Am 13. Oktober 2017 erklärte Larry Fink vor dem Publikum des Institute of International Finance, dass Bitcoin nichts weiter als ein Indikator für Geldwäsche sei. Damals lag der Kurs von BTC bei 5.685 US-Dollar. Am 14. April 2026 meldet BlackRock die Ergebnisse des ersten Quartals und verwaltet mit dem iShares Bitcoin Trust (IBIT) über 800.000 BTC mit einem Gesamtvolumen von rund 55 Milliarden US-Dollar – damit ist es der weltweit größte Bitcoin-Fonds.
Der Mann, der Krypto einst als Werkzeug für Kriminelle ablehnte, erwartet nun, dass BlackRocks Digital-Asset-Geschäft bis 2030 einen Jahresumsatz von 500 Millionen US-Dollar erzielen könnte.
Diese Entwicklung zeigt, wie institutionelle Anleger Bitcoin bewerten, wann sie einsteigen und wie sich die Haltung der wichtigsten Kapitalallokatoren der Welt geändert hat.
Wer ist Larry Fink?
Fink wurde 1952 in Van Nuys, Kalifornien, als Sohn eines Schuhladenbesitzers und einer Englischprofessorin geboren. Er schloss 1974 sein Studium der Politikwissenschaften an der UCLA ab und erwarb 1976 einen MBA an der UCLA Anderson. Anschließend begann er als einer der ersten Händler für hypothekenbesicherte Wertpapiere an der Wall Street bei First Boston. In seinen Dreißigern leitete er die Anleihenabteilung des Unternehmens und erhöhte das Anlagevolumen um rund 1 Milliarde US-Dollar. Nach einem verlustreichen Zinsgeschäft, das 1986 in einem Quartal 100 Millionen US-Dollar kostete, verließ Fink jedoch das Unternehmen.
Diese Erfahrung prägte sein weiteres Vorgehen. 1988 gründete Fink BlackRock als Teil der Blackstone Group mit der Kernthese, dass Risikomanagement wichtiger sei als reine Renditeorientierung. Das Unternehmen wurde 1994 unabhängig, ging 1999 an die Börse und übernahm 2009 Barclays Global Investors. Heute verwaltet BlackRock etwa 14,2 Billionen US-Dollar und ist damit der größte Vermögensverwalter der Welt. Kein anderer Akteur am Finanzmarkt entscheidet über mehr Kapital als Larry Fink.
Von Skepsis zum größten institutionellen Bitcoin-Unterstützer
Finks Wandel in Bezug auf Bitcoin vollzog sich in mehreren Phasen, die jeweils größere Veränderungen in der Wahrnehmung von Krypto durch traditionelle Finanzakteure widerspiegeln.
| Jahr | Finks Haltung | BTC-Kurs | Was sich änderte |
|---|---|---|---|
| 2017 | "Indikator für Geldwäsche" | ~5.685 USD | Krypto war von Privatanlegern dominiert, wenig Infrastruktur |
| 2018-2022 | Zurückhaltend, keine öffentliche Position | 3.200-69.000 USD | BlackRock prüfte die Assetklasse intern |
| Juni 2023 | Antrag auf IBIT Spot-Bitcoin-ETF bei der SEC | ~26.000 USD | Institutionelle Nachfrage war nicht mehr zu ignorieren |
| Jan 2024 | IBIT-Start nach SEC-Genehmigung | ~46.000 USD | 4,6 Mrd. USD Volumen am ersten Tag |
| Dez 2025 | Bezeichnete Bitcoin als "Angst-Asset" und "digitales Gold" | ~97.000 USD | IBIT überschreitet 70 Mrd. USD in weniger als einem Jahr |
| März 2026 | Im Jahresbrief Fokus auf Tokenisierung | ~83.000 USD | Prognose: 500 Mio. USD Krypto-Umsatz bis 2030 |
Der entscheidende Wendepunkt war der Juni 2023, als BlackRock den IBIT-ETF-Antrag einreichte. Dies löste eine Welle ähnlicher Anträge von Wettbewerbern aus. Fink erklärte damals, die Entscheidung sei durch Kundenanfragen motiviert, nicht durch persönliche Überzeugung. Die reine Einreichung des Antrags ließ den BTC-Kurs im Folgemonat um 25% steigen.
Der IBIT-Start am 11. Januar 2024 machte ihn zum am schnellsten wachsenden ETF der Geschichte – bereits nach wenigen Monaten übertraf der Mittelzufluss 37 Milliarden US-Dollar und IBIT hält nun über 3% aller zirkulierenden Bitcoin.
Warum änderte Fink seine Meinung? (und was bedeutet das für die institutionelle Adoption?)
Fink erklärte mehrfach, dass der Wandel durch Kundennachfrage ausgelöst wurde. 2023 bezeichnete er den ETF als "ersten Schritt einer technologischen Revolution im Finanzbereich". Ende 2025 nannte er Bitcoin ein "Angst-Asset" – ähnlich wie Gold für Investoren, die sich vor Währungsabwertung oder geopolitischer Unsicherheit schützen möchten.
