Bitcoin Core v31.0rc4 wurde am 11. April 2026 im Testnet veröffentlicht und bringt die umfassendste Änderung der Bitcoin-Transaktionsarchitektur seit Jahren. Dieses Release Candidate folgt auf v30.2 und führt das Cluster-Mempool-Konzept ein: Unbestätigte Transaktionen werden jetzt in Gruppen von maximal 64 Transaktionen oder 101 Kilobyte organisiert und ersetzen die bisher verwendete, topologie-basierte Struktur. Zusätzlich bietet v31 die Option, Transaktionen ausschließlich über Tor oder I2P zu senden – Ihre IP-Adresse wird beim Versand also nie im Clearnet preisgegeben.
Diese Änderungen sind nicht nur kosmetischer Natur. Das Cluster-Mempool-System beeinflusst direkt, wie Miner Blöcke bauen, wie Wallets Gebühren schätzen und wie komplexe Transaktionspakete (wie gebündelte Zahlungen oder Lightning-Channel-Schließungen) priorisiert werden. Die exklusive Übertragung via Tor schließt zudem eine Lücke, die Analysefirmen bisher zur Überwachung genutzt haben. Im Folgenden werden die konkreten Auswirkungen für Node-Betreiber, Miner und Bitcoin-Nutzer erläutert.
Was ändert sich durch das Cluster-Mempool?
Das Mempool ist der Bereich, in dem unbestätigte Transaktionen darauf warten, von Minern in einen Block aufgenommen zu werden. Über ein Jahrzehnt lang verwaltete Bitcoin Core diesen Pool mittels Begrenzungen für "Ancestors" (Vorgänger) und "Descendants" (Nachfolger), wobei pro Transaktion maximal 25 Vorgänger oder Nachfolger erlaubt waren. Die Prüfung erfolgte einzeln für jede Transaktion.
Dieses System hatte jedoch Schwächen. Wenn beispielsweise eine Muttertransaktion zehn Kindtransaktionen hat, jede mit einem eigenen Gebührenniveau, muss der Node für jede Beziehung separat berechnen, welche Kombination den größten Ertrag bringt. Dies ist rechnerisch aufwendig, führte häufig zu ungenauen Gebührenprognosen und ließ potenzielle Miner-Einnahmen ungenutzt.
Das Cluster-Mempool ersetzt dieses Prinzip. Statt einzelner Ketten werden nun zugehörige Transaktionen in Clustern (max. 64 Transaktionen, 101 KB) gruppiert. Innerhalb eines Clusters sortiert der Node die Transaktionen nach Gebührensätzen, sodass die profitabelsten Kombinationen automatisch priorisiert werden – ohne aufwendige Berechnungen für jede einzelne Transaktion.
Das Ergebnis: Miner erhalten genauere Blockvorlagen und Nutzer profitieren von präziseren Gebührenschätzungen, da die tatsächliche Konkurrenzsituation im Mempool besser abgebildet wird.
Relevanz für Transaktionspakete
Wer schon einmal eine CPFP-Transaktion (Child Pays For Parent) gesendet hat, kennt die bisherigen Einschränkungen. Wurde versucht, eine festsitzende Transaktion durch eine neue mit höherer Gebühr zu „befreien“, konnte das Hinzufügen einer weiteren Transaktion oft an der 25er-Grenze scheitern.
Das Cluster-Mempool löst diese Problematik eleganter, indem es das gesamte Cluster als Einheit bewertet. Eine Eltern-Transaktion mit niedriger Gebühr und ein Kind mit hoher Gebühr werden zusammen betrachtet – die durchschnittliche Cluster-Gebühr entscheidet über die Priorität im Block-Template. Besonders sinnvoll ist das bei Lightning Channel Schließungen, wo mehrere Transaktionen als Paket bestätigt werden müssen.
Auch gebündelte Auszahlungen (Batch Withdrawals) von Börsen profitieren. Sendet eine Börse eine Transaktion an 200 Empfänger, die einige Ausgänge direkt weiterverwenden, führte dies bislang leicht zum Überschreiten der Nachfolger-Limits. Im Cluster-Mempool bleibt die gesamte Gruppe innerhalb der Clustergrenze (64 Transaktionen, 101 KB), und die Gebührensortierung erfolgt nun transparent intern.
Tor-only Broadcast: Warum Privatsphäre ein Update benötigte
Standardmäßig wird beim Senden einer Bitcoin-Transaktion auch die IP-Adresse übermittelt. Analysefirmen betreiben zahlreiche Knoten, um diese erste Übertragung zu erfassen und IP-Adressen mit Wallets zu verknüpfen.
Bitcoin Core erlaubt seit Langem Tor- und I2P-Verbindungen, aber erst ab v31 kann der Transaktionsversand explizit auf diese Netzwerke beschränkt werden. Mit den neuen Optionen -onlynet=onion und -onlynet=i2p können Node-Betreiber alle ausgehenden Übertragungen ausschließlich über Tor oder I2P routen. Ein Clearnet-Peer sieht die Ursprungsübertragung also nicht mehr.
Diese Funktion versteckt keine Transaktionen, sondern trennt Ihre Netzwerkidentität (IP) von der Blockchain-Aktivität. Für Nutzer in Regionen mit umfassender Überwachung oder für Anwender, denen finanzielle Privatsphäre wichtig ist, bedeutet das einen wichtigen Fortschritt. Die Funktion arbeitet auf Protokollebene und ersetzt komplexe VPN- oder Proxy-Lösungen.
