Der PI-Token wird Anfang April 2026 bei etwa 0,17 $ gehandelt und ist damit über 90 % von seinem kurzfristigen Höchststand von 3 $ nach dem Open-Mainnet-Start im Februar 2025 gefallen. Das dahinterstehende Netzwerk meldet über 60 Millionen registrierte Nutzer und zählt damit auf dem Papier zu den größten Krypto-Communities. Dennoch ist der Tokenwert seit über einem Jahr rückläufig, während allein in diesem Monat weitere 231 Millionen Token in den Umlauf gelangen.
Die Diskrepanz zwischen der Community-Größe von Pi Network und der Token-Performance ist eine der größten im Kryptobereich. Ob dies eine Chance oder ein Warnsignal ist, hängt davon ab, welcher Sichtweise auf Pi Network man folgt – beide Seiten bringen sachliche Argumente vor.
Was ist Pi Network und wie kamen 60 Millionen Nutzer zusammen?
Pi Network wurde 2019 von den Stanford-Promovierten Nicolas Kokkalis und Chengdiao Fan mit einem einfachen Konzept gegründet: App herunterladen, einmal alle 24 Stunden einen Button antippen und PI-Token durch "mobiles Mining" erhalten. Es ist keine spezielle Hardware nötig, keine Stromkosten und keine technischen Vorkenntnisse. Die Einstiegshürden waren praktisch bei null, und das Empfehlungsprogramm belohnte Nutzer für das Einladen von Freunden. So wuchs das Netzwerk innerhalb von rund fünf Jahren von null auf 60 Millionen registrierte Nutzer.
Das Open Mainnet ging am 20. Februar 2025 live, und der PI erreichte kurzzeitig 3,00 $ an Börsen, bevor die Verkäufer das Übergewicht gewannen. Der Kurs brach schnell ein und befindet sich seither im Abwärtstrend, aktuell etwa 0,17 $ bei einer Marktkapitalisierung von rund 1,7 Milliarden $. Von den 60 Millionen registrierten Nutzern haben etwa 19 Millionen eine KYC-Verifizierung abgeschlossen und rund 16 Millionen ihre Token tatsächlich ins Mainnet migriert. Das bedeutet, dass etwa 73 % der genannten Nutzerbasis entweder keine Identitätsprüfung vorgenommen oder ihre Token bislang nicht on-chain beansprucht haben.
Quelle: X
Das Mining-Konzept ist deshalb interessant, weil es die Token-Ökonomie erklärt. Nutzer minen nicht im herkömmlichen Sinne. Das Antippen signalisiert Aktivität und Nutzer erhalten Belohnungen aus einem vorab festgelegten Pool von 65 Milliarden PI, die für die Community vorgesehen sind. Das maximale Angebot beträgt 100 Milliarden PI, davon sind 20 Milliarden für das Kernteam reserviert und die übrigen 15 Milliarden für den Aufbau des Ökosystems und Liquiditäts-Pools bestimmt.
Das Tokenomics-Problem verschärft sich
An diesem Punkt spielt die Mathematik gegen PI-Inhaber. Von den etwa 9,2 Milliarden Token, die bisher ins Mainnet migriert wurden, sind etwa 5,4 Milliarden gesperrt, das entspricht rund 58,6 % des migrierten Bestands. Beim maximalen Angebot von 100 Milliarden bedeutet das, dass derzeit nur etwa 9 % aller jemals existierenden PI-Token in irgendeiner Form im Umlauf sind. Der Vesting-Plan sorgt dafür, dass jeden Monat Hunderte Millionen neue Tokens freigesetzt werden.
Allein im April 2026 kommen 231 Millionen Token in den Umlauf, was beim aktuellen Kurs etwa 40 Millionen $ entspricht. Das sind rund 2 % der gesamten Marktkapitalisierung, die allein in einem Monat auf den Markt strömen. Dieses Muster wiederholt sich jährlich.
Kennzahl | Aktueller Wert |
Maximales Angebot | 100 Mrd. PI |
Ins Mainnet migriert | ~9,2 Mrd. PI |
Aktuell im Umlauf | ~3,8 Mrd. PI |
Im Mainnet gesperrt | ~5,4 Mrd. PI (58,6 %) |
Freisetzung April 2026 | 231 Mio. PI (~40 Mio. $) |
KYC-verifizierte Nutzer | ~19 Mio. |
Marktkapitalisierung | ~1,7 Mrd. $ |
Zum Vergleich: Die jährliche Inflationsrate von Bitcoin liegt unter 1 %, die von Ethereum nach dem Merge nahe null. Die Inflationsrate von PI durch die Token-Freigaben übertrifft beide deutlich. Monatlich trifft mehr Angebot auf einen Markt, der die Verkaufslast bisher nicht aufnehmen konnte.
