
Der Bitcoin Bull-Bear-Zyklusindikator von CryptoQuant hat am 12. Mai 2026 erstmals seit März 2023 wieder ein grünes Signal angezeigt. Das vorherige grüne Signal hielt rund 17 Monate an und fiel zeitlich mit der Aufwärtsbewegung zusammen, in der der Bitcoin-Kurs von niedrigen 20.000 USD auf das Allzeithoch von 108.000 USD im Oktober 2025 stieg. Zum Zeitpunkt des neuen Signals bewegt sich Bitcoin um 82.000 USD und weist eine ähnliche Struktur auf wie vor dem letzten Bullenmarkt. Makroökonomische Faktoren bleiben weiterhin einflussreich.
Zu beachten ist, dass derselbe Indikator auch im März 2022 einmal auf Grün sprang, bevor der FTX-Kollaps den Kurs auf 15.500 USD drückte. Es ist daher entscheidend zu verstehen, was der Indikator misst, wie sich das aktuelle Signal von jenem im Jahr 2022 unterscheidet und warum der Farbwechsel allein keine sofortigen Kursbewegungen garantiert.
Was misst der Bull-Bear-Zyklusindikator?
Der Indikator von CryptoQuant ist ein zusammengesetztes Modell, das auf dem firmeneigenen Profit-and-Loss-(P&L)-Index basiert. Dieser Index kombiniert drei On-Chain-Kennzahlen, die zyklische Trendwechsel häufig früher anzeigen als der Marktpreis.
Market Value to Realized Value (MVRV) Ratio: Vergleicht die Marktkapitalisierung von Bitcoin mit den aggregierten Anschaffungskosten aller im Umlauf befindlichen Coins. Ein niedriger Wert signalisiert, dass Anleger nahe der Gewinnschwelle oder im Minus sind – ein Umfeld, das oft vor einer Akkumulationsphase entsteht. Ein hoher Wert deutet darauf hin, dass die Mehrheit im Gewinn ist und Verkaufsanreize bestehen.
Net Unrealized Profit and Loss (NUPL): Misst, wie viel nicht realisierter Gewinn oder Verlust im Netzwerk gehalten wird. Tiefe negative Werte (Kapitulation) finden sich typischerweise an Zyklustiefs, hohe positive Werte (Euphorie) an Zyklushochs. Dieses Maß spiegelt direkt die Marktstimmung wider.
Long-Term Holder vs. Short-Term Holder Spent Output Profit Ratio (LTH/STH SOPR): Vergleicht die realisierten Gewinnspannen von langfristigen Haltern mit denen von kurzfristigen Spekulanten. Wenn Langzeithalter mit großem Gewinn verkaufen, während Kurzzeithändler Verluste realisieren, befindet sich der Markt typischerweise in einer späten bullischen Phase. Dreht sich das Verhältnis um, herrschen Akkumulationsbedingungen.
Der P&L-Index vereint diese drei Kennzahlen zu einem einzigen Wert. Überschreitet dieser Wert den gleitenden 365-Tage-Durchschnitt, springt der Indikator auf Grün, fällt er darunter, auf Rot. Die 365-Tage-Filterung sorgt für Signifikanz – es handelt sich nicht um eine Momentaufnahme, sondern bestätigt einen längerfristigen strukturellen Wandel im Verhalten der Marktteilnehmer.
Bedeutung des Signals vom März 2023
Das letzte vergleichbare Signal erschien am 16. März 2023, bei einem Bitcoin-Kurs von rund 25.000 USD und nach dem Zusammenbruch der Silicon Valley Bank und der regionalen Bankenkrise. Die Marktstimmung war bärisch, der Discount des Grayscale GBTC lag noch im zweistelligen Bereich und viele erwarteten weitere Rückgänge.
