
2026 hat die SEC generische Zulassungsstandards für Krypto-Exchange-Traded Products (ETPs) verabschiedet. Diese Verfahrensänderung vereinfacht den Prozess für neue Fonds erheblich. Bislang musste für jeden einzelnen Spot-Krypto-ETF eine eigene 19b-4-Regeländerung beantragt werden – ein umständlicher Vorgang, der pro Produkt bis zu 240 Tage andauern konnte. Nach den neuen Standards kann ein qualifizierter Fonds in etwa 75 Tagen zugelassen werden, sofern er bestimmte Kriterien erfüllt. Bitwise schätzt, dass über 100 neue Krypto-ETFs in den USA aufgelegt werden könnten, da sich die Bearbeitungsdauer verkürzt.
Diese Zahl basiert auf einem Rückstand ausstehender Anträge, deren Prüfung bislang manuell erfolgte und nun automatisiert wird. Im Folgenden wird erläutert, was die generischen Zulassungsstandards konkret verändern, welche Vermögenswerte neben Bitcoin und Ethereum profitieren könnten, warum dies einen strukturellen Wandel für institutionelle Zugänge bedeutet und welche Implikationen eine Vielzahl neuer Produkte für Kryptopreise und Marktteilnehmer hat.
Was wurde durch die generischen Zulassungsstandards konkret verändert?
Jahrelang mussten Anbieter von Spot-Krypto-ETFs in den USA zwei separate Hürden überwinden: Zunächst die Registrierung des Produkts über ein S-1-Formular bei der SEC, dann die Beantragung einer 19b-4-Regeländerung durch die Börse. Letzteres war der Engpass: Jeder Antrag durchlief eine öffentliche Kommentierungsphase, mehrstufige Prüfungen und Fristen, die die SEC wiederholt verlängern konnte. Ein Produkt konnte so fast ein Jahr lang in der Warteschleife verharren.

Quelle: sec.gov
Durch die neuen Standards entfällt der Schritt der 19b-4-Einzelanträge für alle Fonds, die in einen vorab genehmigten Rahmen passen. Die SEC hat diese Kriterien offiziell veröffentlicht. Statt jedes Produkt einzeln zu genehmigen, bestätigt die Börse, dass der vorgeschlagene ETF die Vorgaben in Bezug auf Basiswert, Marktüberwachung, Verwahrung und Liquidität erfüllt. Ist das der Fall, kann der Fonds gelistet werden. Die SEC prüft das Rahmenwerk einmalig im Vorfeld, statt bei jedem neuen Fonds erneut.
Das ist vergleichbar mit einer Stadt, die einen Bauplan einmal genehmigt und anschließend jedem Bauherrn, der diesen Plan einhält, den Bau erlaubt. Die Prüfungsarbeit wird an den Anfang des Prozesses verlagert und einmalig durchgeführt – was früher individuelle Verhandlungen erforderte, ist nun eine Checkliste.
Das gleiche Verfahren gilt bereits für klassische Aktien- und Rohstoff-ETFs, die ohne Einzelprüfungen zugelassen werden. Krypto-Produkte bildeten bisher die Ausnahme, da sie als neuartig galten und daher ein aufwändiges Einzelverfahren durchlaufen mussten. Die Bitcoin-ETF-Kategorie benötigte Jahre und ein Gerichtsverfahren, um zugelassen zu werden; die nächste Produktwelle muss diesen Weg nicht mehr beschreiten.
Die alte 240-Tage-Prüfung im Vergleich zum neuen 75-Tage-Prozess
Der Wandel wird am deutlichsten, wenn man beide Prozesse direkt vergleicht. Früher bestand der Ablauf aus mehreren diskretionären Prüfphasen. Mit den neuen Standards wird vieles in einen einmaligen Eignungscheck zusammengefasst.