Die optimistische Sicht auf Pi Network
Die Optimisten stützen sich im Wesentlichen auf drei Argumente:
Die Community-Größe ist real – 60 Millionen Nutzer sind beachtlich. Selbst wenn nur 19 Millionen KYC abgeschlossen haben, ist dies mehr als bei den meisten Layer-1-Blockchains. Sollten auch nur Teile dieser Nutzer im Pi-Ökosystem aktiv werden, könnten starke Netzwerkeffekte entstehen. Das Pi Day 2026-Update führte Smart Contracts via v23.0-Upgrade (nur Text, keine Verlinkung da keine deutsche Academy-Version) ein, basierend auf Rust und WebAssembly, dazu einen Token-Launchpad und einen GenAI App Studio. Im Hackathon 2025 wurden über 215 Applikationen eingereicht, und die native Depth Exchange ist in Betrieb.
Die Ankündigung einer Crosschain-Bridge zeigt das Bewusstsein, dass Pi nicht isoliert existieren kann. Durch die Anbindung an andere Blockchains könnte PI Zugang zu DeFi-Protokollen erhalten und jenseits des Pi-Ökosystems verwendet werden. Die zweite Migrationswelle seit März 2026 bringt zudem weitere Nutzer und Referral-Boni ins Mainnet und könnte die aktive Nutzerzahl erhöhen.
Der mobile Einstieg bleibt Pis echte Innovation. Kein anderes Projekt hat Krypto für so viele technisch unerfahrene Nutzer zugänglich gemacht. Sollte das Ökosystem Nutzwert für Zahlungen, Marktplätze und Finanzdienste speziell in Schwellenländern entwickeln, in denen Banken nicht breit verfügbar sind, könnte dies eine nachhaltige Stärke werden.
Die kritische Sicht: Warum manche Pi Network kritisch sehen
Die kritische Sicht legt den Fokus auf einige Kernpunkte:
Zentralisierung ist ein zentrales Thema. Obwohl Pi Network als dezentral vermarktet wird, läuft das Netzwerk Berichten zufolge aktuell nur über drei vom Core Team kontrollierte Validator-Nodes. Das entspricht keiner gängigen Definition von Dezentralität. Das Team hat Kontrolle über Tokenverteilung, Migration und Netzwerk-Upgrades; On-Chain-Governance mit Nutzerbeteiligung gibt es nicht.
Justin Bons, Gründer von CyberCapital, bezeichnete Pi Network öffentlich als fragwürdig und wies auf die zentralisierte Kontrolle und ein Referral-System hin, das Ähnlichkeiten mit einem Pyramidensystem aufweist (Quelle). Nutzer können mehr PI verdienen, indem sie weitere Teilnehmer einladen, die ebenfalls täglich den Mining-Button betätigen. Der Wert für frühe Nutzer hängt stark davon ab, dass später viele neue Nutzer nachkommen und Nachfrage schaffen.
Eine Bundes-Sammelklage über 10 Millionen US-Dollar wurde im Oktober 2025 von Harro Moen gegen SocialChain Inc. eingereicht. Es geht u. a. um angeblich unautorisierte Übertragungen aus Nutzer-Wallets und geheime Insider-Verkäufe von rund zwei Milliarden PI-Token. Das Verfahren läuft vor dem Bundesgericht in Kalifornien. Einige Vorwürfe (z. B. unrealistische Preisannahmen basierend auf IOU-Werten vor Mainnet-Start) werden kritisiert, die Themen Kontrolle und Token-Transfers jedoch ernst genommen.
Betrügerische Aktivitäten sind ebenfalls ein Problem. Das Pi-Team hat die Zahlungsanfragefunktion zeitweise deaktiviert, nachdem Angreifer 4,4 Millionen PI aus Nutzer-Wallets abgezogen hatten. Fake-Vertragsadressen, die echte Pi-Assets nachahmen, sind ebenfalls aufgetaucht.
Zudem stellt sich die grundlegende Frage: Was kann PI tatsächlich, was andere Blockchains nicht besser können? Die 2026 eingeführten Smart Contracts laufen auf WebAssembly, wie bei vielen etablierten Chains mit größeren Entwickler-Communities und mehr DeFi-Liquidität. Die Marktplatz- und Zahlungs-dApps werden vor allem intern zwischen Pi-Nutzern verwendet, was zu einem Kreislaufsystem statt externer Nachfrage führt.
