Der GENIUS Act wurde am 17. Juni 2025 mit 68 zu 30 Stimmen vom Senat verabschiedet, einen Monat später mit 307 zu 122 Stimmen vom Repräsentantenhaus angenommen und am 18. Juli unterzeichnet. Es handelt sich um das erste bundesstaatliche Stablecoin-Gesetz in der Geschichte der USA, das einen Markt mit einer Gesamtkapitalisierung von mittlerweile über 200 Milliarden Dollar reguliert. Wenn Sie USDT, USDC oder andere auf den US-Dollar bezogene Tokens halten, haben sich die Anforderungen an deren Absicherung dauerhaft geändert.
Dies ist kein künftiger Vorschlag oder ein Entwurf, der in einem Ausschuss liegt. Das Gesetz ist bereits in Kraft, und die Behörden erarbeiten derzeit die Umsetzungsrichtlinien. Im Folgenden erfahren Sie, was sich konkret für genutzte Stablecoins, deren Zinserträge und die Entwicklung in den nächsten 12 Monaten ändert.
Was schreibt der GENIUS Act wirklich vor?
Der vollständige Name ist Guiding and Establishment of National Innovation for U.S. Stablecoins Act. Vereinfacht gesagt, schafft er einen bundesstaatlichen Lizenzrahmen für jeden, der einen Dollar-basierten Stablecoin für US-Nutzer herausgibt. Die Kernanforderungen sind klar: Jeder Emittent muss 1:1-Reserven in hochwertigen liquiden Vermögenswerten halten – explizit Bargeld, Bankeinlagen oder kurzfristige US-Staatsanleihen. Diese Reserven dürfen nicht verpfändet, weiterverliehen oder für andere Zwecke genutzt werden. Das bedeutet: Hinter jedem Dollar-Token muss tatsächlich ein US-Dollar stehen, der nicht anderweitig verwendet werden darf.
Emittenten müssen zudem monatliche Reservenberichte veröffentlichen – nicht vierteljährlich, nicht jährlich. Ziel ist es, Situationen wie in der Vergangenheit zu vermeiden, in denen ein Stablecoin eine volle Deckung behauptete, der Markt aber erst Monate später erfuhr, dass die Reserven in weniger liquiden Anlagen gehalten wurden.
Warum das Zinsverbot größere Auswirkungen hat, als viele denken
Die umstrittenste Regelung ist Abschnitt 4(c) des Gesetzes, der es Stablecoin-Emittenten untersagt, direkt Zinsen oder Renditen an Halter auszuzahlen. Circle darf keine Zinsen für das Halten von USDC zahlen, und Tether darf keine Rendite für das Halten von USDT gewähren. Der Stablecoin gilt als Zahlungsinstrument, nicht als Einlagenkonto.
Diese Regelung hätte in einer früheren Legislaturperiode beinahe das Inkrafttreten des CLARITY Act verhindert. Die Bankenlobby setzte sich stark für das Zinsverbot ein, da zinstragende Stablecoins mit Sparkonten konkurrieren würden. Würde Circle zum Beispiel 4% Zinsen auf USDC anbieten, gäbe es wenig Grund, Geld auf einem klassischen Girokonto zu halten. Banken argumentierten, dies sei unfairer Wettbewerb, was vom Kongress übernommen wurde.
Was viele jedoch übersehen: Das Verbot bezieht sich ausschließlich darauf, dass der Emittent Zinsen direkt auf Stablecoin-Guthaben zahlt. Es betrifft nicht Drittplattformen, die Stablecoins in DeFi-Protokollen verleihen, oder Ertragsprodukte von Börsen. Wer USDC in ein Lending-Protokoll oder ein CeFi-Produkt einzahlt, kann weiterhin Erträge erzielen. Der Unterschied besteht darin, ob der Emittent direkt zahlt oder der Nutzer selbst Stablecoins in eine Ertragsstrategie einbringt.
