In den letzten 72 Stunden fanden vier wesentliche Ereignisse statt, die zusammen ein klares Bild der Krypto-Marktsituation im Februar 2026 zeichnen – weit mehr als es Chartmuster oder technische Indikatoren könnten.
Bitdeer hat seine gesamte Bitcoin-Reserve verkauft. 943 BTC wurden in nur einer Woche liquidiert, sodass der weltweit größte börsennotierte Miner nach Hashrate keine eigenen BTC-Bestände mehr hält. Strategy (ehemals MicroStrategy) hat weitere 2.486 BTC erworben und hält nun 717.131 BTC, ohne Belastungen oder Zwangsverkaufsmechanismen. Ein ruhender Solana Whale wurde nach fünf Monaten wieder aktiv, zog 50.000 SOL von Binance und Bybit ab und transferierte diese sofort in Liquid Staking. Zudem erzielte ein Trader einen Gewinn von $573.000 durch eine Long-Position auf Gold und Silber gegenüber Short-Positionen auf BTC, ETH, SOL, DYDX und AVAX mittels Perpetual-Kontrakten.
Miner verkaufen, Großinvestoren akkumulieren, Wale staken und Trader sichern Krypto mit Rohstoffen ab. Diese Vorgänge sind Ausdruck derselben Marktstruktur. Zu verstehen, was sie verbindet, ist essenziell für die professionelle Interpretation von On-Chain-Strömen.
Bitdeer reduziert Treasury auf Null: Was Kapitulation der Miner bedeutet
Am 20. Februar 2026 meldete Bitdeer null BTC-Bestände in seinem wöchentlichen Bericht. Das in Singapur ansässige Unternehmen, gegründet von Jihan Wu, verkaufte die verbleibenden 943,1 BTC neben den 189,8 BTC, die es in dieser Woche minte.
Diese Entscheidung erfolgte nicht spontan. The Block berichtete, dass Bitdeer Ende 2025 rund 2.000 BTC hielt, Ende Januar 1.530 BTC und bis zum 13. Februar 943 BTC. Die vollständige Liquidation in der letzten Woche beschleunigte ein achtwöchiges Verkaufsprogramm.
Die Rahmenbedingungen sind entscheidend: Die Mining-Schwierigkeit von Bitcoin stieg am 19. Februar um 14,73 % auf 144,4 Billionen – der größte Anstieg seit dem Mining-Bann in China 2021. Die Hashprice (Ertrag pro Recheneinheit) liegt mit ca. 23,9 USD pro PH/s auf einem Mehrjahrestief. BTC notiert bei etwa 67.000 USD, 47 % unter dem Allzeithoch von Oktober 2025. Das Halving im April 2024 halbierte die Blockbelohnungen.
Bitdeers Schritt ist sowohl defensiv als auch strategisch. Das Unternehmen kündigte eine Wandelanleihe in Höhe von 325 Mio. USD und eine Kapitalerhöhung von 43,5 Mio. USD an – zur Finanzierung des Rechenzentrums-Ausbaus und des KI-Schwerpunkts. Statt BTC als Bilanzreserve zu halten, setzt Bitdeer auf Liquidität für Wachstum.
Wie Matthew Sigel von VanEck erklärte: „Bitdeer verkauft alle geminten Coins und Teile der Reserve, um KI-Projekte zu finanzieren.“ Bitdeer bleibt mit 63,2 EH/s der größte börsennotierte Selbst-Miner – hält aber keine BTC.
Marktsignal: Wenn Miner Reserven für laufende Kosten verkaufen, erhöht das das Angebot in einem ohnehin angespannten Markt. Die Zwangsverkäufe werden jedoch dadurch bereinigt. Schwache Miner verkaufen nun bei 67.000 USD, wodurch aktueller Verkaufsdruck entsteht, der zukünftige jedoch reduziert wird, sobald diese Coins in starke Hände gelangen.
Strategy hält 717.131 BTC: Die Gegenposition
Während Bitdeer alles verkauft, kauft Strategy.
Am 17. Februar gab Strategy bekannt, 2.486 BTC für 168,4 Mio. USD zum Durchschnittspreis von 67.710 USD erworben zu haben. Die Bestände erreichen damit 717.131 BTC, gekauft für rund 54,52 Mrd. USD zu einem Durchschnittspreis von 76.027 USD pro BTC.
Beim aktuellen Kurs von rund 67.000 USD ergibt sich ein nicht realisierter Verlust von etwa 5,8 Mrd. USD. Die Strategy-Aktie (MSTR) hat seit August 2025 rund 70 % verloren. Der mNAV (Marktkapitalisierung geteilt durch Bitcoin-Wert) liegt unter 1,0 – die Aktie wird mit Abschlag zum BTC-Inventar gehandelt.
Das ändert nichts am Verhalten von Strategy.
CEO Phong Le erklärte, dass Bitcoin auf 8.000 USD fallen und dort fünf bis sechs Jahre verharren müsste, bevor das Unternehmen finanziell unter Druck geriete. Michael Saylor betont weiterhin regelmäßig das langfristige Bitcoin-Engagement und bekräftigte, man werde „quartalsweise Bitcoin kaufen“.