| Phase | Alter 19b-4-Prozess | Neue generische Standards |
|---|---|---|
| Regelantrag pro Produkt | Für jeden Fonds erforderlich | Nicht erforderlich, wenn Kriterien erfüllt |
| SEC-Prüffristen | Bis zu vier Fristverlängerungen möglich | Einmalige Prüfung des Rahmenwerks |
| Öffentliche Kommentierung | Für jedes Produkt, wiederholt | Einmalig beim Rahmenwerk erledigt |
| Typische Dauer | Bis zu 240 Tage | Etwa 75 Tage |
| Genehmigungsstil | Fallweise Entscheidung | Standardisierte Checkliste |
Die Zahlen sprechen für sich: Ein Genehmigungsfenster, das bis zu 240 Tage dauerte, schließt sich nun für qualifizierte Produkte in etwa 75 Tagen. Das verändert die Wirtschaftlichkeit: Anbieter müssen weniger ungewisse Ressourcen einsetzen, kleinere Unternehmen erhalten Chancen und Fondsverwalter können zahlreiche Produkte schneller auf den Markt bringen.
Für Trader signalisiert dies eines: Angebot. Produkte, die vor einem Jahr noch theoretisch waren, werden zu handelbaren Instrumenten. Das Beobachten von Bitcoin-ETF-Flows ist inzwischen ein wesentlicher Bestandteil der Marktanalyse und wird sich bald auf weitere Assets ausweiten.
Welche Assets profitieren von den neuen Standards?
Für Bitcoin und Ethereum bestehen bereits Spot-ETFs. Die neuen Standards sind daher vor allem für große Altcoins relevant, die bisher von regulatorischen Unklarheiten und langen Prüfprozessen ausgebremst wurden. Spot-Fonds für SOL, XRP und weitere führende Token sind die wahrscheinlichsten Kandidaten, da entsprechende Anträge vorbereitet sind und die Märkte ausreichend liquide sind.
XRP illustriert die Bedeutung dieser Änderung: Ein Spot-XRP-ETF spricht eine breite Basis institutioneller und privater Investoren an, die regulierten Zugang wünschen. Zuvor mussten diese Produkte nacheinander mit ungewissem Zeitplan genehmigt werden. Nun erhalten alle qualifizierten Fonds das gleiche schnelle Verfahren – daher wird eine größere Anzahl an neuen Produkten erwartet.
Es gibt jedoch weiterhin Auswahlkriterien: Ein Token benötigt ausreichend Liquidität, eine verlässliche Verwahrungslösung und marktüberwachende Strukturen. Dies begünstigt große etablierte Token und schließt illiquide Micro-Caps aus. Wahrscheinlich werden dutzende Single-Asset-Fonds für liquide Token, Multi-Asset-Basket-Produkte und Staking-fähige Fonds für Proof-of-Stake-Assets entstehen. Die Rolle von Stablecoins als Abwicklungsinstrument ist dabei ein unterstützender Faktor.
Risiken einer ETF-Flut
Ein schnellerer Prozess ist nicht automatisch ein besserer. Die gleichen Mechanismen, die einen hochwertigen SOL-Fonds in 75 Tagen ermöglichen, können auch weniger ausgereifte Produkte auf den Markt bringen. Schätzungen wie die von Bitwise, die über 100 neue Krypto-ETFs vorhersagen, umfassen daher auch Fonds mit geringer Liquidität oder sich überschneidenden Strukturen.
Das führt zu Marktfragmentierung: Mehrere nahezu identische Produkte teilen sich die Liquidität, was Spreads vergrößern und Nachbildungslücken verursachen kann – zum Nachteil von Privatanlegern. Wer einen ETF mit geringerem Handelsvolumen wählt, zahlt beim Kauf eventuell einen Aufpreis und erhält beim Verkauf einen Abschlag zum Nettoinventarwert – Kosten, die in der Verwaltungspauschale nicht erscheinen.
Auch die Qualitätskontrolle bleibt eine Herausforderung, denn die Standards legen Mindestanforderungen fest, garantieren aber keine Qualität. Ein Produkt kann alle Kriterien erfüllen, aber trotzdem riskant sein, etwa bei volatilen Tokens, ungetesteten Verwahrstellen oder komplexen Hebelstrukturen. Die Verantwortung für die Prüfung liegt nun stärker beim Anleger. Mehr Zugang erfordert mehr eigene Einschätzung.
Bedeutung der ETF-Welle für Trader
Die wichtigste Auswirkung eines strukturellen Angebots regulierter Käufer ist die Nachfrage nach den jeweiligen Assets. Jeder Spot-ETF muss den zugrundeliegenden Token halten – eine Welle neuer Fonds schafft einen zusätzlichen Kaufimpuls. Dies erklärt den Fokus auf Bitcoin-ETF-Flows und warum die Zulassung von Altcoin-ETFs als potenzieller Nachfragetreiber wahrgenommen wird.
