Kurzzusammenfassung: Im März 2026 steht Ethereum im Spannungsfeld dreier Faktoren: 37 Millionen ETH sind im Staking gebunden (30 % des Gesamtangebots), Gebührenzahlungen der Layer-2-Lösungen an das Mainnet sind im Jahresvergleich um 90 % gesunken und es flossen 155 Millionen US-Dollar in 24 Stunden in den ETHB-ETF. Diese Kräfte wirken bullisch, bärisch und strukturell zugleich. Das Zusammenspiel dieser Faktoren ist entscheidend, um die künftige Entwicklung von ETH ab 2.327 US-Dollar zu verstehen.
Kraft 1: Angebotsverknappung (bullisch)
Die Zahlen sind eindeutig. Das verfügbare Angebot von Ethereum schrumpft aus drei Richtungen:
Staking: 37 Millionen ETH gebunden
Ungefähr 30 % aller existierenden ETH – etwa 37 Millionen Token – sind aktuell in Staking-Verträgen gebunden. Nach dem Pectra-Upgrade (Mitte 2025), das das Validatoren-Limit von 32 ETH auf 2.048 ETH anhob, wurde institutionelles Staking effizienter. Für 10.000 ETH sind nun nur noch fünf statt 312 Validatoren nötig.
Die prognostizierte Staking-Teilnahmequote für 2026 liegt bei 40 % – das heißt, rund 8 Millionen ETH könnten dem liquiden Umlauf zusätzlich entzogen werden.
Börsenbestände: Mehrjahrestief
Die auf zentralisierten Börsen gehaltenen ETH sind auf 16 Millionen ETH gefallen – der niedrigste Stand seit Jahren. Ein Transfer von ETH von Börsen signalisiert meist eine langfristige Halteabsicht. Dieser Rückgang hat sich im ersten Quartal 2026 noch beschleunigt, selbst während der längsten Verlustphase in der ETH-Geschichte.
ETHB-ETF: Eine neue Nachfrageseite
Der iShares Staked Ethereum Trust ETF (ETHB) von BlackRock, gestartet am 12. März, verzeichnete 155 Millionen US-Dollar Zufluss am ersten Tag und stakt 70–95 % seines Bestands. Jeder neue Dollar verwaltetes Vermögen entzieht dem Markt ETH und legt sie im institutionellen Staking an. Analysten rechnen mit bis zu 9,1 Milliarden US-Dollar ETHB-Zuflüssen im ersten Jahr.
Zusammengefasst: 37 Mio. gestakt + 16 Mio. auf Börsen (abnehmend) + zunehmende ETF-Bindung = ein immer engeres Angebotsprofil. Bei steigender Nachfrage – sei es durch geldpolitische Lockerung, Altcoin-Rotation oder das Glamsterdam-Upgrade – könnte der verfügbare Bestand so gering sein, dass Preisbewegungen deutlich verstärkt werden.
Kraft 2: Der Einnahmeverlust auf Layer 2 (bärisch)
Ein oft ausgeblendeter Faktor: Ethereums Einnahmemotor gerät unter Druck.
Gebührenzahlungen ans Mainnet: Minus 90 %
2024 zahlten Layer-2-Netzwerke Ethereum rund 113 Millionen US-Dollar für Datenverfügbarkeit und Settlement – 41 % der gesamten L2-Einnahmen. 2025 sank dieser Wert auf etwa 10 Millionen US-Dollar – ein Rückgang von über 90 % und weniger als 10 % der L2-Umsätze.
Grund hierfür ist ein struktureller Wandel: Mit EIP-4844 (Proto-Danksharding), eingeführt im März 2024, kamen sogenannte „Blobs“ – eine deutlich günstigere Datenverfügbarkeitsschicht für L2-Rollups. Das Ziel, L2-Transaktionen für Endnutzer fast kostenlos zu machen, wurde erreicht. Die Kehrseite: Der EIP-1559-Burnmechanismus, der Ethereum als „ultraschallhartes Geld“ positionierte, ist auf Mainnet-Gasgebühren angewiesen. Da die Aktivität zu L2 abwanderte, gingen diese Gebühren stark zurück.
