
Bernstein-Einschätzung: Kursziel am 21. Juli 2026 von 130 auf 160 US-Dollar mit Outperform-Bewertung angehoben
These: Im Fiskalquartal Q2 könnte der Umsatz aus Prediction Markets erstmals den Krypto-Umsatz bei Robinhood übertreffen
Wachstumsprognose: Prediction Markets sollen laut Bernstein bis 2028 einen Umsatz von 1,7 Mrd. USD erreichen (ca. 64 % CAGR)
HOOD-Kurs: 106,57 USD am 22. Juli
Robinhood Chain: 450 Mio. USD TVL nur drei Wochen nach Launch
Der Analyst Gautam Chhugani von Bernstein hat diese Woche einen wichtigen Meilenstein datiert. In einer Notiz vom 21. Juli, in der das Kursziel für Robinhood auf 160 US-Dollar angehoben und die Outperform-Bewertung bestätigt wurde, argumentiert er, dass im Fiskalquartal Q2 (April bis Juni 2026) erstmals der Umsatz aus Prediction Markets den Krypto-Umsatz übersteigen könnte. Prediction Markets sind regulierte Plattformen, auf denen Nutzer Verträge zu realen Ereignissen – von Wahlen bis Wirtschaftsdaten – handeln. Robinhood entwickelt diesen Bereich zur am schnellsten wachsenden Geschäftssparte. Das Krypto-Segment, das lange das Wachstum von Robinhood trieb, könnte in der Umsatzstatistik an Bedeutung verlieren.
Dieser mögliche Wendepunkt hat Bedeutung über das reine Broker-Geschäft hinaus. Wenn Event Contracts auf der meistbeachteten Retail-Plattform der USA das Krypto-Segment überholen, wird daraus ein Kerngeschäft – und das kommende Q2-Ergebnis wird zum klaren Markttest dieser Entwicklung.
Worauf Bernstein tatsächlich setzt
Das Prinzip der These ist einfach – und gerade deshalb wirkungsvoll. Der Umsatz aus Prediction Markets entsteht durch Kommissionen auf das Vertragsvolumen, wächst also mit der Aktivität der Nutzer, nicht mit den Assetpreisen. Krypto-Transaktionen hängen dagegen stärker von Kursschwankungen und Markvolatilität ab. Die eine Linie wächst durch Engagement, die andere schwankt mit dem Markt. Chhugani setzt darauf, dass das Engagement getriebene Wachstum schneller zum Ziel führt, als der Markt erwartet.
Der Kurs reagierte umgehend: HOOD legte am Montag um 8,3 % auf etwa 107 USD zu – ein deutlicher Tagesgewinn im Zuge der Nachfrage seit der S&P 500-Aufnahme von Robinhood, die wir in einem früheren Artikel zur Indexaufnahme analysiert haben. Ein reines Kursziel bewegt Large Caps selten so stark; am Markt wird der Meilenstein eingepreist, da ein Crossover-Quartal die Event Contracts als Hauptwachstumstreiber in den Fokus rückt.
Für Trader verändert das die Bedeutung des nächsten Earnings Calls: Es geht nicht mehr nur um Handelsvolumen, sondern um die Entwicklung einer neuen Einnahmekategorie.
Auch aus Bewertungs-Sicht ist das relevant: Aktivitätsabhängige Umsätze sind verlässlicher planbar als volatilitätsgetriebene. Märkte zahlen für gut prognostizierbare Einnahmen höhere Multiples. Gelingt das Crossover, verschiebt sich die Diskussion auf die Bewertung des robusten Transaktionsgeschäfts von Robinhood – ohne dass zwingend neue Nutzer hinzukommen müssen.
Die Umsatzlinien von Robinhood im Überblick
Eine kurze Übersicht erleichtert die Einordnung von Bernsteins Einschätzung:
| Umsatzkategorie | Status quo | Bernstein-Prognose |
|---|---|---|
| Prediction Markets | Neueste Transaktionslinie, wächst mit jeder Wahl und Datenveröffentlichung von kleiner Basis | Bis 2028 auf dem Weg zu 1,7 Mrd. USD bei ca. 64 % CAGR, Crossover möglich in Fiskal-Q2 |
| Krypto | Zyklisch, stark in aktiven Phasen, schwach in ruhigen Quartalen | Maßstab für das Crossover. Die Bewertung hängt davon ab, ob die Krypto-Linie selbst wächst oder sinkt |
| Optionen | Langjähriges Zugpferd der Transaktionsumsätze | Aktuell nicht im Fokus der These. Nächster Benchmark, falls Event Contracts weiterhin stark wachsen |
| Aktien | Hohes Volumen, geringe Einnahmen je Trade (provisionsfrei) | Hintergrund für das Kursziel. Stabil, gering, langsam wachsend |
Die Kernaussage: Prediction Markets wachsen stetig, Krypto ist volatil. In einzelnen Quartalen kann Krypto die Nase vorn haben, mittel- und langfristig sieht Bernstein die Zukunft bei den Prediction Markets.
Warum Prediction Markets anders skalieren als Krypto-Zyklen
Der größte Vorteil liegt in der Themenbreite: Jede Wahl, Sport-Saison, Wirtschaftsdaten oder kulturelle Ereignisse schaffen neue handelbare Contracts – unabhängig von der Marktstimmung. Krypto hängt an der Volatilität, Eventbörsen generieren laufend neue Anlässe. Außerdem diversifiziert das Angebot: Auch ohne Krypto-News bringen Fed-Meetings, Playoffs oder Vorwahlen frisches Volumen.
