
Ethereum beendete den Mai 2026 bei 1.983 $, dem niedrigsten Monatswert seit November 2024 und einem Rückgang von 22 % gegenüber dem Höchststand im Februar bei 2.540 $. Das aggregierte Open Interest für ETH-Optionen über Deribit und regulierte US-Börsen beendete den Monat mit einem Nominalwert von 9,4 Milliarden US-Dollar – der niedrigste Wert im Jahr 2026 und etwa 38 % unter dem April-Hoch. Die Offshore-Perpetual-Finanzierungsraten sind erstmals seit der Kapitulation Ende 2025 von neutral auf leicht negativ gewechselt. Das größte Open-Interest-Cluster für den Quartalsverfall im Juni liegt beim 2.800-$-Strike, also deutlich über dem aktuellen Kassakurs.
Was bedeuten das Optionen-Reset, der Wechsel der Funding Rates und der niedrigste Monatsabschluss seit sechs Monaten für die ETH-Positionierung im Juni?
Bedeutung des Option-Open-Interest-Reset
Ein Rückgang des Open Interest um 38 % gegenüber dem April-Hoch bedeutet, dass gehebelte spekulative Positionen am ETH-Optionsmarkt zwangsweise bereinigt wurden. Diese Bereinigung erfolgte in zwei Wellen: Zunächst im Mai mit einem Rückgang von 2.250 $ auf 2.050 $, wodurch die Calls zwischen 2.400 $ und 2.500 $ zur Fälligkeit im Mai ausgelöscht wurden. Die zweite Welle folgte am 30. Mai selbst, als Optionen im Wert von über 4,1 Mrd. US-Dollar ausliefen und nicht verlängert wurden.
Ausschlaggebend ist, dass Händler ihre Positionen nicht in die Juni- und Juli-Fälligkeiten rollen. Der Verfall des Open Interest ohne Erneuerung wird in Positionierungs-Desks als "Sentiment Reset" bezeichnet und markiert häufig den Startpunkt für die nächste Richtungsbewegung bei gesäubertem Orderbuch. Aus Positionierungssicht sieht das Setup eher nach Bodenbildung als nach einem Hoch aus.
Die Strike-Bündelung bei den Deribit-Daten zur Fälligkeit am 27. Juni bestätigt das Reset. Der 2.800$-Call-Strike weist nach wie vor die höchste Konzentration an Open Interest auf – das bedeutet, dass verbleibende Positionen eher auf Erholung als auf weitere Abwärtsbewegung ausgerichtet sind. Der 1.800$-Put-Strike verzeichnete in den letzten zwei Wochen etwas Open Interest, aber das Put-Call-Verhältnis bleibt unter 0,7 – was neutral bis leicht bullisch ist.
Wie Funding Rates das defensive Setup bestätigen
Die Offshore-Finanzierungsraten für Perpetuals an den wichtigsten Börsen sind erstmals seit dem Kapitulationstief bei 1.520 $ im November 2025 neutral oder leicht negativ. Negative Funding bedeutet, dass Short-Positionen Long-Positionen für das Halten der Position bezahlen – ein klassisches Setup für einen Short Squeeze, sollte ein positiver Impuls eintreten.
Für ETH ist der Funding-Wechsel bedeutender als für BTC, da bei ETH der gehebelte Perpetual-Markt im Verhältnis zum Spotmarkt strukturell größer ist. Bleibt das Funding bei ETH länger als drei Sitzungen negativ, folgte in den letzten zwei Jahren meist eine technische Gegenbewegung von 8 % bis 14 % innerhalb von zwei Wochen. Dies zeigte sich im Mai, September und November 2025. Ein weiteres relevantes Thema ist der Bitcoin ETF Flows Primer (deutsche Version nicht verfügbar), da BTC- und ETH-ETF-Allokatoren wöchentlich häufig gegenläufig rotieren. Weitere Hintergründe zur Onchain-ETH-Leverage-Schicht finden Sie im DeFi-Überblick, aus der viele Funding-Rate-Signale stammen.
