
Drei der renommiertesten Unternehmen im Bereich Krypto-Asset-Management befinden sich derzeit in einem Wettbewerb um die Einführung des ersten Spot-ETFs für HYPE, den nativen Token der dezentralen Perpetuals-Börse Hyperliquid. Bitwise reichte im September 2025 sein BHYP-Produkt ein, Grayscale folgte mit GHYP im März 2026 und 21Shares reichte am 14. April 2026 die zweite Änderung für THYP ein. Alle drei streben eine Notierung an der Nasdaq oder NYSE Arca an und haben sich mittlerweile für denselben Verwahrer entschieden. HYPE wird aktuell bei etwa 43,32 US-Dollar gehandelt, was einem Wochenplus von 5,7 % entspricht. Die Aktualisierung der Anträge deutet darauf hin, dass die SEC einer Entscheidung näher ist, als viele Marktteilnehmer annehmen.
Dies ist das erste Mal, dass ein DeFi-nativer Token gleichzeitig so großes institutionelles Interesse in Bezug auf ETFs außerhalb der ursprünglich genehmigten Spot-BTC- und ETH-Produkte erfährt. Im Folgenden werden die Inhalte der Anträge, die Gründe für die Wahl von Anchorage Digital als Verwahrer und wichtige Beobachtungspunkte für HYPE-Inhaber im Hinblick auf das Thema Staking-Yield-ETFs erläutert.
Wer hat wann welchen Antrag gestellt?
Der Wettbewerb begann im September letzten Jahres, als Bitwise seinen ersten S-1-Antrag für BHYP bei der NYSE Arca einreichte. Der Antrag blieb zunächst monatelang ohne wesentliche Bewegung, bis Bitwise im April 2026 einen aktualisierten S-1 einreichte. Dies deutet auf einen aktiven Dialog mit der SEC hin. Grayscale stieg im März 2026 mit dem Nasdaq-Antrag für GHYP in das Rennen ein und fügte das Produkt seinem bestehenden Krypto-ETF-Angebot hinzu. 21Shares vervollständigte das Trio mit dem zweiten Änderungsantrag für THYP am 14. April 2026, ebenfalls mit Ziel einer Nasdaq-Notierung.
Alle drei Anbieter streben strukturell ähnliche Produkte an: Sie würden HYPE direkt halten, den Spotpreis abbilden und teilweise Zugang zu Staking-Erträgen bieten. Unterschiede bestehen insbesondere bei Gebührenstruktur und Verwahrung, was auch im Fokus der SEC während der Kommentierungsphase steht.
Bitwise BHYP: NYSE-Arca-Notierung, jährliche Verwaltungsgebühr von 0,67 %, Verwahrung durch Anchorage Digital. Der Anteil der im Fonds verbleibenden Staking-Erträge ist mit ca. 85 % am höchsten; der Rest wird an die Investoren weitergegeben. Seit September 2025 gab es mehrere S-1-Updates, zuletzt im April 2026.
Grayscale GHYP: Das ursprünglich mit Coinbase Custody als Verwahrer eingereichte Nasdaq-Produkt wurde am 20. April 2026 geändert – seither ist Anchorage Digital Bank der Verwahrer (Quelle). Dies spiegelt die Perspektive der SEC wider, dass bundesweit lizenzierte Krypto-Banken im Vergleich zu staatlich regulierten Trusts bei neuen Staking-Produkten bevorzugt werden. GHYP würde in das bestehende ETF-Portfolio von Grayscale aufgenommen werden.
21Shares THYP: Nasdaq-Antrag, Verwahrung gemeinsam durch Anchorage Digital Bank und BitGo Bank & Trust. Staking wird an Figment ausgelagert, das auch bei anderen 21Shares-Produkten die Ethereum-Staking-Infrastruktur bereitstellt. Zwischen 30 und 70 % der HYPE-Bestände werden aktiv gestaked, der Rest bleibt für Rückgaben liquide. Die Verwaltungsgebühr liegt laut Berichten bei etwa 2 %, der finale Wert wird noch festgelegt.
Warum alle drei Anträge auf Anchorage setzen
Das auffälligste Detail ist, dass nun in allen Anträgen Anchorage Digital als Verwahrer genannt wird. Grayscale hatte ursprünglich Coinbase Custody vorgesehen. Anchorage besitzt als einzige Krypto-Institution eine bundesweite Trust-Lizenz des OCC und kann daher als qualifizierter Verwahrer nach US-Bundesrecht auftreten. Bei Staking-Yield-ETFs ist dieser Status relevant, da die SEC für das Staking im ETF die Einhaltung spezieller Verwahrungsstandards gemäß dem Investment Company Act und der Custody Rule verlangt.