Vergleich mit anderen Projekten für "mobiles Mining"
Pi Network ist nicht das einzige Projekt, das einfaches "Krypto-Mining" via Handy versprach. Die Erfahrungswerte sind gemischt:
Bee Network startete mit einem ähnlichen Tap-to-Mine-Ansatz; der Token verlor nach dem Listing über 95 % seines Werts. Electroneum (ETN) propagierte 2017 mobiles Mining, sammelte 40 Millionen $ über ein ICO ein und wird heute nur noch mit Bruchteilen eines Cents und geringer Nutzung gehandelt. Ice Network, ein weiterer Pi-Klon, hat trotz Millionen von Nutzern noch keinen handelbaren Token eingeführt.
Das Muster ist ähnlich: Rasantes Nutzerwachstum durch kostenlose Teilnahme, Erwartungen an den Token-Launch, eine kurze Preisspitze zum Börsenstart und dann ein anhaltender Kursrückgang wegen fehlender echter Nachfrage und permanenter Tokeninflation. Pi folgt diesem Muster bislang exakt, wobei das v23.0-Smart-Contract-Upgrade den Versuch darstellt, diesen Zyklus durch echte Programmierbarkeit zu durchbrechen.
Ob das gelingt oder nur verzögert, hängt davon ab, ob Entwickler Anwendungen schaffen, die Nutzer außerhalb der bestehenden Pi-Community anziehen. Externe Akzeptanz ist bisher kaum sichtbar.
Häufige Fragen
Ist Pi Network ein seriöses Projekt oder nicht?
Pi Network hat ein funktionierendes Mainnet, ist auf Börsen wie OKX gelistet und zeigt verifizierbare On-Chain-Aktivität. Die zentrale Kontrollstruktur, das referral-basierte Wachstum und die laufende Klage werfen aber ernste, über das normale Projektrisiko hinausgehende Fragestellungen auf. Das Projekt befindet sich daher in einer Grauzone zwischen mobilem Krypto-Experiment und Projekt mit strukturellen Herausforderungen.
Warum fällt der PI-Token weiter im Wert?
Der Hauptgrund ist die Inflation des Angebots: Jeden Monat gelangen Hunderte Millionen neuer Token durch Migration und Freischaltung in den Umlauf, ohne dass genug Nachfrage besteht, um den Verkaufsdruck aufzunehmen. Da aktuell nur 9 % der maximal möglichen 100 Milliarden PI-Token zirkulieren, verstärkt sich die Verwässerung mit der Zeit, solange die Nachfrage nicht deutlich schneller wächst als das Angebot.
Kann Pi Network einen Wert von 1 $ oder mehr erreichen?
Bei 1 $ pro Token läge die voll verwässerte Bewertung von PI bei 100 Milliarden $ – vergleichbar mit Ethereum aktuell. Dafür müsste Pi Network ähnlich hohe Nutzwerte und Akzeptanz wie das zweitgrößte Blockchain-Ökosystem erzielen. Beim aktuellen Umlaufvolumen entspräche 1 $ etwa 3,8 Milliarden $ Marktkapitalisierung – realistischer, aber es wäre weiterhin eine Trendwende und ein starker Nachfrageschub notwendig.
Fazit
Die 60 Millionen Nutzer von Pi Network sind eine beachtliche Leistung in Sachen Distribution – unabhängig davon, wie man die Chancen und Risiken einschätzt. Doch Verbreitung ohne Nutzwert bleibt letztlich nur eine Mailingliste, und die Token-Ökonomie belastet Inhaber mit jedem Freischalt-Event weiter. Allein die 231 Millionen Token, die im April 2026 in den Umlauf kommen, bedeuten Verkaufsdruck, den das aktuelle tägliche Handelsvolumen von 21 Millionen $ kaum aufnehmen kann.
Das v23.0-Smart-Contract-Upgrade und die Ankündigung einer Crosschain-Bridge sind richtige Schritte für mehr Nutzwert – kommen aber über ein Jahr nach Mainnet-Start und nach über 90 % Kursverlust, was das Vertrauen belastet. Die laufende Klage schafft zusätzliche Unsicherheit. Entscheidend ist, ob künftig signifikante Transaktionsvolumina außerhalb der bestehenden Community generiert werden. Dieser Wert – nicht die reine Nutzerzahl – entscheidet, ob sich PI stabilisiert oder weiter abwertet.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Führen Sie eigene Recherchen durch, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen.