Für Trader heißt das: Wo Sie Ihre Stablecoins halten, ist künftig noch wichtiger.
Was ändert sich für USDT- und USDC-Halter?
Wenn Sie USDT oder USDC an einer Börse oder in einer Wallet halten, bleiben Ihre Tokens bestehen. Die Emittenten unterliegen jedoch neuen Regeln.
USDC ist voraus. Circle hielt bereits Reserven in Bargeld und kurzfristigen US-Staatsanleihen und veröffentlichte monatliche Berichte. Der GENIUS Act hat diese Praxis zum Gesetz gemacht, weshalb Circle das Gesetz unterstützte. USDC ist derzeit der einzige große Stablecoin, der sowohl in den USA (GENIUS Act) als auch in der EU (MiCA) konform ist und somit bestens aufgestellt ist.
Tether ist in einer komplexeren Lage. USDT ist nach Marktkapitalisierung der größte Stablecoin, aber Tether ist kein US-Unternehmen und war in der Vergangenheit weniger transparent bezüglich der Reserven. Der GENIUS Act gilt für jeden Stablecoin, der von US-Personen genutzt wird. Tether muss sich entweder anpassen oder riskiert, den Zugang zu US-Börsen zu verlieren. Wie sich Tether in den nächsten Monaten positioniert, ist ein wichtiger Aspekt für den Markt.
Für kleinere Stablecoin-Projekte ist die Hürde zur Einhaltung der Vorschriften deutlich gestiegen. Ein DAO-basiertes Start-up kann die Anforderungen an monatlich geprüfte Reserven kaum erfüllen. Das Gesetz stärkt faktisch die Position regulierter und kapitalstarker Emittenten.
Banken steigen ein: Die Rolle der FDIC und neue Entwicklungen
Am 16. Dezember 2025 hat die FDIC einen Vorschlag genehmigt, der es von der FDIC beaufsichtigten Banken erlaubt, über Tochtergesellschaften Zahlungsstablecoins herauszugeben. Das OCC hat am 25. Februar 2026 einen eigenen Regelungsvorschlag veröffentlicht. Beide Behörden streben an, die Regeln bis zum 18. Juli 2026, ein Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes, zu finalisieren.
Dieser Aspekt wird oft unterschätzt: Der GENIUS Act eröffnet traditionellen Banken aktiv den Zugang zum Stablecoin-Markt. JPMorgan, Bank of America und jede von der FDIC versicherte Bank kann künftig eigene Dollar-Tokens herausgeben. Diese Institute bringen etablierte Strukturen und Netzwerke mit, die den Kryptomarkt teilweise übertreffen.
In den kommenden zwei bis drei Jahren könnte sich der Stablecoin-Markt daher grundlegend verändern. Von Banken herausgegebene Stablecoins mit FDIC-geprüften Reservestrukturen könnten insbesondere im institutionellen Bereich an Bedeutung gewinnen, etwa für Abwicklung, Gehaltszahlungen oder grenzüberschreitende Transaktionen.
Zeitplan für die Umsetzung
Das Gesetz ist zwar verabschiedet, die finalen Regeln werden aber noch ausgearbeitet. Im kommenden Jahr gilt:
Der GENIUS Act tritt spätestens am 18. Januar 2027 (18 Monate nach Inkrafttreten) oder 120 Tage nach Veröffentlichung der endgültigen Richtlinien in Kraft, je nachdem, welches Datum früher liegt. Da OCC und FDIC Juli 2026 als Ziel für die finalen Regeln anvisieren, wird das Gesetz voraussichtlich Ende 2026 greifen.
Bis dahin gilt eine Übergangsfrist für bestehende Emittenten, während Banken bereits Anträge stellen können. Die CFTC erweitert ihr Regelwerk, um auch Trust-Gesellschaften mit alternativen Stablecoin-Modellen abzudecken.
Wichtig ist: Das Gesetz existiert bereits, die Durchsetzung beginnt jedoch erst Ende 2026 oder Anfang 2027. Konforme Emittenten haben einen Vorsprung, alle anderen etwa neun Monate zur Anpassung.
