
Bitcoin wird aktuell zu 62.915 USD gehandelt, nachdem der tägliche Relative Strength Index (RSI) am 7. Juni mit 15,5 schloss – dem niedrigsten Wert seit dem Corona-Crash am 13. März 2020. In dieser Woche verzeichneten Spot-Bitcoin-ETFs Nettoabflüsse von insgesamt 1,67 Milliarden USD, wobei allein 1,43 Milliarden USD aus reinen BTC-Produkten stammten. Der Fear and Greed Index liegt aktuell im niedrigen Bereich der 20er, das Funding dreier der fünf größten Perpetual-Börsen ist ins Negative gedreht, und das Chartbild ähnelt historischen Setups vor mehrmonatigen Erholungen.
Im Folgenden wird erläutert, was der RSI-Wert von 15,5 in der Vergangenheit bedeutete, wo derzeit wichtige Unterstützungen liegen und warum Nachfrage von Unternehmen einen Teil des ETF-Angebots absorbiert.
Was bedeutet ein RSI von 15,5?
Der 14-Tage-RSI misst Geschwindigkeit und Ausmaß aktueller Kursbewegungen auf einer Skala von 0 bis 100. Werte unter 30 gelten als überverkauft, Werte unter 20 sind historisch selten und deuten auf eine Verkaufsermüdung hin. Ein RSI von 15,5 platziert BTC in etwa dem unteren 0,5-Prozent aller täglichen Schlusskurse seit 2013. Weitere Hintergründe zur Methode und historischen Einordnung finden sich im Investopedia-RSI-Leitfaden.
Das letzte Mal erreichte der Tages-RSI diesen Wert am 13. März 2020, als BTC während des Covid-Liquidationsereignisses nahe 4.800 USD notierte. Zwölf Monate später lag BTC über 58.000 USD. Zuvor wurde am 7. September 2022 nach dem LUNA-Crash und der 3AC-Auflösung ein RSI von 19,1 bei 18.800 USD registriert – ein Jahr darauf lag BTC bei etwa 26.500 USD. Beide Zeitpunkte brachten über verschiedene Zeiträume positive Entwicklungen, wobei das Ausmaß vom makroökonomischen Umfeld abhing.
Mechanisch betrachtet ist ein extremer Überverkauft-Wert meist Folge einer Serie starker roter Schlusskurse, wodurch der RSI Richtung Untergrenze gedrückt wird. Nach dem Ende des Verkaufsdrucks reicht oft schon ein neutraler oder leichter Anstieg, um den Indikator zurückzusetzen. Dies ist ein historisch belegtes Muster, jedoch keine Garantie.
Woher kommt der ETF-Abwärtsdruck?
Die 1,67 Milliarden USD umfassen den kompletten Bitcoin-ETF-Komplex laut CoinShares-Fondsflussbericht. Entscheidend ist dabei die Aufschlüsselung: Rund 1,43 Milliarden USD entfielen speziell auf Spot-Bitcoin-ETFs – mit den größten Rückgaben bei IBIT und FBTC, entsprechend ihrer Asset-Basis. Kleinere ETH- und Basket-Produkte machten den Rest aus.
Laut Farside Investors konzentrierten sich die Abflüsse auf drei Tage der Woche, was eher auf institutionelle Rebalancings als auf panikartige Privatverkäufe hinweist. Institutionelle Investoren führen Anpassungen meist in wenigen größeren Transaktionen durch.
Quelle: farside
Demgegenüber steht eine anhaltende Nachfrage von Unternehmens-Treasuries. So hat beispielsweise Strategy während dieses Zeitraums 1.045 BTC hinzugefügt, und mehrere kleinere Unternehmen (u. a. Metaplanet, Semler Scientific, KULR Technology) bauen ihre Bestände kontinuierlich aus. Insgesamt übersteigen die öffentlich bekannten Unternehmens-BTC-Bestände mittlerweile 980.000 Coins (laut Bitcoin Treasuries Tracker). Damit wird ein erheblicher Teil des ETF-Abflusses strukturell ausgeglichen, auch wenn sich dies nicht immer unmittelbar im Kurs widerspiegelt.
Drei entscheidende Unterstützungsniveaus
BTC notiert derzeit zwischen zwei wichtigen Unterstützungen. 60.000 USD stellt die erste große Unterstützung dar (200-Tage-Durchschnitt und Volumencluster der Seitwärtsphase im April). Ein nachhaltiger Schlusskurs über 60.000 USD hält den übergeordneten Trend aufrecht und erlaubt eine Erholung des RSI.
