Am 27. März muss die SEC endgültige Entscheidungen zu 91 ausstehenden Krypto-ETF-Anträgen treffen, die sich auf 24 verschiedene Token beziehen. Am selben Tag laufen auf Deribit BTC- und ETH-Optionen im Wert von 13,5 Mrd. USD ab – dies ist die bislang größte quartalsweise Abwicklung im Jahr 2026. Zwei derart bedeutende Marktereignisse an einem Tag gab es im Krypto-Markt bisher nicht, was sich auch in der Positionsstruktur über Spot-, Futures- und Optionsmärkte widerspiegelt.
Hier erfahren Sie, welche ETFs und Token besonders relevant sind und warum das Optionsverfallsdatum die Volatilität zusätzlich erhöhen kann.
Was decken die 91 ETF-Anträge ab?
Die 91 bei der SEC anhängigen Anträge sind keine identischen Produkte. Sie umfassen Spot-ETFs für einzelne Token, Staking-ETFs, gehebelte Produkte und Multi-Asset-Körbe. Laut Bloomberg Intelligence beziehen sich diese auf 24 Token, darunter BTC, ETH, SOL, XRP, LTC, DOGE, ADA, LINK, AVAX, DOT, HBAR und SHIB.
Die gemeinsame Entscheidung von SEC und CFTC vom 17. März, in der 16 Krypto-Assets als digitale Rohstoffe eingestuft wurden, hat das größte Hindernis für viele dieser Anträge entfernt. Bis zu diesem Beschluss musste für jeden Antrag außerhalb von Bitcoin und Ethereum erst geklärt werden, ob es sich um einen Rohstoff oder ein Wertpapier handelt. Für 16 der 24 Token ist diese Frage nun geklärt.
Der Rohstoffstatus allein reicht jedoch nicht aus. Die SEC verlangt zusätzlich eine mindestens sechsmonatige Handelsgeschichte von CME-Futures nach allgemeinen Listungsstandards sowie den abgeschlossenen S-1-Registrierungsprozess. Manche der 91 Anträge erfüllen beide Bedingungen, andere hinken bei der Futures-Historie oder der Registrierung hinterher. Das Ergebnis am Donnerstag wird daher kein pauschales Ja oder Nein sein, sondern eine Mischung aus Zulassungen, Ablehnungen und Fristverlängerungen.
Diese Token sind am Donnerstag besonders relevant
Nicht alle Anträge haben gleiches Gewicht. Aus Trader-Sicht sind drei Gruppen besonders zu beachten.
XRP ist am weitesten fortgeschritten. Sieben XRP-Spot-ETFs sind bereits handelbar und verzeichneten Zuflüsse von insgesamt 1,44 Mrd. USD seit dem Start. Die verbleibenden XRP-Anträge am Donnerstag betreffen gehebelte Produkte und weitere Spot-Anträge neuer Anbieter. Eine Zulassung hier würde den XRP-ETF-Markt vertiefen. XRP-Kursentwicklung auf Phemex.
SOL und LTC folgen. Die Staking-ETFs VSOL von VanEck und BSOL von Bitwise sind bereits gelistet, weitere SOL-Spot-ETFs ohne Staking sowie Litecoin-ETFs stehen an. SOL profitiert von institutioneller Nachfrage. Der ETHB-Staking-ETF von BlackRock mit 107 Mio. USD Startkapital zeigte diese Marktnachfrage. Ein entsprechendes SOL-Produkt könnte von ähnlichem Interesse sein, zumal die SOL-Staking-Rendite mit 6-7 % etwa doppelt so hoch wie bei ETH liegt.
DOGE als Sonderfall. Der REX-Osprey DOJE Dogecoin ETF ist seit September 2025 handelbar, weitere DOGE-Spot-ETFs großer Anbieter stehen aus. Dogecoin ist als Rohstoff klassifiziert, und auch wenn ein Meme-Coin-ETF zunächst ungewöhnlich klingt, existiert DOJE bereits und verzeichnet nennenswerte Handelsvolumina.