Coinbase Custody ist ein New Yorker Trust – der am weitesten verbreitete Verwahrer für bestehende Spot-BTC- und ETH-ETFs, jedoch ohne bundesweite Banklizenz. Für reine Spot-Produkte ohne Staking war das bisher unproblematisch. Im Fall von HYPE-ETFs mit Staking-Komponente scheint die Bundescharta nun de facto Voraussetzung zu sein – die Änderung bei GHYP ist ein klares Indiz dafür.
21Shares hat mit der Nennung beider Verwahrer eine Absicherung eingebaut. Auch BitGo verfügt inzwischen über eine bundesweite Trust-Zulassung. Diese Redundanz entspricht vermutlich einer SEC-Anforderung aus der ersten Kommentierungsrunde.
Wie die Staking-Yield-Mechanik funktioniert
US-Krypto-ETFs mit Staking wurden bislang nicht genehmigt. Die bereits zugelassenen Spot-BTC- und ETH-ETFs bieten kein Staking. Auch die kürzlich genehmigten Ethereum-Staking-ETFs von BlackRock und Bitwise erlauben nur ein eng begrenztes Staking. Die HYPE-Anträge gehen hier einen Schritt weiter.
Im Bitwise-BHYP-Fonds verbleiben ca. 85 % der Staking-Erträge nach Kosten im Fondsvermögen; der Ertrag wird in den Nettoinventarwert (NAV) reinvestiert. Die verbleibenden 15 % decken operative Kosten. Dies ähnelt der Handhabung von Dividenden in geschlossenen Fonds und hat steuerliche Auswirkungen für US-Investoren.
21Shares arbeitet mit Figment als Staking-Partner. Zwischen 30 und 70 % der HYPE-Bestände werden aktiv gestaked; der Rest bleibt liquide für Rückgaben. Dieser Liquiditätspuffer adressiert das Hauptrisiko aus Sicht der SEC: Was passiert, wenn Anleger auszahlen möchten, während das Underlying sich noch in der 21-tägigen Unbonding-Periode befindet?
Grayscale hat die Details des Staking-Mechanismus bisher nicht final offengelegt. Erwartet wird eine konservative Struktur, passend zu Grayscales institutionellem Fokus. Die Neubenennung von Anchorage als Verwahrer spricht für einen aktiveren Staking-Ansatz.
Warum gerade HYPE und warum jetzt?
Hyperliquid ist kein gewöhnlicher Altcoin. Es handelt sich um die führende dezentrale Perpetuals-Börse mit einer eigenen Hyperliquid Layer-1-Chain und einem speziell für Orderbuch-Trading entwickelten Konsensmechanismus. Das Protokoll generiert reale Umsätze. Interne Analysen von Phemex beziffern die annualisierte Gebührenbasis von Hyperliquid auf 676 bis 843 Millionen US-Dollar – eine der höchsten im Krypto-Sektor außerhalb von Stablecoin-Emittenten.
97 % der Einnahmen fließen in den Assistance Fund, der täglich HYPE am Markt zurückkauft und die Token anschließend verbrennt. Dadurch befindet sich HYPE immer dann in einer deflationären Phase, wenn die Protokolleinnahmen die Emissionen übersteigen – was seit Q1 2026 kontinuierlich der Fall ist. Whale-Akkumulation ist on-chain sichtbar, insbesondere vor jeder neuen ETF-Änderung.
Die Fondsmanager kennen diese Fundamentaldaten. Die ETF-Nachfrage folgt nachvollziehbaren Narrativen: Reale Umsätze, On-Chain-Buybacks und eine Staking-Komponente geben HYPE ein Profil, das klassische DeFi-Tokens wie UNI oder AAVE nicht bieten. Die Bitcoin-ETF-Erfahrungen werden nun erstmals auf einen DeFi-nativen Vermögenswert angewandt.
| ETF | Sponsor | Börse | Verwahrung | Antrag | Gebühr | Staking |
|---|---|---|---|---|---|---|
| BHYP | Bitwise | NYSE Arca | Anchorage Digital | Sep 2025 (S-1) | 0,67 % | ca. 85 % verbleibt |
| GHYP | Grayscale | Nasdaq | Anchorage Digital Bank | Mär 2026 | offen | konservativ |
| THYP | 21Shares | Nasdaq | Anchorage + BitGo | 14.4.26 (Änd.2) | ca. 2 % | 30-70 % via Figment |
Mögliche Risiken und Unsicherheiten
Der optimistische Ausblick ist nachvollziehbar, der kritische Blick aber ebenso wichtig. Drei Risiken stehen im Vordergrund:
Die zeitliche Unsicherheit der SEC-Genehmigung ist deutlich höher als bei BTC- und ETH-ETFs. Diese Produkte verfügten über jahrelange Futures-Historie, gängige Verwahrungspraktiken und eine klare Zuordnung als Rohstoff. HYPE ist ein neueres Asset, wird auf weniger regulierten Handelsplätzen gehandelt und die Staking-Komponente ist in einem ETF-Kontext neu. Es gibt keine belastbare Schätzung, wann die SEC entscheidet.
