Regulierungen zu warten.
Die Liste soll laut Egorov dynamisch wachsen – sie ist als „lebendiges Dokument“ angelegt, das mit steigender Investoren-Nachfrage und neuen Assets erweitert wird. Damit unterscheidet sich das Modell deutlich von US-Vorgaben, bei denen jede Coin einzeln eingestuft werden muss.
Was bedeuten die 11 Services konkret?
Klassische Krypto-Börsen bieten meist nur Handel und gelegentlich Staking. Eine belarussische Krypto-Bank hingegen deckt neben diesen Funktionen auch Bankdienstleistungen wie Einlagen und Kredite unter einem regulierten Dach ab.
Die 11 genehmigten Service-Kategorien sind:
Krypto-Einlagen. Kund:innen können Kryptowährungen auf verzinste Konten einzahlen, ähnlich wie bei klassischen Spareinlagen. Die Bank verwaltet die Assets und zahlt Zinsen.
Krypto-besicherte Kredite. Nutzer:innen erhalten Kredite gegen Verpfändung von Krypto-Assets, ausgezahlt in Fiat oder anderen digitalen Assets. Das bekannte DeFi-Konzept findet hier unter Aufsicht der Nationalbank Anwendung.
Staking. Die Bank übernimmt das Staking für Kund:innen und verteilt die Erträge – allerdings unter Bankaufsicht und mit Kapitalanforderungen.
Transfers zwischen Parteien. Krypto-Banken ermöglichen überwachte Transfers zwischen Privatpersonen und Unternehmen.
Token-Emission. Krypto-Banken dürfen eigene Token herausgeben und so neue Finanzprodukte oder Loyalitätsmodelle anbieten.
Tauschdienste. Klassische Umtauschmöglichkeiten zwischen Krypto und Fiat innerhalb der gleichen Bank.
Verwahrung und Storage. Regulierte Verwahrung von digitalen Assets – mit den gleichen rechtlichen Sicherheiten wie bei Bankguthaben.
Weitere Kategorien betreffen betriebliche Abläufe, das Prinzip bleibt: Eine belarussische Krypto-Bank vereint Trading, Einlagen, Kreditvergabe und Verwahrung unter einem Dach und unter einer Lizenz.
Krypto-Bank vs. klassische Börse
Die Lücke zwischen Krypto-Bank und Börse ist größer als viele Trader annehmen.
Funktion | Klassische Krypto-Börse | Belarussische Krypto-Bank |
Spot-Handel | Ja | Ja |
Futures/Derivate | Teilweise | Noch nicht spezifiziert |
Verzinste Einlagen | Begrenzt (Earn-Programme) | Ja, reguliert wie Bankeinlagen |
Krypto-besicherte Kredite | Nein (nur DeFi) | Ja, nach Bankenrecht |
Regulierte Verwahrung | Unterschiedlich je Jurisdiktion | Ja, unter Aufsicht der Nationalbank |
Fiat-Integration | Begrenzt | Vollständig integriert |
Token-Emission | Nein | Ja |
Staking | Ja (teilweise) | Ja, unter Bankaufsicht |
Überweisungen zwischen Parteien | Nur Wallet-zu-Wallet | Regulierte Zahlungsabwicklung |
Kapitalanforderungen | Unterschiedlich | Mindestens 20 Mio. BYN (~$7 Mio.) |
Regulatorische Aufsicht | Sehr unterschiedlich | Doppelaufsicht (Nationalbank + High-Tech Park) |
Der Vergleich verdeutlicht: Börsen sind Marktplätze für den Handel, Krypto-Banken dagegen verwalten Vermögenswerte, vergeben Kredite und operieren unter einem Bankaufsichtsrahmen.
Für Nutzer:innen, die bereits Phemex Earn oder ähnliche Angebote nutzen, bedeutet das Modell eine Formalisierung bekannter Funktionen – allerdings mit klarer Regulierung, zusätzlichem Einlagenschutz und rechtssicherer Kreditvergabe.
Regulatorischer Rahmen der Krypto-Banken
Belarus baut nicht bei null: Bereits 2017 legalisierte Dekret Nr. 8 Krypto-Aktivitäten und richtete den High-Tech Park als regulatorische Sandbox ein. Dekret Nr. 19 erschafft nun eine neue Bankenkategorie anstelle einer bloßen Erweiterung von Börsenkonzessionen.