Der deflationäre Mythos unter Druck
Derzeit wächst das ETH-Angebot jährlich um ca. 0,23 % – technisch gesehen ist ETH damit leicht inflationär. Bei hoher Mainnet-Auslastung kann der EIP-1559-Burn ETH vorübergehend deflationär machen. Doch seit 2025/2026 sind die Gasgebühren wegen L2-Migration anhaltend niedrig, wodurch die Burnrate die Neuausgabe nicht dauerhaft ausgleicht.
Das Narrativ des „ultraschallharten Geldes“, das 2022–2023 prägend war, ist geschwächt. ETH ist aktuell nicht mehr klar deflationär, sondern liegt nahe einer Netto-Null-Emission – weiterhin günstiger als Bitcoins ca. 1,7 % jährliche Inflation, aber keine so klare Story mehr wie früher.
Die Bewertungsfrage
Wenn Layer-2-Netzwerke den Großteil der Transaktionsgebühren einnehmen und Ethereum zum Settlement- und Datenlayer mit sinkenden Gebühren wird, was treibt dann noch den Wert des ETH-Tokens?
Die bärische These: ETH wird zur „mautfreien Autobahn“ – essenzielle Infrastruktur, die genutzt wird, aber kaum Einnahmen generiert. Die Staking-Rendite (ca. 4–5 %) federt dies teilweise ab, aber Rendite ohne Umsatzwachstum ähnelt eher einer Anleihe als einem Wachstumswert.
Kraft 3: Institutionelle ETF-Nachfrage (strukturell)
Diese dritte Kraft folgt einem anderen Zeitplan und einer anderen Logik als Angebotsverknappung und Gebührenrückgang.
ETFs und Gas Fees
Institutionelle Anleger, die ETHB kaufen, kalkulieren nicht konkret das Fee-Einnahmepotenzial. Sie kaufen ETH aus drei Gründen:
- Diversifikation: ETH ist die zweitgrößte Kryptowährung mit dem größten DeFi-Ökosystem – quasi das „digitale Silber“ im Portfolio
- Erträge: ETHB bietet ca. 1,9–2,2 % Nettorendite p.a. durch Staking – ein Vorteil gegenüber Bitcoin-ETFs ohne Yield
- Regulatorische Klarheit: Die SEC-Zulassung von gestakten ETH-ETFs signalisiert, dass das Proof-of-Stake-System von Ethereum nicht als Wertpapierverstoß gilt – die größte regulatorische Unsicherheit seit dem Merge entfällt
Diese Nachfrage ist weitgehend preisunabhängig und strukturell wiederkehrend. ETF-Zuflüsse erfolgen durch Modellportfolios, Altersvorsorgeprodukte und institutionelle Rebalancings – nicht durch kurzfristige Trader. Wer sich für „2 % ETH im Portfolio“ entscheidet, investiert regelmäßig – unabhängig von den Gas Fees.
Der Staking-Flywheel-
Der institutionelle Staking-Mechanismus funktioniert so:
ETF-Zuflüsse → mehr ETH gestakt → weniger liquide ETH → geringeres Angebot → Preisanstieg bei Nachfrage → höheres AUM → erneute ETF-Zuflüsse
Dieses Flywheel kann sich längere Zeit von den On-Chain-Umsätzen abkoppeln. Ähnlich trieben ETF-Zuflüsse Bitcoin nach IBIT-Start von 30.000 auf über 70.000 US-Dollar – die Nachfrage der ETFs überwog das On-Chain-Angebot für Monate.
Mögliche Szenarien: Wie lösen sich die drei Kräfte auf?
Szenario A: Angebot überwiegt (bullisch, > 3.500 $)
ETF-Zuflüsse beschleunigen sich bis Q2/2026, Staking-Anteil steigt auf 40 %, und die Notenbank signalisiert Zinssenkungen. Das Angebotsengpass-Narrativ überwiegt die Gebührenbedenken. ETH pendelt zwischen 3.000–3.500 US-Dollar – mit Unterstützung durch enges Angebot, institutionelle Nachfrage und makroökonomische Rückenwinde. Die L2-Einnahmenschwäche bleibt, wird aber vom Markt ignoriert – ähnlich wie jahrelang bei Amazon die Profitabilität nicht im Fokus stand, solange das Wachstum überzeugte.