Wahlzyklen wirken als wiederkehrender Nachfrage-Treiber. Die Midterms im November 2026 liegen mitten im Bernstein-Wachstumsfenster; Wahlen haben in der Vergangenheit viele Erstnutzer auf Eventbörsen gebracht, die oft für Sport- und Makro-Contracts bleiben. Der Bitcoin hält sich aktuell zwar über 66.000 USD durch die Fortschritte beim CLARITY Act, wie in unserem separaten Marktbericht analysiert – aber Prediction Markets sind darauf nicht angewiesen.
Die Regulierung verschafft einen weiteren Vorteil: Event Contracts an bundesregulierten Börsen unterliegen der CFTC, dem gleichen Rahmen wie Rohstoffderivate. Das erleichtert Analysten die Prognose, da ein bundesweites Produkt weniger Rechtsunsicherheit mit sich bringt als 50 Einzelstaaten-Regelungen.
Die Rolle der Robinhood Chain
Das dritte Argument für weiteres Wachstum ist die Blockchain: Robinhood Chain, die eigene Blockchain des Unternehmens, verzeichnete drei Wochen nach dem Start bereits 450 Mio. USD TVL. TVL („Total Value Locked“) misst das auf DeFi Anwendungen gebundene Kapital. Eine neunstellige Summe in so kurzer Zeit deutet auf echtes Nutzerinteresse, nicht nur Marketing.
Auf der Chain entsteht ein eigenes Ökosystem. Pons, die derzeit aktivste App auf Robinhood Chain, wird in unserem heutigen separaten Artikel genauer erklärt – sie folgt dem Modell, das Pump.fun auf Solana, wo Token-Launchpads den Netzwerktraffic antreiben.
Für die Aktie ist die Chain eine neue Geschäftsfläche mit Potenzial für Gebühren auf Settlement, Emission und App-Aktivität. Dies steckt noch in den Anfängen und ist im aktuellen Umsatz nicht enthalten – weshalb Fans diese Option so schätzen: Selten gibt es solch frühe Chancen bei einem Unternehmen mit bereits profitablen Transaktionssparten.
Risiken für Bernsteins Prognose
Ein jährliches Wachstum von fast zwei Dritteln bis 2028 ist ambitioniert. Die Kategorie hat eine kurze Historie; ihre besten Quartale fielen meist in Wahlphasen. 2027 gibt es keine US-Bundeswahlen, das mittlere Jahr hängt daher vom Wachstum bei Sport- und Makro-Contracts ab – eine Herausforderung für junge Produkte. Solche Wachstumsraten sind üblich in frühen Jahren, werden aber mit der Zeit seltener.
Zweitens: Konkurrenz. Kalshi und Polymarket sind etablierte Plattformen im Bereich Prediction Markets. Ein Broker, der Event Contracts an die breite Masse bringt, konkurriert mit diesen Anbietern um Reichweite und Gebühren. Ist das Gebührenniveau zu niedrig, kann trotz Adoption der Umsatz stagnieren.
Drittens: Regulierung. Einige Bundesstaaten stellen Sportwetten-Contracts weiter in Frage. Auch die bundesweite Linie kann sich politisch oder regulatorisch verschieben. Der CFTC-Rahmen ist ein Vorteil, aber kein vollständiger Schutz.
Und: Ein Crossover ist nur dann ein echter Meilenstein, wenn das Wachstum auf beiden Seiten erfolgt. Übertrifft Prediction Markets Krypto nur, weil die Krypto-Umsätze in einem ruhigen Quartal zurückgehen, bleibt der Gesamtkuchen gleich – dann verliert das Ereignis an Relevanz. Bernsteins Prognose geht von Wachstum in beiden Linien aus.
Häufig gestellte Fragen
Wie verdient Robinhood an Prediction Markets?
Die Plattform erhebt auf jeden gehandelten Event Contract eine Kommission. Der Umsatz entwickelt sich daher mit Nutzeraktivität und Volumen, ähnlich einer Mautstation – Analysten bewerten diese Umsätze anders als zyklisch schwankende Handelsgebühren.
Sind Prediction Markets in den USA legal?
Event Contracts, die über bundesregulierte Derivatebörsen angeboten werden, sind auf Bundesebene unter CFTC-Aufsicht legal. Einige Bundesstaaten stellen Sportwetten weiterhin in Frage.
Was unterscheidet Kalshi und Polymarket?
Kalshi ist eine CFTC-regulierte US-Börse mit Dollarabwicklung, Polymarket setzt auf Krypto-Infrastruktur und hat global skaliert. Beide bedienen das gleiche Grundbedürfnis und konkurrieren um Nachfrage.
Welcher Anteil von Robinhoods Umsatz stammt aus Krypto?
Der Anteil schwankt mit dem Krypto-Marktzyklus. In aktiven Phasen dominiert Krypto, in ruhigen überholen Optionen – gerade das eröffnet Chancen für schnell wachsende Alternativen.
Fazit
Wenn die Q2-Zahlen auf Robinhoods Investor Relations Seite veröffentlicht werden, empfiehlt es sich, die Transaktionsumsätze genau zu betrachten. Entscheidend ist: Übertrifft Prediction Markets die Krypto-Umsätze – und wachsen gleichzeitig die Krypto-Erlöse? Ein Crossover mit wachsenden Krypto-Umsätzen bestätigt Bernsteins These, ein Crossover bei sinkenden Krypto-Umsätzen relativiert den Effekt. Bleibt das Crossover aus, rückt das nächste Quartal mit den Midterms als größtem Treiber in den Fokus.
HOOD kann als tokenisierter Aktien-Perpetual auf Phemex rund um die Uhr gehandelt werden.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit Risiken verbunden. Führen Sie stets eigene Recherchen durch, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.