Die Anforderungen an Krypto-Banken sind hoch: Sie müssen als Aktiengesellschaft strukturiert, im High-Tech Park registriert und im Nationalbankenregister gelistet sein. Das Startkapital beträgt mindestens 20 Millionen BYN (etwa 7 Mio. USD) plus eine nicht rückzahlbare Einzahlung von 10 Mio. BYN bei der Nationalbank. Auf den Gewinn fällt die übliche Körperschaftsteuer von 9 % an, Steuervergünstigungen des High-Tech Parks gelten nicht.
Die Aufsicht erfolgt zweigleisig: Zum einen durch Technologie-Regulatoren (High-Tech Park), zum anderen durch die klassische Finanzaufsicht (Nationalbank). So soll regulatorische Arbitrage wie in anderen Ländern verhindert werden.
Relevant ist auch das Devisenhandelsverbot: Seit September 2024 ist Krypto-Handel gegen Fiat nur über in Belarus lizenzierte Anbieter im High-Tech Park erlaubt. Im Dezember 2024 wurden internationale Börsen wie Bybit, BingX und OKX blockiert. Die Krypto-Bank-Struktur ist Teil der Strategie, alle Krypto-Aktivitäten bei inländischen, lizenzierten Instituten anzusiedeln.
Bedeutung über Belarus hinaus
Allein kann Belarus den globalen Kryptomarkt nicht verändern. Als Modellfall beobachten jedoch viele Länder die Entwicklung: Noch gibt es keine zweite Nation mit einer klar definierten Krypto-Bank-Kategorie. Länder wie die Schweiz, die VAE oder Singapur verfügen über krypto-freundliche Banken, jedoch nicht über eine dedizierte institutionelle Kategorie mit maßgeschneiderter Regulierung.
Das 11-Services-Modell adressiert eine Lücke, die DeFi bislang unreguliert schließt: Krypto-Kredite und Einlagen gibt es bereits auf Blockchain-Protokollen wie Aave und Compound – allerdings ohne Einlagensicherung oder Kapitalanforderungen. Belarus setzt auf ein Bank-Modell zum Schutz der Einleger.
Gerade für Staaten in Osteuropa und Zentralasien (z. B. Kasachstan, Georgien, Armenien) kann das Modell als Vorbild dienen – und eröffnet einen über den reinen Börsenbetrieb hinausgehenden Weg für die Krypto-Integration in das Finanzsystem.
Häufige Fragen
Was ist eine belarussische Krypto-Bank?
Eine Krypto-Bank laut Dekret Nr. 19 ist eine Aktiengesellschaft, die klassische Bankdienstleistungen und digitale Asset-Services unter Aufsicht der Nationalbank anbieten darf. Dazu gehören Krypto-Einlagen, besicherte Kredite, Staking, Transfers und eigene Token-Emission. Das Mindestkapital beträgt rund 7 Mio. US-Dollar.
Welche Kryptowährungen sind zulässig?
Die Nationalbank genehmigte 26 digitale Assets (u. a. BTC, ETH, TON, SOL, mehrere Stablecoins). Die Liste wird laufend aktualisiert.
Wie unterscheidet sich eine Krypto-Bank von einer klassischen Börse?
Eine Börse ist eine Handelsplattform. Eine Krypto-Bank kombiniert Handel mit Bankdienstleistungen wie verzinsten Einlagen, Krediten und regulierter Verwahrung – unter strenger Aufsicht der Nationalbank und der High-Tech Park-Behörde.
Wer kann ein Konto eröffnen?
Das Modell richtet sich an Privatpersonen und Unternehmen. Belarus untersagt jedoch seinen Einwohnern den Zugang zu ausländischen Krypto-Plattformen und lenkt sämtliche Aktivitäten auf inländische Anbieter. Der Zugang für internationale Nutzer hängt von den jeweiligen Bankenbestimmungen ab.
Fazit
Belarus schafft eine neue Institution: Krypto-Banken sind keine erweiterten Börsen oder klassische Banken mit Krypto-Fokus, sondern eigenständige Finanzdienstleister für digitale Assets mit Einlagen, Krediten, Verwahrung und regulierten Transfers.
Das Modell mit 26 Währungen und 11 Services ist bewusst breit aufgestellt, die Asset-Liste bleibt erweiterbar. Die ersten Krypto-Banken sollen spätestens Mitte 2026 starten. Ob das Modell Schule macht, hängt von der Umsetzung, Kapitalausstattung und internationalem Interesse ab. Das Referenzmodell existiert nun und gibt anderen Jurisdiktionen eine neue Orientierung.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Bitte informieren Sie sich eigenständig, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.