Bemerkenswert ist das Timing: Die Zahl der von Analysefirmen betriebenen Überwachungs-Knoten ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die bisherige Lösung erforderte einen externen Tor-Proxy und eine sorgfältige Konfiguration – mit v31 genügt nun eine Einstellung in der bitcoin.conf-Datei, was die Datenschutz-Standards für durchschnittliche Node-Betreiber deutlich verbessert.
Was Node-Betreiber beachten sollten
Mit dem erwarteten Produktionsrelease in der zweiten Jahreshälfte 2026 werden die neuen Standards relevant. Das Cluster-Mempool ist im Testnet optional, wird aber voraussichtlich Standard. Wer bisher individuelle "Ancestor"- oder "Descendant"-Limits in der bitcoin.conf gesetzt hat, muss diese Einstellungen prüfen, da das Cluster-Mempool die alte Logik vollständig ersetzt.
Auch das Speicherverhalten ändert sich: Statt einzelner Transaktionsbeziehungen verwaltet das Cluster-Mempool sortierte Listen innerhalb der Cluster. Das erhöht den Speicherbedarf leicht, beschleunigt aber das Erstellen von Blockvorlagen. Betreiber von Nodes auf sparsamer Hardware sollten im Testnet prüfen, ob die neue Struktur in ihr Ressourcenbudget passt.
Die RPC-Schnittstelle wird angepasst: Abfragen wie getmempoolinfo und getrawmempool liefern clusterbasierte Daten. Miningpools, die direkt mit der RPC-Schnittstelle arbeiten, sollten ihre Blockvorlagen-Logik optimieren. Wer das Update verzögert, vergibt potenzielle Einnahmen gegenüber Pools mit v31-optimierter Software.
Vergleich zu früheren Major Releases
Bitcoin Core Major-Releases folgen keinem festen Zyklus, sondern adressieren unterschiedliche Schichten des Stacks. Die letzten drei Releases im Überblick:
Version | Schlüsseländerung | Betroffener Bereich |
v28 (2024) | Verbesserte Compact Block Relay | Netzwerk-Propagation |
v29 (2025) | Miniscript-Erweiterung für Deskriptoren | Wallet-Flexibilität |
v30 (2025) | Paketweiterleitung (limitiert) | Transaktionspaket-Handling |
v31 (2026) | Cluster-Mempool + Tor-only Broadcast | Mempool-Architektur + Datenschutz |
v31 ist die größte Weiterentwicklung der Mempool-Logik seit der Einführung von Replace-by-Fee (RBF) in v0.12 (2016). Das Konzept des Cluster-Mempool wurde seit 2023 entwickelt – basierend auf Pieter Wuilles ursprünglichem Vorschlag, der jetzt umgesetzt wurde.
Häufige Fragen
Was ist das Cluster-Mempool in Bitcoin Core v31?
Das Cluster-Mempool ist eine Neugestaltung der Organisation unbestätigter Transaktionen. Anstelle individueller Beziehungen gruppiert v31 zugehörige Transaktionen (bis zu 64 oder 101 KB) und sortiert diese nach Gebührensatz. Das resultiert in genaueren Blockvorlagen und realistischeren Gebührenprognosen.
Wann erscheint Bitcoin Core v31 offiziell?
Der v31.0rc4 Release Candidate ist seit 11. April 2026 im Testnet. Die endgültige Veröffentlichung wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet. Der "rc4"-Status weist darauf hin, dass die Version bereits mehrfach getestet wurde – das finale Release folgt in der Regel wenige Monate später.
Verbirgt Tor-only Broadcast meine Bitcoin-Transaktionen?
Die Transaktionen selbst bleiben auf der Blockchain sichtbar. Die Funktion trennt aber Ihre IP-Adresse von der Transaktion, die Sie senden. Durch das exklusive Routing über Tor oder I2P können Analysefirmen Ihre Netzwerkidentität nicht mehr so einfach mit On-Chain-Aktivitäten verknüpfen.
Senkt das Cluster-Mempool die Bitcoin-Transaktionsgebühren?
Es beeinflusst nicht direkt das generelle Gebührenniveau, das primär von der Blocknachfrage abhängt. Die Gebührenschätzungen werden jedoch genauer, wodurch Wallets seltener zu hohe Gebühren veranschlagen. Auch profitieren Miner, da zuvor vernachlässigte Transaktionspakete jetzt besser priorisiert werden.
Fazit
Bitcoin Core v31 ist das bedeutendste Infrastruktur-Update der letzten Jahre für die Transaktionsverarbeitung. Das Cluster-Mempool ersetzt ein über ein Jahrzehnt altes System und ermöglicht effizientere Bearbeitung komplexer Transaktionspakete, während Miner von optimierten Blockvorlagen profitieren. Die Tor-only Broadcast-Option verbessert den Datenschutz deutlich.
Für Nutzer zeigt sich das vor allem in realistischeren Gebührenschätzungen und weniger "hängengebliebenen" Transaktionen – insbesondere bei CPFP oder Sammelzahlungen. Node-Betreiber sollten die neuen Defaults ab dem zweiten Halbjahr 2026 testen. Nutzer, denen finanzielle Privatsphäre wichtig ist, profitieren zusätzlich von der nativen Tor-Integration. Die Testnet-Phase läuft, und der v31.0rc4 Sourcecode ist auf GitHub verfügbar – zum Testen vor dem Produktionsstart.
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