Die Auswirkungen werden nicht gleichmäßig verteilt sein. Am meisten profitieren große, bereits gelistete Token mit starker Nachfrage. Tokens, die nur in breit gefasste Basket-Produkte aufgenommen werden, erhalten einen geringeren Effekt. Zudem ist das Timing entscheidend: Preise reagieren oft schon vor der endgültigen Zulassung, während tatsächliche ETF-Flows erst nach dem Start gehandelt werden. Erfolgreiche Trader beobachten daher Schöpfungs- und Rücknahmeaktivitäten, wie sie es bereits bei Bitcoin tun.
All dies spiegelt eine proaktive Haltung der SEC gegenüber Krypto wider. Unter dem Vorsitz von Paul Atkins hat die Behörde von einer reinen Durchsetzungsstrategie auf einen regelbasierten Rahmen umgestellt, der klarere Vorgaben für die Branche schafft. Die generischen Zulassungsstandards sind das bisher greifbarste Ergebnis dieser Entwicklung. Sie genehmigen kein einzelnes Produkt und stellen keine Wertversprechen dar, beseitigen aber die Verfahrenshürden für die nächste Produktgeneration.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Zulassung eines Krypto-ETFs jetzt?
Mit den neuen Standards kann ein qualifizierter Spot-Krypto-ETF in etwa 75 Tagen zugelassen werden – zuvor dauerte der Prozess bis zu 240 Tage pro Produkt. Diese Beschleunigung gilt nur für Fonds, die die veröffentlichten Kriterien für Liquidität, Verwahrung und Marktüberwachung erfüllen. Produkte, die diesen Rahmen nicht erfüllen, durchlaufen weiterhin das alte Verfahren.
Was ist ein generischer Zulassungsstandard?
Ein generischer Zulassungsstandard ist eine vordefinierte Kriterienliste, mit der eine Börse einen neuen Fonds ohne Einzelantrag listen kann. Die SEC prüft das Rahmenwerk einmalig, und jedes passende Produkt kann ohne zusätzliche Einzelfreigabe auf den Markt gebracht werden. Für klassische Aktien- und Rohstoff-ETFs existiert dieses Verfahren bereits, für Krypto-Produkte greift es ab 2026.
Wird es einen Solana-ETF geben?
Ein Spot-SOL-Fonds zählt zu den wahrscheinlichsten Kandidaten für eine zeitnahe Zulassung, da Solana die Liquidität und Markttiefe für die Kriterien bietet. Die Standards beseitigen den bisherigen Engpass, jedoch gibt es für keinen Fonds ein garantiertes Zulassungsdatum. Prognostizierte Produkte sollten daher als wahrscheinlich, aber nicht bestätigt angesehen werden.
Führt ein schnelleres Verfahren zu ETFs geringer Qualität?
Das ist möglich, da die Standards ein Mindestniveau setzen, aber keine Qualitätsgarantie bieten. Unter den über 100 erwarteten Fonds finden sich voraussichtlich auch Produkte mit geringerer Liquidität oder komplexen Strukturen. Käufer müssen daher auf Liquidität, Spreads und Verwahrung besonders achten.
Fazit
Die generischen Zulassungsstandards genehmigen nicht automatisch einzelne Fonds und haben keinen direkten Preiseinfluss. Sie ersetzen den langwierigen Einzelprozess durch eine etwa 75-tägige Checkliste – daher kann Bitwise realistisch mit über 100 neuen Krypto-ETFs rechnen. Regulierte Zugänge werden auf ein breiteres Feld großer Tokens ausgeweitet, wobei SOL- und XRP-Fonds zu den ersten Kandidaten zählen. Entscheidend ist, welche Produkte tatsächlich gelistet werden und wie sich deren Kapitalflüsse entwickeln. Marginale Fonds sollten weiterhin mit der nötigen Vorsicht betrachtet werden. Der Zugang wird schneller, die eigene Auswahl bleibt entscheidend.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Führen Sie stets eigene Recherchen durch, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.






