
Am 18. Mai reichte Leopold Aschenbrenners Situational Awareness LP den 13F-Bericht für das erste Quartal 2026 ein. Die gemeldete Aktienexponierung stieg von 5,5 Milliarden US-Dollar zum Jahresende 2025 auf 13,67 Milliarden US-Dollar zum 31. März. Der größte Anteil entfällt nicht auf Nvidia, große Cloud-Anbieter oder reine AI-Softwarefirmen, sondern auf Bitcoin-Miner und Betreiber von AI-Rechenzentren. Bestätigte Long-Positionen bestehen u.a. in IREN, CleanSpark, Riot Platforms, Applied Digital, Core Scientific und Hive Digital. Gleichzeitig zeigt der Bericht Put-Positionen im Wert von rund 7,5 Milliarden US-Dollar auf Halbleiter-Aktien wie Nvidia, AMD, ASML und den VanEck Semiconductor ETF.
Der ehemalige OpenAI-Forscher und Autor des einflussreichsten AGI-Scaling-Essays 2024 teilt der SEC mit, dass der günstigste Weg, 2026 auf AI-Computing zu setzen, im Besitz von Unternehmen liegt, die bereits über preiswerte Energie und gekühlte Standorte verfügen. Im Folgenden wird erläutert, was aus dem Bericht hervorgeht, warum Miner im Fokus stehen, welche Unternehmen enthalten sind, was dies für die BTC-Hashrate bedeutet und welche Gegenargumente bedacht werden sollten.
Der Ausbau von 5,5 auf 13,67 Milliarden US-Dollar und die Inhalte des Berichts
Der vorherige 13F-Bericht von Situational Awareness LP zum Jahresende 2025 wies eine Aktienexponierung von 5,5 Milliarden US-Dollar aus. Im Q1-2026-Bericht, der am 18. Mai von der SEC akzeptiert und im 13F-Manager-Dashboard einsehbar ist, steigt dieser Wert auf 13,67 Milliarden US-Dollar zum 31. März. Das bedeutet einen Anstieg um das 2,5-Fache in nur einem Quartal – und das in einem Zeitraum, in dem AI-Aktien unter Druck standen.
Auffällig ist die Zusammensetzung: Die Long-Positionen konzentrieren sich auf sogenannte Second-Derivative-AI-Titel – Bitcoin-Miner mit AI-Hosting-Strategie, Betreiber von Rechenzentren und Energieinfrastruktur (Bloom Energy ist mit 6,5 Millionen Aktien im Wert von rund 879 Millionen US-Dollar die größte Long-Position). Auf der Short-Seite setzt das Portfolio auf Halbleiterhersteller mit Puts im Wert von 7,5 Milliarden US-Dollar, verteilt auf Nvidia, Broadcom, AMD, ASML, Micron, Intel und TSMC.
Diese Konstruktion zeigt: Aschenbrenner ist nicht grundsätzlich skeptisch gegenüber AI, sondern stellt die geläufige Strategie – Investitionen in Chips – infrage. In seinem 2024 veröffentlichten Essay „Situational Awareness“ argumentierte er, dass AGI-Systeme bis Ende der 2020er Jahre Billionen-Investitionen in Infrastruktur benötigen. Das Portfolio setzt diese These praktisch um. Der Original-Essay ist öffentlich unter situational-awareness.ai verfügbar. Das Reporting von CoinDesk fasst die Zuordnung der Positionen zu einzelnen Aktien anschaulich zusammen.
Warum Miner und nicht Nvidia? Die Picks-and-Shovels-These
Die klassische Strategie für AI-Aktien ist der Kauf von Nvidia und großen Cloud-Anbietern (Microsoft, Meta, Alphabet, Amazon). Dieser Ansatz war in den letzten Jahren erfolgreich und bleibt im Mainstream populär. Aschenbrenners Portfolio setzt jedoch gezielt darauf, dass der nächste Zyklus der AI-Wertschöpfungskette eine Etage tiefer ansetzt.
Das Argument: Die Entwicklung und der Betrieb von AI-Modellen werden zukünftig primär durch den Zugang zu Energie limitiert und weniger durch Chips selbst. Ab 2027 wird der Engpass bei US-AI-Infrastruktur voraussichtlich bei der verfügbaren Netzleistung zu wettbewerbsfähigen Preisen liegen, nicht bei der Versorgung mit H100- oder B200-Chips. Bitcoin-Miner besitzen bereits diese knappen Ressourcen: ca. 30 Gigawatt genehmigte, betriebene, gekühlte und ans Stromnetz angeschlossene Standorte in US-Regionen mit günstiger Energie (Westtexas, Wyoming, Georgia, Upstate New York). Für vergleichbare Neubauten sind allein für die Genehmigungen drei bis sieben Jahre nötig.