58.000 USD ist die sekundäre Unterstützung, basierend auf dem Tief vom Februar 2026 und dem 0,618-Fibonacci-Retracement der Aufwärtsbewegung von November bis Mai. In dieser Zone fand während der Frühjahrskorrektur reges Handelsvolumen statt – sie dient daher als logischer Auffangbereich für weiteres ETF-Angebot.
55.000 USD ist die dritte Marke. Ein Wochenschluss darunter würde das Muster höherer Tiefs, das seit dem Zyklustief vorherrscht, durchbrechen und auf eine umfassendere Korrektur hindeuten. Umgekehrt würde ein Wochenschluss über 66.500 USD den RSI aus dem überverkauften Bereich führen.
Aussagekraft von negativem Funding
Die Funding-Raten für Perpetuals sind auf drei der fünf größten Börsen negativ – mit Werten zwischen -0,008 und -0,014 Prozent in den letzten 48 Stunden. Negative Funding bedeutet, dass Short-Positionen Longs für das Offenhalten ihrer Trades zahlen. Dies weist auf einen hohen Anteil gehebelter Short-Positionen im Orderbuch hin.
Das ist aus zwei Gründen relevant: Erstens entstehen bei Kursanstiegen keine massenhaften Long-Liquidationen. Zweitens gilt länger anhaltendes negatives Funding zusammen mit einem niedrigen RSI historisch als starker Kontraindikator, da viele Marktteilnehmer auf eine Fortsetzung des Abwärtstrends setzen – entgegen der statistischen Wahrscheinlichkeit.
Das Open Interest hat sich laut Coinglass auf etwa 32 Milliarden USD in den wichtigsten BTC-Perpetuals aufgebaut. Dies könnte ausreichend sein, um einen Short Squeeze auszulösen, falls Short-Positionen geschlossen werden. Das aktuelle Muster ähnelt eher dem Setup von September 2022 als dem Hoch von Ende 2025.
Quelle: Coinglass
Häufig gestellte Fragen
Gab es für BTC schon einmal einen RSI von 15,5 ohne nachfolgende Erholung?
Die bisherigen Fälle seit 2013 führten beide zu positiven 12-Monats-Entwicklungen, jedoch waren die Anstiege während des frühen Bärenmarkts 2014–2015 deutlich geringer als 2020. Das Signal ist statistisch positiv belegt, jedoch nicht garantiert. Das makroökonomische Umfeld beeinflusst das Ausmaß.
Wie lange dauern ETF-Abflusswellen typischerweise?
Die bisher größten Abflusswellen (April 2024 und August 2024) hielten etwa zwei bis drei Wochen an, bevor sich die Flüsse stabilisierten und ins Positive drehten. Institutionelle Umschichtungen werden meist zu Beginn konzentriert ausgeführt, danach trocknet das Angebot aus und neue Zuflüsse beginnen.
Was würde die These einer Erholung aus dem überverkauften Bereich entkräften?
Ein Wochenschluss unter 55.000 USD in Kombination mit ETF-Abflüssen, die das aktuelle Tempo länger als zwei Wochen beibehalten, würde eher auf eine größere Korrektur als auf eine Erholungsbewegung hindeuten. Solche Konstellationen traten bisher nur im Zusammenhang mit externen Schocks auf, die derzeit nicht zu beobachten sind.
Kompensiert die Unternehmensnachfrage ETF-Abflüsse tatsächlich?
Auf struktureller Ebene kann die Nachfrage der Unternehmens-Treasuries einen erheblichen Teil der ETF-Abflüsse ausgleichen, allerdings nicht immer unmittelbar. ETF-Rückgaben wirken sich direkt auf die Liquidität am Spotmarkt aus, während Unternehmensankäufe oft OTC und somit verzögert abgewickelt werden. In den letzten 30 Tagen war die Nachfrage jedoch groß genug, um etwa die Hälfte des ETF-Abflussdrucks abzufedern.
Fazit
Die Kombination aus RSI 15,5, ETF-Abflüssen von 1,67 Mrd. USD, negativem Funding und einem Fear and Greed Index in den niedrigen 20ern entspricht historischen Setups, die seit 2020 größeren BTC-Erholungen vorausgingen. Sollte die Marke von 58.000 USD halten und die ETF-Flüsse sich stabilisieren, könnte sich in den nächsten zwei bis drei Wochen ein Boden ausbilden.
Die Bestätigungssignale sind klar: Ein Wochenschluss über 66.500 USD startet die RSI-Erholung. Ein Wochenschluss unter 55.000 USD entkräftet die positive Struktur und legt den Fokus auf Kapitalschutz. Dazwischen liegt der Vorteil bei geduldigen Käufern. Phemex Bitcoin ETF Flows erklärt ist für vertiefende Informationen zu institutionellen Zuflüssen empfehlenswert.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Führen Sie stets eigene Recherchen durch, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.