Szenario B: Gebührenfokus (bärisch, 1.800–2.000 $)
Der Markt fokussiert die sinkenden Mainnet-Einnahmen, stellt die Staking-Erträge infrage und sieht ETH als Infrastruktur-Token mit Bewertungsobergrenze. ETF-Zuflüsse verlangsamen sich. ETH hinkt Bitcoin ein weiteres Quartal hinterher, testet 2.000 US-Dollar und eventuell das Tief bei 1.916 US-Dollar.
Szenario C: Gleichgewicht (Wahrscheinliches Basisszenario, 2.200–2.800 $)
Die drei Kräfte gleichen sich grob aus: Angebotsknappheit stützt den Kurs, Gebührenbedenken begrenzen ihn. ETH bewegt sich seitwärts in einer breiten Range und wartet auf das Glamsterdam-Upgrade (Juni 2026) oder einen makroökonomischen Auslöser. Dies ist das wahrscheinlichste Szenario ohne klaren Impuls.
Was tun erfahrene Trader?
Das Zusammenspiel der drei Kräfte eröffnet verschiedene Handelsstrategien:
- Range-Trader nutzen Grid-Bots auf Phemex, um die 2.100–2.400 US-Dollar-Spanne auszuschöpfen – durch Kauf an Unterstützungen, Verkauf an Widerständen und Spread-Einnahmen
- Makro-Trader positionieren sich via ETH-Perpetual-Futures für Notenbankentscheidungen – mit Longs auf dovishe Überraschungen (verstärkter Angebotsengpass) oder Shorts auf hawkishe Szenarien (Risikoaversion bei volatilen Altcoins)
- Yield-Orientierte Anleger akkumulieren Spot-ETH auf Phemex bei Rücksetzern, da ETH trotz 2.327 US-Dollar etwa 4 % Staking-Ertrag und potenzielles Kurspotenzial bei Angebotsverknappung bietet
- Cross-Asset-Trader kombinieren auf Phemex TradFi ETH-Positionen mit Gold- oder Öl-Hedges – je nach geopolitischem Ausblick (Entspannung: Risikoappetit/ETH steigt, Eskalation: Risikoaversion/ETH sinkt)
FAQ
F: Ist Ethereum noch deflationär? Nicht konstant. Das Angebot steigt aktuell um ca. 0,23 % pro Jahr. Während der EIP-1559-Burn bei hoher Mainnet-Nutzung ETH deflationär machen kann, verringert die Aktivität auf Layer 2 jedoch den Burn. ETH liegt nahe der Netto-Null-Emission – besser als die meisten Assets, aber nicht mehr so klar deflationär wie 2022–2023.
F: Wie viel ETH ist im Staking gebunden? Etwa 37 Millionen ETH (30 % des Gesamtangebots) sind derzeit gestakt. Mit dem ETHB-ETF von BlackRock, der 70–95 % seiner Bestände stakt, und einer erwarteten Staking-Quote von 40 % in 2026 nimmt das liquide ETH-Angebot weiter ab – ein strukturell bullischer Faktor.
F: Warum entwickelt sich ETH 2026 schwächer als Bitcoin? Die Underperformance reflektiert Unsicherheit über das Wertmodell von Ethereum. Gebührenzahlungen der Layer-2-Lösungen an das Mainnet sanken um 90 % im Jahresvergleich, was Zweifel aufkommen lässt, ob ETH ausreichend vom Ökosystem profitiert. Bitcoin hingegen überzeugt Institutionen mit klarerem Narrativ (digitales Gold, Knappheit).
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanzberatung dar. Kryptomärkte sind volatil, vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für zukünftige Ergebnisse. Keine Finanzberatung.