Warum der Optionsverfall das Risiko verstärkt
Die SEC-Entscheidung allein könnte die Märkte bewegen. Doch am Donnerstag ist auch der quartalsweise Optionsverfall bei Deribit, bei dem BTC- und ETH-Kontrakte im Wert von 13,5 Mrd. USD abgerechnet werden.
Der Verfall zwingt Market Maker zum Abbau von Hedging-Positionen. Ist das offene Interesse auf bestimmte Strikes konzentriert, übt das Ablaufdatum einen Sog auf diese Preisniveaus aus, da die Dealer ihre Delta-Exposures anpassen. Kommt ein regulatorisches Ereignis dazu, verstärken sich Nachrichtenlage und Optionsmarkt gegenseitig.
Beim Quartalsverfall im Dezember 2025 wurden 27 Mrd. USD abgerechnet, was innerhalb von 48 Stunden zu einem 6% BTC-Kursausschlag führte. Diesmal ist der Betrag etwa halb so groß, dafür sind die fundamentalen Auslöser bedeutender. Die aktuelle Deribit-Positionierung zeigt eine deutliche Nachfrage nach Volatilitätsstrategien, was auf Bewegung, aber Unsicherheit bezüglich der Richtung schließen lässt.
Die Grayscale-HYPE-Anmeldung und ihre Bedeutung
Am 20. März reichte Grayscale einen S-1-Antrag für einen Spot-HYPE-ETF ein, der den nativen Token von Hyperliquid (GHYP) abbilden soll und an der Nasdaq gelistet werden könnte. VanEck, 21Shares und Bitwise haben ebenfalls HYPE-Produkte beantragt, insgesamt gibt es vier Bewerber.
Hyperliquid ist eine dezentrale Börse für Perpetuals. Dass deren Governance-Token nun ETF-tauglich werden könnte, zeigt, wohin die Entwicklung geht: ETFs auf Infrastruktur-Token im DeFi-Sektor. Eine positive Entscheidung am Donnerstag könnte diesen Trend beschleunigen.
Der Grayscale-Antrag enthält zudem eine "Staking Condition", um künftig Staking-Belohnungen zu ermöglichen – ein Ansatz, der zunehmend zum Standard wird, sobald die Regulierungsbehörden zustimmen.
Was Zustimmung, Ablehnung oder Verlängerung für die Kursentwicklung bedeutet
Es ist unwahrscheinlich, dass der Markt 91 Zulassungen einpreist. Erwartet wird vielmehr eine Auswahl und damit eine Trennung in Gewinner und Verlierer.
Genehmigt die SEC vorrangig Anträge für Token mit Rohstoffstatus und ausreichender CME-Futures-Historie, könnten die jeweils genannten Assets zunächst steigen, bevor das Kapital gezielter in die zugelassenen Token rotiert. SOL könnte besonders profitieren, da sich damit Investoren der Zugang zum ETF-Markt ohne direkte Staking-Prozesse eröffnet.
Verlängert die SEC die Fristen der meisten Anträge – möglich bis zu 240 Tage nach Erstantragstellung –, bleibt der Tag für die Preise weitgehend neutral, könnte aber die Stimmung dämpfen.
Werden Anträge mit fehlender Futures-Historie oder unvollständigem S-1-Prozess abgelehnt, dürften diese Token abverkauft werden, während genehmigte Assets Kapital anziehen. Die stärksten Kursreaktionen werden zwischen Donnerstag 22 Uhr MEZ (Veröffentlichung der SEC-Beschlüsse) und Freitagmorgen erwartet – parallel zur Marktanpassung nach dem Optionsverfall.
