
Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat im Sommer erstmals einen US-regulierten, auf Barausgleich basierenden Bitcoin Perpetual-Kontrakt auf einem offiziell registrierten Börsenplatz genehmigt. Perpetual Futures werden seit fast einem Jahrzehnt offshore gehandelt und stellen den Großteil des Krypto-Derivate-Volumens, doch bislang durfte keine US-regulierte Börse dieses Produkt listen. Die entsprechende Richtlinie, am 3. Juni 2026 im Federal Register veröffentlicht, klassifiziert diese Kontrakte rechtlich als Futures und nicht als Swaps – erst dadurch wurde eine US-regulierte Listung überhaupt möglich.
Diese Genehmigung verändert die Ausgangslage für alle Trader, die bisher aus regulatorischer Notwendigkeit statt aus Präferenz auf Offshore- oder On-Chain-Plattformen ausgewichen sind. Im Folgenden wird erläutert, wie das Funding-Rate-Modell funktioniert, worin sich US-regulierte Perpetuals von Offshore-Modellen unterscheiden und wie sich der Zugang auf die Funding Rates, Liquidität und die jeweiligen Trade-Offs auswirkt.
Wie eine Funding Rate bei Perpetual Futures funktioniert
Ein Perpetual Future besitzt kein Verfallsdatum – das macht ihn zum dominanten Krypto-Derivat. Herkömmliche Futures werden an einem festgelegten Tag abgerechnet, ihr Preis nähert sich mit Ablauf diesem Zeitpunkt dem Spotmarkt an. Da Perpetuals nie verfallen, ist ein anderes Modell nötig, um den Preis an den Basiswert zu koppeln – die Funding Rate.
Die Funding Rate ist eine kleine, periodisch zwischen Long- und Short-Tradern ausgetauschte Zahlung, meist alle acht Stunden. Liegt der Perpetual-Preis über dem Spot, weil Longs gefragt sind, wird die Funding Rate positiv und Longs zahlen Shorts. Liegt der Perpetual unter dem Spot, kehrt sich das Verhältnis um. Diese Mechanik motiviert Trader, gegen die überlaufene Seite zu handeln und so den Preis wieder Richtung Spot zu bewegen – ohne dass die Börse selbst eingreifen muss.
Man kann es mit einem Thermostat vergleichen: Je weiter der Preis vom Spot abweicht, desto stärker drängt die Funding Rate die Trader zur Korrektur. Eine Funding Rate von 0,01 % pro Acht-Stunden-Zyklus gilt als neutral; signifikant höhere Werte deuten auf einen überwiegenden Long-Überhang hin. Funding Rates verschiedener Börsen lassen sich in Echtzeit beobachten – anhaltende Extreme gelten als verlässlicher Indikator für Marktstimmung.
Entscheidend ist: Die Funding Rate ist keine Gebühr der Plattform, sondern ein Peer-to-Peer-Ausgleich. Auf regulierten US-Börsen kann sie sich anders verhalten als im Offshore-Handel.
Unterschiede zwischen regulierten US-Perpetuals, Offshore- und On-Chain-Perpetuals
Die CFTC hat mit der Neueinstufung als Future weitreichende Weichen gestellt: Perpetuals werden wie andere regulierte Futures (z.B. auf Öl, Gold, Indizes) behandelt. Das bringt segregierte Kundengelder, registrierte Intermediäre, Meldepflichten für Groß-Trader und Positionslimits – allesamt Standards, die bei Offshore-Börsen nicht üblich sind. Juristen bezeichnen dies als historischen Schritt zur Integration digitaler Perpetuals in den US-Markt.
Die wichtigsten Unterschiede betreffen Margin, Verwahrung, Reporting und Zugang. US-regulierte Perpetuals laufen über das Clearing- und Kundenschutzsystem der Terminbörsen, während Offshore- und On-Chain-Perpetual DEXes auf maximale Hebelwirkung und Geschwindigkeit ausgerichtet sind – oft mit weniger Schutzmechanismen. Beide Modelle adressieren unterschiedliche Zielgruppen und Prioritäten.
| Merkmal | Reguliertes US-Perpetual (DCM) | Offshore-/On-Chain-Perpetual |
|---|---|---|
| Hebel | Geringer, durch CFTC/Exchange-Regeln begrenzt | Hoch, historisch bis 100x und mehr |
| Verwahrung | Segregierte Kundengelder über regulierte Broker | Exchange-Konten oder Selbstverwahrung |
| Reporting & Steuern | CFTC-Überwachung, Meldepflichten, US-Steuerform. | Minimal, meist selbst gemeldet |
| Positionslimits | Ja, durch Börsen reguliert | Kaum bis keine |
| Abrechnung | Barausgleich, regulierter Referenzpreis | Barausgleich, meist Stablecoin |
| US-Zugang | Legal für US-Personen | Oft Geoblocking für US-Kunden |
| Funding-Zyklus | Periodische Funding Rate, neu für CFTC-Produkt | Üblicherweise alle 8 Stunden |
Der größte Unterschied ist der Hebel. Offshore-Börsen erreichten teils dreistellige Hebel, während CFTC-regulierte Produkte auf niedrigere Werte setzen. Dafür bieten sie rechtliche Sicherheit, besseren Schutz der Einlagen und eine lückenlose Dokumentation, wie sie Institutionen verlangen.