Verbindung zum CLARITY Act und regulatorisches Gesamtbild
Der GENIUS Act steht nicht allein: Gemeinsam mit dem CLARITY Act, der das Rahmenwerk für digitale Assets (Commodities vs. Securities) geschaffen hat, markiert er die größte regulatorische Veränderung im US-Kryptomarkt seit der Einführung von Bitcoin.
Die Debatte um Stablecoin-Renditen hätte beinahe das Zustandekommen des CLARITY Act verhindert. Während der Verhandlungen forderten Senatoren aus Bundesstaaten mit starker Bankenpräsenz, das Zinsverbot auch auf andere Krypto-Lending-Produkte auszuweiten. Dieser Vorschlag wurde letztlich abgelehnt – zeigt aber, wie ernst Banken die Konkurrenz durch Krypto-Renditen nehmen.
Für Trader bringen beide Gesetze mehr Klarheit: Sie wissen, welche Assets als Commodity gelten (CLARITY Act), welche Stablecoins rechtlich gedeckt sind (GENIUS Act) und dass Erträge auf Stablecoins über Drittplattformen weiterhin zulässig sind. Die Graubereiche werden kleiner.
Häufig gestellte Fragen
Macht der GENIUS Act Stablecoins illegal?
Nein, Stablecoins werden reguliert. Das Gesetz schafft einen bundesstaatlichen Lizenzrahmen mit 1:1-Reserven und monatlicher Offenlegung. Konforme Stablecoins können im US-Markt weiterhin genutzt werden.
Kann ich weiter Erträge auf USDC oder USDT erzielen?
Ja, über Drittplattformen. Das Verbot gilt nur für Zinszahlungen direkt durch den Emittenten (Circle, Tether). Bei Nutzung von Lending-Protokollen oder Exchange-Produkten wie Phemex Earn werden Erträge vom Anbieter, nicht vom Emittenten generiert. Der GENIUS Act schränkt diese Aktivitäten nicht ein.
Was passiert mit Tether unter dem GENIUS Act?
Tether muss die Anforderungen an Reserven und Transparenz erfüllen, um USDT weiterhin auf US-Börsen anbieten zu können. Als Unternehmen außerhalb der USA sind dazu möglicherweise größere strukturelle Anpassungen nötig. Die Übergangsfrist reicht bis Ende 2026/Anfang 2027.
Werden Banken eigene Stablecoins herausgeben?
FDIC und OCC erarbeiten derzeit die Antragsverfahren. Jede von der FDIC versicherte Bank kann beantragen, eigene Stablecoins über Tochtergesellschaften herauszugeben. Erste Bank-Stablecoins könnten Ende 2026/Anfang 2027 erscheinen und direkt mit USDT und USDC konkurrieren.
Fazit
Der GENIUS Act zieht eine klare Linie zwischen vollständig gedeckten, transparenten Stablecoins und weniger abgesicherten Alternativen. Für USDT- und USDC-Halter bleibt die unmittelbare Auswirkung gering – die Tokens funktionieren wie bisher. Die eigentlichen Veränderungen folgen in den kommenden 9–12 Monaten, wenn die Umsetzungsrichtlinien stehen, Banken Stablecoin-Anträge stellen und Tether seine Strategie anpasst.
Das Zinsverbot macht Ertragsprodukte von Drittanbietern noch relevanter. Können Emittenten keine Zinsen zahlen, werden Plattformen mit solchen Angeboten wichtiger. Der Einstieg von FDIC-regulierten Banken könnte die Wettbewerbslandschaft eines bislang von zwei großen Anbietern dominierten Marktes nachhaltig verändern. Wer versteht, wie sich die Ertragsmöglichkeiten verlagern, kann sich optimal auf das neue regulatorische Umfeld einstellen.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen birgt Risiken. Führen Sie stets Ihre eigene Recherche durch, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.