Der Indikator blieb ununterbrochen bis August 2024 auf Grün. In diesen 17 Monaten stieg Bitcoin auf ein erstes Allzeithoch über 73.000 USD im März 2024 und erreichte schließlich 108.000 USD im Oktober 2025. Das entspricht einer etwa vierfachen Wertsteigerung seit dem grünen Signal, wobei der eigentliche Umschwung deutlich vor dem nachhaltigen Preisanstieg lag. Wer auf eine Preisbestätigung wartete, verpasste den frühen Anstieg.
Unterschiede zum Signal von März 2022
Der bärischste Fall: Das Signal schlug im März 2022 fehl – der Indikator wurde bei rund 47.000 USD grün, bevor der Kurs nach dem FTX-Kollaps auf 15.500 USD fiel. Damals verschlechterte sich das makroökonomische Umfeld rapide, die US-Notenbank erhöhte erstmals wieder die Zinsen, und der Luna/UST-Kollaps stand unmittelbar bevor. Zudem gab es versteckte Risiken durch externe Verschuldung, die On-Chain-Kennzahlen nicht abbilden konnten.
Im Mai 2026 bestehen zwar eigene Risiken, aber die Kreditstruktur unterscheidet sich. Bitcoin hält sich trotz hoher Inflation und geopolitischer Unsicherheit robust. ETF-Vermögenswerte werden in regulierten Märkten gehalten, was für mehr Transparenz gegenüber 2022 sorgt.
Vergleich mit weiteren On-Chain-Zyklusindikatoren
Der Bull-Bear-Indikator ist einer von mehreren zusammengesetzten Signalen, die Marktteilnehmer für Trendwechsel beobachten. Zu den wichtigsten Vergleichen zählen der MVRV Z-Score, Pi Cycle Top und das Puell Multiple. Diese Instrumente verdichten ähnliche Ansätze – etwa Bitcoins Abstand zu langfristigen Kosten oder Minenökonomie – in einer Kennzahl:
| Indikator | Messgröße | Signaltyp | Historische Trefferquote |
|---|---|---|---|
| Bull-Bear Cycle Indicator | Mischung aus MVRV + NUPL + LTH/STH SOPR vs. 365d MA | Trendwechsel (Grün/Rot) | Zwei Treffer, ein Fehlsignal |
| MVRV Z-Score | Marktwert vs. realisierter Wert, standardisiert | Ober-/Untergrenzen (Extremzonen) | Verlässlich bei Extremen, dazwischen schwankend |
| Pi Cycle Top | 111d MA kreuzt 2x 350d MA | Zyklushöhepunkt | Traf 2017 und 2021 exakt zu den Hochs |
| Puell Multiple | Miner-Ausgabe vs. 365-Tage-Durchschnitt | Miner-getriebene Phasen | Stark an Tiefpunkten, weniger präzise an Hochs |
| Realized Price | Durchschnittliche Anschaffungskosten aller Bitcoins | Bodenunterstützung | Diente als Boden 2018, 2020, 2022 |
Der Vorteil des Bull-Bear-Indikators ist, dass er den Übergang von einer Baisse zum frühen Bullenmarkt klarer darstellt als reine Zonenindikatoren. Für Einstiegsentscheidungen ist er daher besonders nutzbar.
Weitere Details bietet der Leitfaden zu Krypto-Marktzyklen.
Risiken früher Signale
On-Chain-Trendsignale sind in der Regel frühzeitig, was für Portfoliopositionierung nützlich, aber für kurzfristiges Timing ungeeignet ist. Auch beim Signal von März 2023 dauerte es drei Monate bis zum nachhaltigen Preisanstieg. Wer schnelle Kursgewinne erwartet, sollte sich nicht ausschließlich auf dieses Signal verlassen.
Das aktuelle Signal kann dazu führen, dass der Bitcoin-Kurs zunächst längere Zeit zwischen 75.000 und 90.000 USD konsolidiert, bevor ein Ausbruch erfolgt. Die strukturellen Bedingungen für eine weitere Aufwärtsbewegung sind vorhanden, dies bedeutet jedoch nicht, dass der Preisanstieg unmittelbar bevorsteht.