Es bestehen strukturelle Sicherheiten: Alle 717.131 BTC sind unbelastet, d.h. nicht als Sicherheiten verpfändet. Keine Margin Calls, keine preisabhängigen Klauseln. 2,25 Mrd. USD Barreserve (Q4 2025) sichern mehr als 30 Monate Dividendenzahlungen ohne Veräußerung von BTC. Die erste größere Kreditfälligkeit ist im September 2027.
Marktsignal: 717.131 BTC sind de facto dem Umlauf entzogen. Strategy verkauft nicht. Das entspricht 3,4 % aller jemals existierenden Bitcoins. Zusammen mit ETF-Beständen, Staatsreserven und anderen Firmenschätzen schrumpft das liquide BTC-Angebot weiter.
50.000 SOL gestakt: Ein Wal setzt ein Zeichen
Am 22. Februar meldete das Analysehaus Onchain Lens, dass eine bislang ruhende Wallet 50.000 SOL (~4,25 Mio. USD) von Binance und Bybit abzog und direkt in Liquid-Staking-Protokolle transferierte.
Das Wallet war fünf Monate inaktiv. Entscheidend ist die Richtung: Token von Börsen in Staking zu transferieren, ist das Gegenteil von Verkaufsabsicht. Es zeigt, dass der Halter an einer langfristigen Rendite interessiert ist und dem Netzwerk vertraut.
Im gleichen Zeitraum gab es auch gegenteilige Aktivitäten bei Solana: Whale Alert meldete, dass 1.511.243 SOL (~125 Mio. USD) in einer anderen Wallet entstakt wurden. Der Kurs liegt bei ca. 85 USD (nach Höchstständen über 200 USD Anfang 2025).
Marktsignal: Einzelne Whale-Aktionen sind keine alleinstehenden Prognosefaktoren, aber Muster sind relevant. Gleichzeitiges großes Unstaking (potenzielle Verteilung) und Exchange-to-Staking-Flows (Akkumulation) zeigen: die Großhalter agieren nicht einheitlich. Der Markt befindet sich in einer Übergangsphase.
Für Trader reduzieren Exchange-Abflüsse ins Staking das sofort verfügbare SOL-Angebot. Jeder gestakte SOL kann nicht direkt auf den Markt gelangen. Überwiegen längerfristig die Staking-Flows, wird das Angebot knapper und Nachfrageschocks könnten größere Auswirkungen haben.
Long Gold, Short Crypto: Der $573.000 Cross-Asset-Hedge
Der vierte Datenpunkt ist besonders für aktive Trader interessant.
Ein Händler erzielte angeblich $573.000 Gewinn durch Long-Positionen auf Gold und Silber sowie Short-Positionen auf BTC, ETH, SOL, DYDX und AVAX über Perpetuals. Klassischer Cross-Asset-Korrelations-Trade: Erwartung, dass sichere Rohstoffe besser performen als risikobehaftete Krypto-Assets.
Das Makroumfeld begünstigt diese Strategie seit Monaten. Gold erreichte ein Allzeithoch über $4.440 (Hinweis: deutsche Version des Academy-Artikels existiert nicht) Ende 2025. Silber-Perpetuals verzeichneten tägliche Volumina von $1 Mrd. – der Link wurde als Academy-Inhalt identifiziert und gemäß den Regeln entfernt. Bitcoin dagegen befindet sich seit Oktober 2025 im Abwärtstrend. JPMorgan bestätigte die Positionierungen: Gold- und Silber-Futures sind überkauft, Bitcoin-Futures überverkauft; bei Edelmetallen sind die institutionellen Long-Positionen gestiegen, bei BTC nicht.
Diese Strategie profitiert davon, dass Krypto und Gold sich entgegengesetzt bewegen. Gold profitiert von Inflationsschutz, Zentralbankkäufen und geopolitischer Unsicherheit. Krypto wird durch regulatorische Unsicherheit, Miner-Verkäufe und ein risikoscheues Umfeld belastet. Durch die Kombination von Longs und Shorts wird die Differenz der Entwicklung genutzt, ohne sich auf eine Marktrichtung festlegen zu müssen.
Mögliche Umsetzung auf Phemex: Phemex bietet Perpetuals auf BTC, ETH, SOL, AVAX, DYDX, aber derzeit keine auf Gold/Silber. Trader können dennoch Korrelations-Trades zwischen verschiedenen Krypto-Sektoren konstruieren – etwa eine Long-Position in einem Asset mit Akkumulation (wie BTC, wenn Strategy kauft) und eine Short-Position in einem Altcoin mit Distribution.
Das Prinzip bleibt: Statt einer einfachen Marktwette werden zwei gegenläufige Assets kombiniert, um von der Spreizung zu profitieren. Die Perpetual-Funding-Rates auf Phemex können zusätzlich genutzt werden: Bei Überhang an Shorts profitieren Longs von positiven Funding-Rates und umgekehrt.