Fink wurde jedoch nicht zum überzeugten Bitcoin-Maximalisten, sondern entwickelte gezielt Krypto-Produkte. 2026 widmete sein Jahresbrief der Tokenisierung einen eigenen Abschnitt: Er prognostiziert, dass künftig nahezu alle Finanzwerte – von Anleihen bis hin zu Private Credit – auf der Blockchain abgebildet werden. Bitcoin war für BlackRock der Einstieg, nicht das Endziel.
Das zeigt: Fink setzt nicht zwingend auf einen bestimmten Bitcoin-Kurs, sondern darauf, dass Blockchain-Technologie traditionelle Abwicklungsinfrastrukturen ablösen könnte.
Welche Bedeutung haben die IBIT-Zahlen für den Bitcoin-Markt?
Die IBIT-Performance im ersten Quartal 2026 zeigt, wie nachhaltig die institutionelle Nachfrage ist: An 48 von 62 Handelstagen gab es Zuflüsse; trotz eines Kursrückgangs von über 20% flossen netto 8,4 Milliarden US-Dollar zu. Der Anteil institutioneller Investoren an den Spot-Bitcoin-ETFs ist von rund 20% (Ende 2024) auf 38% gestiegen.
Diese Stabilität während eines Drawdowns ist bemerkenswert: Während Privatanleger verkauften, kauften Institutionen weiter zu. US-Spot-Bitcoin-ETFs halten nun rund 128 Milliarden US-Dollar, IBIT allein hat über 45% Marktanteil.
BlackRock veröffentlicht seine Q1-Ergebnisse am 14. April. Analysten erwarten einen Umsatz von ca. 6,6 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung von 25% im Jahresvergleich. Hinweise auf neue Krypto-Produktentwicklungen oder eine Anpassung der Umsatzprognose wären für den Markt richtungsweisend.
Was sollte kritisch hinterfragt werden?
Finks Jahresbrief 2026 griff eine Formulierung auf, die von Kritikern sofort diskutiert wurde: Die zunehmende Bitcoin-Adoption könne Amerikas wirtschaftlichen Vorsprung untergraben, wenn Anleger Bitcoin als sicherer als den Dollar betrachteten. Fink profitiert durch Gebühren vom Bitcoin-Erfolg, warnt aber gleichzeitig vor möglichen Risiken für das bestehende Finanzsystem, von dem BlackRock abhängt.
Seine Prognose eines Bitcoin-Preises von 700.000 US-Dollar (genannt im Januar 2025) basierte auf der Annahme, dass Staatsfonds 2–5% ihrer Portfolios in Bitcoin investieren – was bislang nicht eingetreten ist. Die Projektion ist hypothetisch und mit einem langen Zeithorizont versehen.
Häufig gestellte Fragen
Warum änderte Larry Fink seine Meinung zu Bitcoin?
Er selbst gibt an, dass die Nachfrage institutioneller Kunden ausschlaggebend war. Zwischen 2018 und 2023 änderte sich die Haltung schrittweise, der öffentliche Umschwung erfolgte mit dem IBIT-Antrag im Juni 2023.
Wie viel Bitcoin hält der IBIT-Fonds von BlackRock?
Anfang 2026 hält IBIT über 800.000 BTC im Wert von rund 55–57 Milliarden US-Dollar, das entspricht mehr als 3% des gesamten zirkulierenden Bitcoin-Angebots und macht IBIT zum weltweit größten Bitcoin-Fonds.
Ist Larry Fink 2026 optimistisch bei Bitcoin?
Fink ist grundsätzlich optimistisch im Hinblick auf Bitcoin als Finanzprodukt, nicht zwangsläufig als Wertspeicher. Der Fokus liegt auf Tokenisierung und Infrastruktur, nicht auf kurzfristige Kursprognosen. Er weist darauf hin, dass eine stärkere Bitcoin-Adoption auch Risiken für das Dollar-System birgt.
Hat Fink wirklich gesagt, Bitcoin könne 700.000 US-Dollar erreichen?
Ja, im Januar 2025 äußerte er, dass Bitcoin diesen Wert erreichen könnte, wenn Staatsfonds 2–5% ihrer Portfolios investieren würden. Diese Entwicklung ist bisher nicht eingetreten; es handelt sich um eine theoretische Annahme, keinen festen Zielwert.
Fazit
Die Kehrtwende von Larry Fink zu Bitcoin ist wohl die folgenreichste Meinungsänderung der Kryptogeschichte: Sie ebnete den Weg für 128 Milliarden US-Dollar ETF-Kapital, das vor Januar 2024 nicht vorhanden war. Mit 55 Milliarden US-Dollar AUM und starken Mittelzuflüssen in schwankenden Märkten zeigt sich die institutionelle Nachfrage als erstaunlich robust. Entscheidend ist weniger der BTC-Kurs, sondern der wachsende Anteil institutioneller Investoren am ETF-Volumen – aktuell 38%. Sollte dieser die 50%-Marke überschreiten, wäre institutionelles Kapital der bestimmende Faktor für den Markt.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Führen Sie vor Handelsentscheidungen stets eigene Recherchen durch.
