Oracles (ORCL/USDT) Wandel zählt zu den bedeutendsten Transformationen der Unternehmens-IT: Vom Datenbanklizenz-Anbieter hin zum globalen Cloud-Infrastruktur-Dienstleister. Das Unternehmen investiert massiv in neue Rechenzentren, kooperiert mit OpenAI beim über $300 Milliarden schweren Stargate-KI-Projekt und besitzt einen Auftragsbestand, der vor zwei Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre.
Die Q2-Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 (veröffentlicht am 10. Dezember 2025) sprechen Klartext: Gesamtumsatz 16,1 Mrd. US-Dollar (+14 % gegenüber Vorjahr), Cloud-Umsatz 8,0 Mrd. US-Dollar (+34 %), ein Auftragsbestand (RPO) von 523 Mrd. US-Dollar – ein Anstieg um 438 % im Jahresvergleich. Das bereinigte Ergebnis pro Aktie (Non-GAAP EPS) lag bei 2,26 US-Dollar und übertraf die Erwartungen um mehr als 50 % teilweise durch einen einmaligen Verkauf der Ampere-Beteiligung.
Die Aktie zeigte sich volatil: Nach einem Hoch bei etwa 346 US-Dollar im September 2025 fiel ORCL bis Februar 2026 um rund 48 % auf 145 US-Dollar, belastet durch leicht verfehlte Umsatzprognosen, hohe Investitionsausgaben, Unsicherheiten rund um das Stargate-Projekt sowie eine Sammelklage. Analysten geben eine Moderate Buy-Einschätzung ab, mit Kurszielen zwischen 130 und 400 US-Dollar.
Die Q3-Zahlen werden um den 9. März 2026 erwartet – diese Periode gilt als potenziell kursbewegend.
Das Geschäft in 60 Sekunden
Oracle wurde 1977 von Larry Ellison, Bob Miner und Ed Oates gegründet und ist seit 1986 börsennotiert. Sitz ist Austin, Texas (seit 2020, zuvor Redwood City). Ellison (81) ist Chairman und CTO, weiterhin die treibende Kraft der Strategie. Mike Sicilia übernahm Ende 2025 von Safra Catz als CEO.
Der Umsatz teilt sich in vier Segmente – die Gewichtung verschiebt sich rasant hin zur Cloud:
Cloud Services (8,0 Mrd. USD in Q2, 50 % des Umsatzes): Aktuell wichtigster und wachstumsstärkster Bereich, aufgeteilt in Cloud Infrastructure (OCI) und Cloud Applications (SaaS). OCI-Umsatz stieg um 68 % auf 4,1 Mrd. USD, getrieben durch KI-Nachfrage. Cloud Applications (u. a. Fusion ERP, HCM, NetSuite) wuchsen um 11 % auf 3,9 Mrd. USD. Die Stargate- und OpenAI-Verträge laufen in OCI.
Software-Lizenzen und Support (5,9 Mrd. USD, 37 %): Das klassische Datenbank-/Middleware-Geschäft, rückläufig um 3 %, da Kunden zu Cloud-Abonnements wechseln. Trotz hoher Profitabilität schrumpft dieser Bereich.
Hardware (0,8 Mrd. USD, 5 %): On-Premises-Hardware, plus 7 %. Ein kleiner, abnehmender Anteil.
Services (1,4 Mrd. USD, 9 %): Beratung und Implementierung, plus 7 %.
Ein Alleinstellungsmerkmal ist Oracles Multicloud-Strategie: Das Unternehmen baut Rechenzentren, die nahtlos in AWS, Azure und Google Cloud integriert werden. So können Kunden Oracle-Datenbanken in der Cloud ihrer Wahl betreiben. Über 211 Regionen weltweit sind aktiv oder geplant, 72 Multicloud-Zentren im Bau. Multicloud-Datenbankumsatz stieg um 817 % in Q2.
Was bewegt die Aktie?
Stargate ist das Schlüsselprojekt. Oracle ist Gründungspartner des Stargate-KI-Projekts mit OpenAI und SoftBank: In fünf Jahren sollen 4,5 Gigawatt KI-Kapazität entstehen. Analysten erwarten daraus jährliche Umsätze von 30–60 Mrd. US-Dollar, allerdings frühestens ab 2028. Die Dimension trieb den RPO auf 523 Mrd. USD, wirft aber auch Fragen nach Umsetzung und Finanzierung auf.
Beispielloser Auftragsbestand: Mit 523 Mrd. USD RPO sind künftige Erlöse für über acht Jahre gesichert. Kurzfristige RPO (innerhalb von 12 Monaten realisiert) stieg um 40 %, bei Meta, NVIDIA und weiteren AI-Kunden. Diese hohe Visibilität setzt aber voraus, dass Rechenzentren tatsächlich gebaut werden.