Drei strukturelle Faktoren machen Miner zu einer klaren Strategie: ASIC-Hallen lassen sich mit Retrofit-Capex in GPU-Hallen umwandeln; Miner-Aktien werden zu einem Bruchteil der Bewertung reiner AI-Infrastruktur-Unternehmen gehandelt; und AI-Hosting-Umsätze sind vertraglich fixiert, wiederkehrend und in US-Dollar denominiert – das wertet die Aktie vom „BTC-Beta-Proxy“ zum „Rechenzentrums-REIT mit optionalem Krypto-Potenzial“ auf.
Der IREN-Microsoft Vertrag über 9,7 Mrd. USD für GPU-Cloud-Services (November 2025) sieht den Einsatz von Nvidia GB300 GPUs auf IRENs 750MW Campus in Childress, Texas, über fünf Jahre vor. Erwartet werden jährlich rund 1,9 Milliarden US-Dollar wiederkehrender Umsatz bei etwa 85% EBITDA-Marge. Solche Vertragskonditionen ermöglichen derzeit nur die Miner, weil sie über die Energie verfügen.
Die im Portfolio enthaltenen Miner
Die Berichterstattung des 13F-Berichts bestätigt die folgenden Long-Positionen in Minern und AI-naher Infrastruktur. Die Liste umfasst explizit genannte Werte sowie Unternehmen mit Positionsausbau gegenüber dem Vorquartal:
Ticker | Name | AI-Hosting-Status | Grund für Aufnahme
IREN | IREN Limited | Laufender $9,7 Mrd. Microsoft-Vertrag, GB300-Deployment im Gange | Fortgeschrittenste AI-Strategie unter öffentlichen Minern
CLSK | CleanSpark | Reiner BTC-Miner, prüft AI-Hosting | Günstigster BTC-Anteil pro Aktie, geringste Verschuldung unter großen Minern
RIOT | Riot Platforms | Rockdale, TX: Standort auf AI-Option geprüft | Größte gemeldete Stromkapazität in den USA
CORZ | Core Scientific | CoreWeave Hosting-Vertrag aktiv | Monetarisiert AI-Kunden auf durch Sanierung gestärkter Bilanz
APLD | Applied Digital | Reines AI-Hosting, kein BTC-Mining | Klarste AI-Datenzentrum-Strategie
HIVE | Hive Digital | Toronto: Ausbau des AI-Datenzentrums veröffentlicht | Erster börsennotierter Miner mit AI-Fokus
BITF | Bitfarms | Stromkapazität in Argentinien, Quebec, Washington State | Geografische Diversifikation mit günstiger Wasserkraft
BTDR | Bitdeer | In Singapur notiert, gemischtes Mining und AI-Hosting | Asien-Komponente der Strategie
Die Auswahl ist gezielt: Jedes dieser Unternehmen besitzt entweder bereits AI-Hosting-Verträge oder die nötige Stromkapazität dafür. Kleinere Miner ohne diese Voraussetzungen fehlen auffällig.
Auf der Short-Seite stehen die Chip-Hersteller. Sollte das Energie- und Immobiliensegment profitieren, könnten die Margen der Chiphersteller unter Druck geraten. Ob dies tatsächlich eintritt, bleibt offen.
Auswirkungen auf BTC-Hashrate und Miner-Aktien
Für Krypto-Trader sind die indirekten Effekte besonders relevant:
Erstens, die Hashrate. Sollten Miner wie IREN, HIVE, CORZ oder Teile von RIOT Kapazitäten vom ASIC-Mining ins AI-Hosting verschieben, wächst die Netzwerk-Hashrate langsamer oder stagniert. Seit der Bitcoin-Halbierung 2024 gab es bereits zwei kleinere Beispiele dafür. Die Erklärung zur Hashrate zeigt, warum eine flachere Hashrate in Zeiten sinkender Neuemissionen tendenziell den BTC-Preis stützt.
Zweitens, die Korrelation von Miner-Aktien zu BTC. Während des Zyklus 2020–2024 bewegten sich große Miner-Aktien meist als gehebeltes BTC-Beta (Tages-Beta 1,5x bis 2,0x). Sobald AI-Hosting-Umsätze einen erheblichen Teil des Geschäfts ausmachen, entkoppelt sich diese Beziehung. IREN reagiert bereits teils auf Microsoft-Meilensteine, CORZ auf CoreWeave-Umsätze. Reine Miner wie CLSK oder BITF folgen weiterhin dem BTC-Preis. Trader sollten daher Miner-Aktien nach AI-Umsatzgewichtung differenzieren.
