
Am 28. Mai 2026 hat die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) den ersten Perpetual-Futures-Kontrakt auf einer in den USA regulierten, bei der CFTC registrierten Börse genehmigt und dies am nächsten Tag offiziell bekannt gegeben. Bei dem Kontrakt handelt es sich um einen bar abgerechneten Bitcoin-Perpetual (BTCPERP), gelistet beim Designated Contract Market Kalshi, der sich auf den Spotpreis von Bitcoin bezieht – ohne festes Lieferdatum. Gleichzeitig veröffentlichte die CFTC eine formelle Policy Statement bezüglich der Notierung von Perpetual-Kontrakten, in der dargelegt wird, wie zukünftige Produkte dieser Art überprüft werden.
Die Bedeutung reicht weit über diesen einen Bitcoin-Kontrakt hinaus. Perpetual Futures sind seit Jahren das weltweit meistgehandelte Krypto-Derivat. Das Gros des Handelsvolumens entfiel bislang auf Offshore-Handelsplätze außerhalb des direkten US-Regulierungsrahmens. Mit der Überführung der Struktur unter den Commodity Exchange Act ist es erstmals möglich, dass US-Händler einen Perpetual-Kontrakt innerhalb desselben Rechtsrahmens wie Öl-, Gold- oder Zinsfutures handeln können.
Im Folgenden erfahren Sie, was die CFTC genau genehmigt hat, wie Perpetual Futures funktionieren und warum die Onshore-Listung einen Wandel für US-Händler im Bereich Krypto-Derivate bedeuten könnte.
Was wurde von der CFTC genehmigt?
Kalshi reichte den BTCPERP-Kontrakt zur Überprüfung gemäß Commission Regulation 40.3 ein (dem freiwilligen Produktgenehmigungsweg), woraufhin die CFTC am 28. Mai 2026 die Order for Approval ausstellte. Die Commission stellte fest, dass der Kontrakt mit dem Commodity Exchange Act sowie den Core Principles für designated contract markets gemäß Section 5(d) des Gesetzes übereinstimmt. Kurz gesagt: Ein Perpetual, der sich auf ein digitales Gut bezieht, kann nun als regulierter Futures-Kontrakt in den USA angeboten werden.
Die Genehmigung bedeutete zwei Dinge: Erstens wurde das konkrete Produkt freigegeben, zweitens ein Regelbeispiel geschaffen. Die begleitende Policy Statement signalisiert, dass weitere Perpetual-Kontrakte auf digitale Güter wie Bitcoin einem ähnlichen Verfahren folgen könnten, während Kontrakte auf andere Assetklassen weiterhin einzeln geprüft werden müssen. Kalshi ist vor allem als CFTC-regulierter Prediction Market bekannt – mit dieser Order wird erstmals ein Krypto-Derivat reguliert.
Die Entscheidung wurde nicht uneingeschränkt begrüßt. Am 18. Juni 2026 reichte der Börsenbetreiber CME Group eine Klage ein, dass Perpetuals aus rechtlicher Sicht als Swaps (nicht Futures) unter das Dodd-Frank-Regelwerk fallen müssten – eine Klassifizierung, die die CFTC seit 2020 auch selbst bei Enforcement-Maßnahmen nutzte. Diese Frage wird nun gerichtlich geklärt und das Ergebnis könnte Einfluss auf die Regulierung und Sicherheitenanforderungen haben.
Was sind Perpetual Futures und wie funktionieren Funding Rates?
Ein Perpetual Future ist ein Derivat ohne Verfallsdatum. Klassische Futures laufen zu einem festen Termin aus, die Position wird dann geschlossen und der Preis gleicht sich dem Spot an. Perpetuals hingegen laufen ohne festes Enddatum – Positionen können beliebig lange gehalten werden. Das macht sie besonders für aktive Krypto-Trader attraktiv, die fortlaufende Marktengagements bevorzugen.
Das Problem: Ohne Verfallsdatum droht der Preis vom Spotkurs abzuweichen. Die Lösung ist die Funding Rate – eine kleine regelmäßige Zahlung (typisch alle 8 Stunden) zwischen Tradern auf der Long- und Short-Seite.
Die Funding Rate wirkt wie eine Feder: Handelt der Perpetual über Spot, zahlen Longs an Shorts (dadurch werden neue Longs weniger attraktiv, der Preis sinkt), handelt der Perpetual unter Spot, zahlen Shorts an Longs (umgekehrt). Die Börse selbst erhält diese Zahlungen nicht – sie dienen nur dem automatischen Preisausgleich, sodass ein gut strukturierter Perpetual den Basiswert eng abbildet, ohne je zu verfallen.
Dieses Design begründete den Erfolg der Perpetuals, birgt aber auch Risiken: Durchgehendes Marktexposure und die Möglichkeit von Hebelwirkung bedeuten, dass offene Positionen sich beliebig lange gegen den Trader entwickeln können und Funding-Gebühren anfallen, solange die Position gehalten wird.
Warum die Onshore-Listung von Perpetuals relevant ist
In den letzten Jahren waren liquide Perpetual-Futures für US-Trader praktisch nur an Offshore-Börsen handelbar – außerhalb des US-Regulierungsrahmens. Das CFTC-Order schließt nun diese Lücke, indem es einen Perpetual-Kontrakt in das gleiche Gesetz einordnet, das auch andere regulierte Warenderivate seit Jahrzehnten regelt.