Die Liquidität von HYPE ist – auch wenn sie für einen Nicht-Major-Coin hoch ist – im Vergleich zu BTC oder ETH geringer. ETF-Autorisierte Teilnehmer müssen in der Lage sein, HYPE in Größe zu beziehen oder abzugeben, ohne den Markt signifikant zu bewegen. Größere Orders könnten zu Preisabweichungen führen, was den Spread gegenüber dem NAV vergrößert. Die durchschnittlichen Volumina müssen mit dem Fondsvolumen Schritt halten.
Staking-Yield-Mechanismen in ETFs sind weiterhin neu und die regulatorische Ausgestaltung befindet sich im Aufbau. Die SEC hat mit den jüngsten ETHB- und BAVA-Zulassungen ihre Offenheit signalisiert, aber ein HYPE-ETF wäre der erste DeFi-native Staking-ETF. Neue Produktklassen bringen meist erweiterte Offenlegungspflichten und längere Prüfzeiten mit sich.
Häufig gestellte Fragen
Wann startet der erste HYPE-ETF?
Es gibt bisher kein offizielles Genehmigungsdatum, aber die Häufung der Änderungsanträge spricht für einen aktiven Dialog mit der SEC. Analysten erwarten eine Entscheidung frühestens Ende 2026 oder Anfang 2027. 21Shares und Bitwise sind im Kommentierungsprozess am weitesten.
Kann ich HYPE über den ETF staken wie direkt?
Nein. Das Staking im ETF wird vom Fondsmanager durchgeführt, die Erträge werden entweder im Nettoinventarwert (Bitwise-Modell) oder als Einkünfte (mögliches 21Shares-Modell) abgebildet. Als Anleger hat man weder Einfluss auf Validatoren-Auswahl noch auf Unbonding-Zeiten. Es fallen die Managementgebühr sowie ggf. operative Kosten an.
Warum wechseln alle Anbieter zu Anchorage Digital?
Anchorage verfügt über eine bundesweite OCC-Trust-Lizenz, die von der SEC bei Staking-ETFs offenbar als Voraussetzung angesehen wird. Für reine Spot-Produkte reicht eine staatliche Trust-Lizenz wie bei Coinbase Custody, für Produkte mit Staking-Komponente bevorzugt die SEC jedoch bundesweite Verwahrer.
Ist HYPE ein sinnvoller Kauf vor einer ETF-Genehmigung?
HYPE ist seit Ende 2024 bereits von unter 10 US-Dollar auf über 43 US-Dollar gestiegen. Die wesentlichen ETF-bezogenen Erwartungen scheinen im aktuellen Preis eingepreist. HYPE weist fundamentale Stärken auf (reale Umsätze, Buy-and-Burn-Mechanik, hohes DEX-Volumen), sollte im Portfolio jedoch eher als Satelliten-Investment (2-5 % Anteil) angesehen werden.
Fazit
Drei Anbieter mit einem Gesamtvolumen von über 200 Milliarden US-Dollar konkurrieren um den ersten Spot-Hyperliquid-ETF. Die Wahl von Anchorage Digital als Verwahrer in allen Anträgen weist darauf hin, dass die SEC einen klaren regulatorischen Rahmen für Staking-Produkte etabliert. Entscheidende Faktoren bleiben die nächsten S-1-Änderungen, die HYPE-Spotliquidität für institutionelle Größenordnungen sowie potenzielle weitere Anpassungen bei der Verwahrung.
Wer als erster das SEC-Verfahren durchläuft, erhält einen deutlichen Startvorteil bei Verbreitung, Gebührenstruktur und verwaltetem Vermögen. Bitwise hat die längste Antragsgeschichte, Grayscale verfügt über das breiteste institutionelle Netzwerk und 21Shares bietet die innovativste Staking-Struktur. Sollte die SEC einen Anbieter vor den anderen zulassen, wird das Timing entscheidend sein. Bleibt HYPE über 43,32 US-Dollar und hält das Protokoll seine Umsätze, sorgt allein die deflationäre Tokenstruktur für strukturellen Rückenwind.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Bitte recherchieren Sie eigenständig, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.