So können sich Anleger auf Donnerstag vorbereiten
Die konkrete Entscheidungsverteilung der SEC ist nicht vorhersehbar, dennoch gibt es Anhaltspunkte für die Positionierung:
Wer bereits investiert ist, sollte die CME-Futures-Historie des jeweiligen Tokens berücksichtigen: Sechs Monate oder mehr erhöhen die Chancen auf eine Genehmigung deutlich.
Für Neueinsteiger kann es sinnvoll sein, die Entscheidung am Donnerstagnachmittag abzuwarten, da die volatilsten Bewegungen oft erst nach der Abwicklung der Optionen auftreten. Das Muster „Sell the News“, das 2025–2026 viele FOMC-Events prägte, könnte auch hier beobachtet werden.
Positiv für die Bullen: Die Klarstellung als Rohstoff am 17. März hat das größte rechtliche Risiko für ETF-Anträge beseitigt. Selbst bei Verlängerungen bleibt dieser Status bestehen, sodass alle später zugelassenen Anträge auf festerer rechtlicher Basis stehen als je zuvor.
FAQ
Werden alle 91 Krypto-ETF-Anträge am 27. März genehmigt?
Nein. Wahrscheinlich werden einige genehmigt, andere verlängert und einige abgelehnt. Token mit bestätigtem Rohstoffstatus und ausreichender CME-Futures-Historie haben die besten Chancen. Multi-Asset-ETFs und Token ohne Futures-Historie dürften länger warten.
Wie beeinflusst der Optionsverfall die Kryptopreise am Donnerstag?
Mit dem quartalsweisen Optionsverfall in Höhe von 13,5 Mrd. USD auf Deribit werden Hedging-Positionen abgebaut, was zusätzlichen Preisdruck unabhängig von der SEC-Entscheidung erzeugen kann. Da sich die Veröffentlichung der SEC-Beschlüsse (oft 22 Uhr MEZ) und die Optionsabrechnung überschneiden, konzentriert sich die Volatilität auf Donnerstagabend bis Freitagmorgen.
Welche Krypto-ETFs sind bereits handelbar?
Sieben XRP-Spot-ETFs mit 1,44 Mrd. USD Zufluss sind aktiv, der ETHB-Staked-Ethereum-ETF von BlackRock startete am 12. März mit 107 Mio. USD. VanEck- und Bitwise-SOL-Staking-ETFs sind bereits gelistet, der REX-Osprey DOJE Dogecoin ETF ist seit September 2025 verfügbar, Bitcoin-Spot-ETFs seit Januar 2024.
Garantiert der Rohstoffstatus die ETF-Zulassung?
Er beseitigt das wichtigste Hindernis, aber nicht alle. Die SEC verlangt weiterhin ausreichende CME-Futures-Historie und einen abgeschlossenen S-1-Registrierungsprozess. Der Rohstoffstatus klärt die rechtliche Einordnung, aber es bleiben operationale und marktstrukturelle Anforderungen.
Fazit
Der Donnerstag hebt sich deutlich von bisherigen SEC-Fristen ab: Erstmals stehen 91 Krypto-ETF-Anträge vor einer finalen Entscheidungsrunde, während die rechtliche Einordnung als Rohstoff bereits geklärt ist. Gleichzeitig läuft der Optionsverfall über 13,5 Mrd. USD. Die Spannweite der Ergebnisse reicht von breiter Zulassung mit beschleunigter ETF-Ausweitung bis zu massiven Fristverlängerungen bis Ende 2026.
Im Fokus stehen XRP (Vertiefung eines bestehenden ETF-Marktes), SOL und LTC (erstmalige Spot-Zulassung möglich) sowie DOGE (Test, wie weit das ETF-Konzept reicht). Die kritischste Phase für Kursbewegungen ist von Donnerstagnachmittag bis Freitagmorgen. Unabhängig vom Ergebnis bleibt die Rohstoffklassifizierung bestehen – verzögerte Anträge kommen später auf einer besseren Rechtsgrundlage zurück als je zuvor.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Führen Sie stets Ihre eigene Recherche durch.