Die Unterschiede zwischen einem US-regulierten Perpetual und einem klassischen Futures-Kontrakt bestehen in einigen zentralen Punkten:
| Merkmal | US-regulierter Perpetual-Future | Klassischer Futures-Kontrakt |
|---|---|---|
| Verfall | keiner, Position bleibt offen | Fester Abrechnungstag |
| Preisbindung | Funding-Rate gleicht Preis an Spot an | Konvergenz zu Spot bei Ablauf |
| Rollover | Nicht erforderlich | Muss in nächsten Kontrakt gerollt werden |
| Abrechnung | Barabwicklung auf Spotindex | Bar- oder physische Lieferung |
| Regulatorischer Rahmen | Commodity Exchange Act | Commodity Exchange Act |
Strategisch betrachtet ist diese Entwicklung eine Migration: Bietet ein regulierter US-Perpetual denselben kontinuierlichen Marktzugang wie Offshore-Produkte, besteht für einen Teil des Handelsvolumens ein Anreiz, zurück in die USA zu wechseln. Laut CoinDesk wurde die Genehmigung von der Branche als Startschuss für einen Onshore-Perpetual-Markt gewertet. Bereits in der Beta-Phase des Kalshi-Kontrakts wurden in den ersten Wochen Milliarden an Nominalvolumen gehandelt. Das beweist keinen schnellen Wandel, zeigt aber eine reale Nachfrage nach regulierten Alternativen.
Bedeutung für Trader und Institutionen
Für aktive Trader bedeutet dies mehr Auswahlmöglichkeiten: Ein bei der CFTC gelisteter Perpetual bietet ein klar überwachtes Umfeld mit definierten Margin-Regeln und Kundenrechten – dies verringert Unsicherheiten für alle, die bisher keine Offshore-Produkte handeln wollten. Die Produktmechanik bleibt gleich: Hebelwirkung wirkt in beide Richtungen, Funding-Gebühren fallen weiterhin an, schnelle Kursbewegungen können zu Liquidationen führen.
Für Institutionen ist der Effekt strukturell: Compliance-Teams von Fonds, registrierten Beratern und Handelsdesks dürfen nur Produkte handeln, die innerhalb des US-Regulierungsrahmens angeboten werden. Ein nach dem Commodity Exchange Act abgewickelter Perpetual beseitigt diese Hürde – ähnlich wie die Einführung des Bitcoin ETF institutionellen Zugang zum Spotmarkt ermöglichte. Die Policy Statement lässt auch die Tür für Perpetuals zu anderen digitalen Gütern offen. So könnten Produkte auf Werte wie Ethereum (kein deutscher Academy-Artikel vorhanden) oder Solana folgen, sofern sie das Prüfverfahren durchlaufen.
Zu beachten ist: Nichts davon ist endgültig. Die CME-Klage könnte eine Neueinstufung erzwingen, was strengere Kapitalanforderungen und andere Margin-Standards bedeuten würde. Trader sollten die regulatorische Entwicklung weiterhin beobachten.
Häufig gestellte Fragen
Sind Perpetual Futures jetzt in den USA legal?
Ein Perpetual Future ist für das spezifisch genehmigte Produkt – den bar abgerechneten Bitcoin Perpetual von Kalshi – jetzt auf einer US-regulierten Börse legal. Die Policy Statement deutet an, dass weitere Perpetuals auf digitale Güter folgen könnten. Jedes neue Produkt benötigt aber eine Einzelfallprüfung und die laufenden Gerichtsverfahren können das regulatorische Umfeld noch beeinflussen.
Wie unterscheidet sich ein Perpetual Future von einem normalen Futures-Kontrakt?
Ein normaler Futures-Kontrakt hat ein festes Verfallsdatum und wird am Stichtag abgerechnet, der Preis gleicht sich dem Spot an. Ein Perpetual hat kein Verfallsdatum, sondern nutzt regelmäßige Funding-Rate-Zahlungen zwischen Longs und Shorts, damit der Preis beim Spotmarkt bleibt – die Position kann beliebig lange gehalten werden.
Was ist eine Funding Rate und wer zahlt sie?
Die Funding Rate ist eine kleine Zahlung, die direkt zwischen Long- und Short-Positionen eines Perpetuals ausgetauscht wird (in der Regel alle acht Stunden). Handelt der Kontrakt über Spot, zahlen Longs an Shorts; handelt er unter Spot, zahlen Shorts an Longs – damit bleibt der Preis am Markt orientiert.
Warum dominierten Perpetual Futures früher Offshore-Börsen?
Perpetuals ermöglichten kontinuierliche gehebelte Marktengagements ohne ständiges Rollen von Kontrakten. Weil es kein US-reguliertes Angebot gab, konzentrierte sich die Liquidität auf Offshore-Plattformen. Die CFTC-Genehmigung ist der erste Schritt zu einer regulierten Alternative für US-Händler.
Fazit
Die CFTC hat mehr als nur einen Bitcoin-Kontrakt genehmigt: Sie hat klargestellt, dass Perpetuals auf digitale Güter als Futures unter dem Commodity Exchange Act gelistet und reguliert werden können und einen Weg für weitere Produkte eröffnet. Entscheidend bleibt die Beobachtung, wie sich die Handelsvolumina onshore entwickeln und wie das laufende CME-Verfahren mögliche Neueinstufungen beeinflusst. Für Trader bleibt die Mechanik unverändert: Funding Rates koppeln den Preis an den Spot, Hebelwirkung wirkt in beide Richtungen. Neu ist, dass erstmals ein regulierter Zugang in den USA existiert.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen birgt erhebliche Risiken. Führen Sie immer eigene Recherchen durch, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.