Bärisch zu bewerten ist, dass Funding länger negativ bleiben kann, wenn das Makroumfeld schwierig bleibt. Im Bärenmarkt 2022 gab es mehrfach mehrwöchige Phasen mit negativem Funding, ohne dass nachhaltige Erholungen einsetzten. Das Setup ist also notwendig, aber nicht ausreichend.
Der Mai-Abschluss im Vergleich zu früheren Tiefständen
Ein Schlusskurs von 1.983 $ bedeutet, dass der Mai-Abschluss nur 400 $ über dem Kapitulationstief vom November 2025 liegt. Nur zwei der letzten 18 Monatsabschlüsse lagen tiefer. Damit liegt der Mai 2026 im untersten Bereich (unter 11 %) aller monatlichen Abschlüsse der aktuellen Zyklusphase. Historisch folgte auf solche Werte meist eine Erholung um mindestens 12 % bis 18 % innerhalb von 60 Tagen.
Das Tief im November 2024 war dabei der wichtigste technische Referenzpunkt – der Schlusskurs bei 1.860 $ markierte das Ende der mehrmonatigen Konsolidierung vor dem Anstieg auf 4.100 $ in Q1 2025. Sollte sich die aktuelle Struktur wiederholen, wäre eine Bodenbildung im Bereich von 1.900 $ bis 2.000 $ denkbar. Zu beachten ist aber, dass das Makroumfeld Ende 2024 eine Zinssenkungsphase der Fed umfasste, während aktuell bis mindestens September keine Zinssenkungen eingepreist sind.
Ein weiterer Anhaltspunkt ist das ETH/BTC-Verhältnis. Zum 2. Juni steht dieses Verhältnis bei 0,0272 – dem niedrigsten Stand seit April 2020. Historisch ging eine Umkehr des Verhältnisses einer ETH-Outperformance um drei bis sechs Wochen voraus. Aktuell ist jedoch kein Umkehrsignal erkennbar.
Das Pectra- und Glamsterdam-Upgrade-Fenster
Laut ETH-Entwickler-Roadmap sind das Pectra und das kombinierte Glamsterdam-Upgrade für das zweite Halbjahr 2026 geplant, mit Aktivierung des Mainnets zwischen September und November. Zu den wichtigsten Neuerungen zählen höhere "Blob"-Kapazitäten, Änderungen bei Account Abstraction und Effizienzsteigerungen für Validatoren, die den Staking-Mindestbetrag erheblich senken.
Historisch läuft der Markt größeren ETH-Upgrades acht bis zwölf Wochen voraus. Beim Dencun-Upgrade Anfang 2024 stieg ETH in den acht Wochen vor Aktivierung um 41 % und erlebte anschließend ein klassisches "Sell-the-News"-Verhalten. Sollte das Aktivierungsfenster im Q3 für Glamsterdam bestehen bleiben, startet das Front-Running-Fenster etwa Mitte Juli – was zeitlich zum aktuellen Options-Reset passt.
Das Hauptrisiko beim Upgrade-Handel ist zeitliche Verzögerung. Die Pectra-Phase-1-Mainnet-Aktivierung war ursprünglich für Ende 2024 angesetzt und wurde um sechs Monate verschoben. Signale von Core-Devs, die eine Verschiebung des September-Zeitfensters andeuten, könnten das Front-Running-Setup zunichtemachen und die aktuelle Seitwärtsbewegung verlängern.
Relevante Kursmarken im Juni
Das technische Bild ist klar: Die Zone um 1.950 $ entscheidet, ob der Mai-Abschluss hält. Ein Tagesschluss darunter könnte zu einem Test des November-2025-Tiefs bei 1.520 $ führen – das wird vielerorts als Worst-Case-Marke für den aktuellen Zyklus gesehen. Nach oben ist bei 2.100 $ ein erster Widerstand, der in den vergangenen drei Wochen dreimal gehalten hat. Ein klarer Ausbruch über 2.100 $ bei steigendem Volumen würde das Basisszenario bestätigen und einen Bereich von 2.250 $ bis 2.300 $ ins Spiel bringen.