Was das Signal entkräften könnte
Sollte der Indikator in den nächsten 60-90 Tagen wieder auf Rot drehen, wäre dies ein deutliches Warnsignal. Ein ähnlicher Fall trat 2022 nach dem LUNA-Kollaps auf. Auch makroökonomische Faktoren wie eine erneut steigende Inflation oder zusätzliche Zinserhöhungen der Fed könnten Druck auf Risikoanlagen ausüben und das Signal entwerten.
Zudem gilt: Ein grünes Signal garantiert keine Kursvervielfachung. Frühere Zyklen brachten unterschiedlich starke Kursanstiege, wobei sich die Gewinne mit zunehmender Marktreife verringerten. Ein realistischer Verlauf könnte einen Anstieg auf 130.000 bis 150.000 USD über 18 Monate bedeuten, nicht zwingend einen weiteren Anstieg um 100.000 USD.
Praktische Anwendung solcher Signale
Erfahrene Trader nutzen ein solches Signal nie isoliert als Kaufindikator. Es wird als ein Faktor im Rahmen einer Konfluenzstrategie betrachtet. Weitere Faktoren sind beispielsweise kontinuierliche positive ETF-Zuflüsse, steigender Realized Price oder eine Zunahme langfristiger Halter. Je mehr dieser unabhängigen Signale übereinstimmen, desto höher die Überzeugung. Positionsgrößen werden entsprechend angepasst, ohne alles auf einen Zeitpunkt zu setzen.
Ein häufiger Fehler ist der Versuch, auf ein grünes Signal mit hohem Hebel und sofortigem Einstieg zu reagieren. Wer so vorgeht, läuft Gefahr, bei einer kurzfristigen Korrektur ausgestoppt zu werden, auch wenn das Signal langfristig korrekt ist.
Häufig gestellte Fragen
Bestätigt das grüne Signal aktuell einen Bullenmarkt?
Es bestätigt, dass die On-Chain-Bedingungen jenen vergangener Bullenmärkte ähneln. Es ist jedoch keine Garantie für eine Wiederholung der Kursentwicklung von 2023-2025.
Wie lange kann das Signal grün bleiben, bevor sich der Preis bewegt?
Beim letzten Mal dauerte es etwa drei Monate bis zum nachhaltigen Preisausbruch, das neue Allzeithoch kam zwölf Monate später. Das Signal ist für den mittelfristigen Anlagehorizont relevant, nicht für kurzfristiges Trading.
Worin unterscheidet sich dieses Signal von CryptoQuants Warnung vor hebelgetriebenen Kursbewegungen?
Dabei handelt es sich um unterschiedliche Indikatoren. Die Hebelwarnung konzentriert sich auf Futures und Finanzierungsraten, während der Bull-Bear-Indikator das Verhalten der Investoren On-Chain analysiert. Beide Szenarien können gleichzeitig zutreffen.
Kann der Indikator nach einem grünen Signal wieder rot werden?
Ja. Ein grünes Signal ist kein dauerhaftes Kaufsignal, sondern eine Hypothese über die Marktphase, die widerlegt werden kann.
Fazit
CryptoQuants Bull-Bear-Zyklusindikator zeigt zum zweiten Mal in drei Jahren Grün. Das erste Signal ging einer etwa vierfachen Kurssteigerung voraus, das von 2022 fiel jedoch in eine Phase versteckter Risiken. Die aktuelle Situation ähnelt strukturell eher 2023, das makroökonomische Umfeld ist jedoch weniger eindeutig und die Kurspotenziale sind vermutlich moderater.
Das Signal eignet sich für die mittelfristige Portfoliosteuerung. Entscheidend für die weitere Bewertung sind nachhaltige ETF-Zuflüsse, ein anhaltend grünes Signal und eine potenzielle Rückeroberung der 90.000 USD-Marke. Sollte das grüne Signal 90 Tage bestehen bleiben, stärkt dies die Vergleichbarkeit mit 2023. Dreht es frühzeitig auf Rot, wäre der Vergleich zu 2022 angebracht.
Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Führen Sie stets eigene Recherchen durch, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.