Fazit: Was diese vier Ströme offenbaren
Diese vier Ereignisse sind keine Zufälle, sondern Reaktionen verschiedener Akteure auf dieselbe Marktsituation.
| Akteur | Aktion | Signal |
|---|---|---|
| Bitdeer (Miner) | Verkaufte gesamten 943 BTC Bestand | Zwangsverkauf/Kapitulation, Liquidität für KI-Fokus |
| Strategy (Großhalter) | Kaufte 2.486 BTC, hält jetzt 717.131 BTC | Langfristige Überzeugung, absorbiert Miner-Angebot |
| SOL-Wal | Zog 50.000 SOL von Börsen ab, stakte sie | Akkumulation, reduziert verkaufbares Angebot |
| Cross-Asset-Händler | Long Gold/Silber, Short Krypto-Perpetuals | Nutzung der Divergenz von Rohstoffen und Krypto |
Das Zusammenspiel zwischen Minern und Großhaltern ist entscheidend: Bitdeer produziert wöchentlich rund 190 BTC und verkauft jeden einzelnen Coin. Strategy kauft pro Woche etwa 2.500 BTC. Wenn Miner unter Einstandspreis kapitulieren und ein Käufer mehr als das Zehnfache der Miner-Produktion absorbiert, verschiebt sich die Angebotsdynamik – auch wenn der Preis das noch nicht widerspiegelt.
Das ist das klassische Muster für einen Angebotsschock – nicht kurzfristig, sondern als strukturelle Entwicklung über Monate hinweg. CoinDesk berichtete, dass Hashprice auf Mehrjahrestief ist und viele Miner unter Wasser arbeiten. Wenn die schwächsten Miner alles verkauft haben (wie nun bei Bitdeer), endet der Zwangsverkauf. Übrig bleibt ein Markt, in dem der marginale Verkäufer erschöpft ist und die Käuferseite (Strategy, ETFs, Staaten) weiter akkumuliert.
Die SOL-Staking-Aktion und der Gold/Krypto-Trade verdeutlichen dasselbe Prinzip im kleineren Maßstab: Smarte Akteure positionieren sich für die Phase nach den aktuellen Verkäufen, sei es durch Staking (Reduktion des Angebots) oder durch Absicherung via Rohstoffe (Risikomanagement).
Wie Trader diese Signale künftig lesen können
Miner-Abflüsse beobachten. Wenn öffentliche Miner sinkende BTC-Bestände melden, kommt mehr Angebot auf den Markt. Quellen wie BitcoinTreasuries.net und wöchentliche Miner-Updates helfen, relevante Bewegungen frühzeitig zu erkennen. Wenn Miner-Bestände stabilisieren oder steigen, endet die Zwangsverkaufsphase.
Strategy-8-K-Meldungen verfolgen. Strategy reicht bei jedem BTC-Kauf eine SEC-8-K ein, öffentlich einsehbar auf strategy.com/purchases. Sollte Strategy die Käufe drosseln, wäre das ein maßgebliches Nachfragesignal.
Exchange-Flows monitoren. Whale-Bewegungen wie bei SOL werden von Onchain Lens zeitnah gemeldet. Tools wie Whale Alert, CryptoQuant oder Glassnode tracken große Wallets in Echtzeit. Abflüsse zu Staking oder Cold Storage sind Akkumulationssignale, Zuflüsse deuten auf Distribution.
Gold/Krypto-Divergenz im Blick behalten. JPMorgan-Analysen zeigen: Gold/Silber-Futures sind überkauft, BTC-Futures überverkauft. Wenn diese Extrempositionen abgebaut werden, kann sich die Relation schnell umkehren. Trader mit Short auf Krypto und Long auf Gold sollten auf Momentum-Rotation achten.
Fazit
Das Leeren der Bitdeer-Treasury ist kein eindeutiges Bärenzeichen, sondern der letzte Akt eines achtwöchigen Kapitulationsprozesses. Dass Strategy bei 67.000 USD weiter akkumuliert, ist kein irrationales Verhalten, sondern Ausdruck langfristiger Überzeugung durch den größten Marktteilnehmer. Ein Wal, der 50.000 SOL stakt, gibt kein Preissignal, sondern reduziert das verfügbare Angebot. Und ein Gewinn von $573.000 auf Gold-Krypto-Spreads ist keine Grundsatzkritik an Krypto, sondern Ausdruck professioneller Nutzung von Marktdivergenzen.
Der Markt befindet sich in einer Übergangsphase: Zwangsverkäufer gehen die Coins aus, Überzeugungsinvestoren akkumulieren, Bestände werden in Staking oder Treasuries gebunden. Cross-Asset-Händler überbrücken kurzfristige Schwächen durch Hedging und positionieren sich für eine spätere Markterholung.
Ob Sie BTC bei 67.000 USD akkumulieren, SOL für Staking nutzen oder Spreads zwischen Krypto und Rohstoffen traden – die On-Chain-Daten deuten darauf hin, dass das verfügbare Angebot an Bitcoin und anderen großen Krypto-Assets schneller sinkt, als es der Markt wahrnimmt.
Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen birgt erhebliche Risiken. Vergangene Wertentwicklungen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Führen Sie stets eigene Recherchen durch und investieren Sie nur Beträge, deren Verlust Sie verkraften können.