Im mittleren Bereich betrachten Händler die Zone von 1.980 $ bis 2.050 $ als Akkumulationszone. Volume-Profile-Daten der letzten 30 Sitzungen zeigen die stärkste Spot-Akkumulation genau in diesem Bereich, mit geringerer Aktivität über 2.100 $. Dieses Muster spricht für eine allmähliche Aufwärtsbewegung, was zum Funding- und Options-Reset passt.
Das Makroumfeld für ETH ist aktuell vergleichbar mit BTC. Ein schwacher US-CPI-Monatswert Mitte Juni oder die Offenlegung konkreter Bitcoin-Reserven in den USA könnten positive Impulse liefern. Ein starker CPI-Anstieg oder neue geopolitische Risiken wären dagegen negative Auslöser.
Häufig gestellte Fragen
Warum schließt Ethereum zum niedrigsten Monatsstand seit November 2024?
Drei Faktoren wirkten sich im Mai aus: Makro-Risikoaversion über alle Anlageklassen, anhaltende ETF-Abflüsse bei BTC und kleineren ETH-Spotprodukten sowie das Entwirren der gehebelten Long-Positionen im Bereich 2.400 $ bis 2.500 $ aus Q1 2026. Der 30. Mai markierte dabei das endgültige Reset im Optionsmarkt.
Was signalisiert das 2026-Tief beim ETH-Options-Open-Interest?
Es signalisiert, dass gehebelte spekulative Positionen aus dem Markt entfernt wurden und Händler ihre Engagements nicht verlängern. Ein solcher, durch den Verfall getriebener Open-Interest-Rückgang markiert historisch meist den Ausgangspunkt für die nächste Richtungsbewegung.
Ist der negative ETH-Funding-Rate bullisch oder bärisch?
Ein negativer Funding-Rate ist mittelfristig als bullisch zu werten, da Short-Positionen Longs für das Halten der Position bezahlen – das schafft einen potenziellen Boden, wenn ein positiver Auslöser auftritt. In den letzten zwei Jahren folgte auf anhaltend negatives ETH-Funding meist eine technische Gegenbewegung von 8 % bis 14 %. Im Bärenmarkt 2022 allerdings hielt negatives Funding auch über längere Zeiträume an, wenn das Makroumfeld schwach blieb.
Wann ist das nächste große Ethereum-Upgrade geplant?
Das kombinierte Pectra- und Glamsterdam-Upgrade ist voraussichtlich zwischen September und November 2026 für das Mainnet geplant. Wichtige Neuerungen sind u. a. höhere Blob-Kapazitäten, Verbesserungen bei der Validator-Effizienz und niedrigere Staking-Mindestbeträge. Der Markt preist größere ETH-Upgrades historisch acht bis zwölf Wochen vorab ein, was den Handelszeitraum auf Mitte Juli legt – vorausgesetzt, der Zeitplan hält.
Fazit
ETH verzeichnete den niedrigsten Monatsabschluss seit November 2024, das Option-Open-Interest fiel nach der Fälligkeit am 30. Mai auf ein neues 2026-Tief, und die Offshore-Funding-Rates wechselten erstmals seit Ende 2025 ins Negative. Alle Positionsindikatoren zeigen aktuell einen defensiven Markt – ein Muster, das historischen Daten zufolge in den zwei Wochen nach Bestätigung oftmals mit technischen Erholungen um 8 % bis 14 % einhergeht.
Die Marke von 1.950 $ ist entscheidend: Hält sie, könnte sich der Markt bis zum Glamsterdam-Fenster ab Juli behaupten; bei Überschreiten von 2.100 $ wäre 2.300 $ die nächste Zielzone. Ein Tages-Schlusskurs unter 1.950 $ öffnet den Weg zu einem Test des Kapitulationstiefs bei 1.520 $. Funding- und Options-Reset zeigen eine tendenzielle Aufwärtsasymmetrie, allerdings bleibt das Makroumfeld entscheidend.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Führen Sie stets eigene Recherchen durch, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.