Bedeutung des Onshore-Zugangs für Institutionen und Liquidität
Institutionelle Marktteilnehmer wie Pensionsfonds, Fonds und Unternehmen konnten bisher Offshore-Perpetuals aus Compliance-Gründen nicht handeln. Ein US-reguliertes Perpetual beseitigt dieses Hindernis – und das für ein Produkt, das institutionelle Schreibtische aus dem Futures-Handel bereits kennen.
Das ist für die Liquidität relevant: Institutionelle Orders sind meist tiefer und stabiler, während Offshore-Märkte von kurzfristigem Leverage dominiert werden. Mit wachsender Open Interest auf regulierten Märkten verschiebt sich der Teilnehmermix zu Hedgern und langfristigen Investoren. Die gleiche Transparenz, die Spot-ETF-Zuflüsse wieder zugänglich gemacht hat, gilt nun auch für Derivate, insbesondere für ETF-Emittenten und Market Maker mit großem Absicherungsbedarf.
Auch für Sicherheiten ist das relevant: Offshore-Perpetuals nutzen meist Stablecoin-Margin, während an regulierten US-Börsen auch Bargeld und geprüfte Sicherheiten akzeptiert werden. Das eröffnet Treasury-Abteilungen Zugang, die nur Dollar, aber keine Stablecoins einsetzen können. Es entstehen zwei Liquiditätspools für dasselbe Asset, die von Arbitrageuren miteinander verbunden werden.
Der Kompromiss zwischen regulatorischer Sicherheit und Flexibilität
Trader haben künftig echte Wahlmöglichkeiten. Regulierte US-Perpetuals bieten Schutz der Einlagen, klare steuerliche Einordnung und rechtliche Sicherheit, allerdings meist bei geringerem Hebel und anfangs kleinerer Produktauswahl. Offshore- und On-Chain-Börsen liefern hohe Liquidität, große Hebel und viele Märkte, bergen aber Kontrahentenrisiken und regulatorische Unsicherheiten.
Die Funding Rates verbinden beide Welten: Wenn auf regulierten Märkten hohe Long-Nachfrage zu einem Aufschlag im Vergleich zu Offshore-Marktplätzen führt, gleichen Arbitrageure dieses Delta durch Cross-Trades aus. Diese Arbitrage hält die Märkte – auch permissionless On-Chain Perpetuals – eng beieinander. Ein US-regulierter Perpetual ist damit ein weiterer wichtiger Knotenpunkt; seine Funding Rate wird als Signal für alle Trader relevant.
Für die meisten aktiven Trader gilt: Beide Börsentypen haben ihren Platz. Größere Positionen und Hedges können aus Gründen von Sicherheit und Reporting über regulierte Produkte laufen; taktische, Hebel-orientierte Trades finden weiterhin auf spezialisierten Plattformen statt. Phemex bietet Perpetual Futures an vielen Märkten – ein regulierter US-Benchmark schafft dabei einen transparenten Referenzpunkt für Preis und Funding.
Häufig gestellte Fragen
Wie wird eine Funding Rate berechnet?
Meist basiert sie auf zwei Komponenten: einem Zinssatz-Anteil und einer Prämienkomponente, die misst, wie weit der Perpetual über oder unter dem Spot handelt. Die Prämie ist der Hauptfaktor – ein Perpetual über Spot ergibt eine positive Rate, die Longs an Shorts zahlen. Die Anwendung erfolgt in festen Intervallen, typischerweise alle acht Stunden, auf den Nominalwert der Position.
Werden US-regulierte Perpetuals mit weniger Hebel angeboten als Offshore-Modelle?
Sehr wahrscheinlich, zumindest anfangs. CFTC-regulierte Märkte unterliegen Positionslimits und Margin-Anforderungen, die extreme Hebel ausschließen. Trader, die Wert auf Einlagensicherheit und Rechtsklarheit legen, akzeptieren dafür geringeren Hebel.
Beeinflussen regulierte US-Perpetuals die Funding Rates auf Offshore-Börsen?
Indirekt, ja. Ein großer, kapitalstarker Onshore-Markt gibt Arbitrageuren weitere Möglichkeiten für Ausgleichsgeschäfte. Bleibt z.B. eine Funding-Differenz bestehen, werden Positionen so getauscht, dass sie sich angleichen. Je stärker beide Pools verbunden sind, desto näher rücken die Funding Rates zusammen.
Werden Perpetuals auf US-regulierten Märkten steuerlich anders behandelt?
Die eigentliche Änderung liegt im Reporting. US-regulierte Börsen arbeiten mit Intermediären, die offizielle Steuerdokumente bereitstellen. Offshore-Handel wird oft selbst gemeldet. Die genaue steuerliche Einordnung wird noch geklärt – jede Position sollte als steuerrelevant betrachtet und geprüft werden.
Fazit
Die Neueinstufung von Perpetuals als Futures ist der eigentliche strukturelle Wandel – nicht das einzelne Bitcoin-Produkt. Entscheidend sind künftig: erstens der Hebel, da er bestimmt, wie viel Offshore-Volumen tatsächlich migriert; zweitens die Basis zwischen Funding Rates auf regulierten und Offshore-Märkten als Arbitragesignal; und drittens, welche Assets als Nächstes zugelassen werden. Wer die Funding-Mechanik versteht und die Trade-Offs richtig einpreist, ist der Entwicklung voraus.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen birgt erhebliche Risiken. Informieren Sie sich stets selbst, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.