Drittens, die Kostenstruktur im Bitcoin-Mining wird durch AI-Hosting-Einnahmen abgeflacht. Miner mit langfristigen AI-Verträgen können auch bei niedrigen Hashpreisen weiterarbeiten, was den historischen Kostendeckel für BTC nach unten verschiebt und so in Korrekturphasen unterstützend wirkt.
Für Trader bedeutet dies: Die Miner-Auswahl dient als Indikator für den AI-Energie-Narrativ, die Hashrate als Bestätigung für den Trendwechsel, und die Korrelation von BTC/Miner-Aktien wird sich im nächsten Jahr weiter abschwächen.
Risiken und Gegenargumente
Die Strategie ist nicht risikolos, folgende Faktoren sind zu berücksichtigen:
AI-Computing könnte nicht langfristig angebotslimitiert bleiben. Sollten Chip-Lieferzeiten sinken und Genehmigungen für neue Rechenzentren beschleunigt werden, nimmt das Knappheitsargument ab. Bleibt die Nachfrage dennoch hoch, könnten die Short-Positionen auf Chips Verluste bringen.
Die Bilanzen vieler Miner sind noch angespannt. Viele börsennotierte Miner haben erst kürzlich den Sprung in den positiven Cashflow geschafft. AI-Hosting erfordert jedoch erneut hohe Investitionen, was meist zu weiteren Kapitalerhöhungen oder Wandelanleihen führt und den Altbestand verwässert.
BTC-Preisrisiken bleiben bestehen. Auch Miner mit AI-Schwerpunkt haben Exposure gegenüber BTC und ihrer ASIC-Flotte. Ein starker BTC-Rückgang wirkt sich negativ auf alle aus, unabhängig von Microsoft-Umsätzen.
Konzentrationsrisiko im Portfolio. Viele AI-Einnahmen stammen aktuell von wenigen Verträgen (IREN, CORZ, APLD). Änderungen in diesen Verträgen könnten die Story in kurzer Zeit beeinflussen.
Unterm Strich handelt es sich um eine fokussierte Wette mit asymmetrischem Chance-Risiko-Profil – vorausgesetzt, die Bottleneck-These für Energie bewahrheitet sich. Aschenbrenner setzt gezielt auf die Wertschöpfungsverschiebung innerhalb des AI-Stacks.
Häufig gestellte Fragen
Setzt Aschenbrenner direkt auf Bitcoin oder nur auf Miner?
Der 13F-Bericht enthält ausschließlich US-gelistete Aktien und Optionen, keine direkten Krypto-Bestände. Die bekannten Positionen liegen bei Miningfirmen und AI-Infrastruktur. Ob Aschenbrenner direkt BTC hält, ist öffentlich nicht bekannt.
Welcher Miner hat aktuell den größten AI-Hosting-Vertrag?
IRENs Fünfjahresvertrag mit Microsoft über 9,7 Mrd. US-Dollar (November 2025) ist der bislang größte veröffentlichte Vertrag. Core Scientifics CoreWeave- und Applied Digitals AI-Projekte folgen darauf.
Warum ist Bloom Energy Teil des Portfolios, wenn das Thema Miner sind?
Bloom produziert Brennstoffzellensysteme, die von Rechenzentren und Minern zum Umgehen von Netzanschlussengpässen genutzt werden. Die Position liegt somit eine Stufe vor den Minern in der Wertschöpfungskette.
Könnte die BTC-Hashrate sinken, wenn Miner auf AI umstellen?
Ja, etwa 30 % der aktuellen Netzwerk-Hashrate werden von börsennotierten Minern mit AI-Optionen betrieben. Eine dauerhafte Verschiebung von 10 % dieser Kapazität würde das Wachstum der Hashrate signifikant verlangsamen und tendenziell den Verkaufsdruck seitens der Miner reduzieren.
Fazit
Aschenbrenners Portfolio rückt den Fokus von Chips hin zur Strominfrastruktur. Der Long-Basket setzt darauf, dass Bitcoin-Miner der günstigste Zugang zu AI-Computing sind, da sie die knappen Ressourcen besitzen. Die Short-Seite wettet auf Margendruck bei Chipherstellern, falls das Wertschöpfungspotenzial in andere Bereiche wandert. Die Strategie bleibt spannend: Entscheidend wird sein, wie sich Verträge wie bei IREN entwickeln, wie die Hashrate reagiert und wie sich die Gewinne im Chipsektor entwickeln. Entwickeln sich die Chip-Gewinne stabil und bleiben AI-Umsätze der Miner hinter den Erwartungen zurück, könnte die Wette nicht aufgehen. Im umgekehrten Fall könnte dies als erste institutionelle Positionierung eines Strukturwandels gewertet werden.
_ Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen birgt erhebliche Risiken. Führen Sie stets eigene Recherchen durch, bevor Sie Handelsentscheidungen treffen._