Steigende Investitionen: Oracle erwartet für 2026 rund 50 Mrd. USD Capex, nach 21,2 Mrd. USD im Vorjahr. Geplant ist, 45–50 Mrd. USD frisches Kapital über Fremd- und Eigenkapital aufzunehmen. Der Free Cashflow war mit -10 Mrd. USD deutlich negativer als erwartet.
Chip-Neutralität: Mit dem Verkauf der Ampere-Beteiligung (2,7 Mrd. USD Gewinn) verfolgt Oracle eine "Chip-Neutralitäts-Strategie" – es werden die Chips eingesetzt, die Kunden wünschen, statt proprietärer Hardware. Das stärkt die Position als unabhängiger Infrastrukturpartner und fördert Partnerschaften zu NVIDIA und AMD.
Stargate-Fragen: Im Februar berichtete The Information, dass das Stargate-Joint-Venture über wenig Personal verfügt und keine Rechenzentren direkt betreibt. Die Aktie verlor daraufhin 6 %. Unklarheiten bezüglich Kontrolle und Umsetzung zwischen den Partnern verzögern das Projekt.
Sammelklagen: Mehrere Klagen wurden eingereicht (Kauf zwischen 12.06. und 16.12.2025), mit Vorwurf unzureichender Aufklärung zu KI-Umsätzen und Infrastruktur. Frist für Hauptkläger ist der 6. April 2026.
Pro und Kontra: Bullen vs. Bären
| Pro (Bullen) | Kontra (Bären) | |
|---|---|---|
| KI-Infrastruktur | Oracle ist Stargate-Gründungspartner (4,5 GW zugesagt). 523 Mrd. USD RPO bieten jahrelange Planungssicherheit. | Stargate hat wenig eigenes Personal, keine direkte Kontrolle. Umsätze erst ab 2028 möglich. Umsetzung in dieser Größenordnung unbewiesen. |
| Cloud-Wachstum | OCI-Umsatz +68 %, Multicloud-Datenbanken +817 %, 50 % des Umsatzes Cloud. Oracle etabliert sich als vierter Cloud-Gigant. | Q2-Umsatz unter den Erwartungen, trotz hoher Auftragseingänge. Umsetzung des Backlogs setzt Fertigstellung neuer Rechenzentren voraus. |
| Backlog-Qualität | 523 Mrd. USD RPO sind nicht kündbar. Meta, NVIDIA, OpenAI haben sich verpflichtet. Kurzfristige RPO +40 %. | RPO kann trügen, falls Verträge verzögert, neu verhandelt oder Kunden eigene KI-Produkte nicht monetarisieren. |
| Bewertung | 48 % unter den Höchstständen. KGV ca. 25–30x (forward, FY27). Günstiger als am Hochpunkt, mit verbesserter Visibilität. | KGV ~53x (trailing), Konzernverschuldung >100 Mrd. USD, Free Cashflow tief negativ. Bewertung setzt perfekte Umsetzung voraus. |
| Multicloud-Vorteil | Kein anderer Anbieter betreibt Datenbanken gleichzeitig in drei Fremd-Clouds. 211+ Regionen, automatisierte Rechenzentren senken Kosten. | AWS, Azure und Google Cloud sind deutlich größer und könnten Multicloud-Features kopieren. Marktanteil Oracle bleibt einstellig. |
| Umsatzmix | Cloud jetzt 50 % des Umsatzes (vor 5 Jahren minimal). SaaS-Applikationen (Fusion, NetSuite) sichern stabile wiederkehrende Umsätze. | Klassische Lizenzumsätze -3 % p.a. Übergang von margenstarken Lizenzen hin zu margenschwächeren Cloud-Verträgen senkt Gewinnmarge. |
| Larry Ellison | Ellison ist einer der erfahrensten Tech-Gründer. Sein Fokus auf KI und seine Bereitschaft, das Unternehmen zu transformieren, war oft vorausschauend. | Einzelperson-Risiko: Ellison ist 81 Jahre alt, Unternehmenskultur und Strategie sind stark auf ihn zugeschnitten. |
Entscheidende Zahlen
- Q2-Geschäftsjahr 2026 Umsatz: 16,1 Mrd. USD (+14 %), leicht unter Konsens. Cloud-Anteil 8,0 Mrd. USD (+34 %), OCI +68 % (4,1 Mrd. USD).
- RPO: 523 Mrd. USD (+438 %), plus 68 Mrd. USD zum Vorquartal. Kurzfristige RPO +40 %.
- Non-GAAP EPS: 2,26 USD in Q2 (+54 %), über Konsens von 1,64 USD. Exklusive Ampere-Verkauf lag das Wachstum bei rund 15 %.
- Capex: ca. 50 Mrd. USD für FY2026 (zuvor 21,2 Mrd. USD). Oracle will 45–50 Mrd. USD frisches Kapital beschaffen. Konzernverschuldung >100 Mrd. USD.
- Free Cashflow: -10 Mrd. USD in Q2 (Konsens -5,2 Mrd. USD). Operativer Cashflow 22 Mrd. USD (TTM) – reicht nicht, um das Capex zu decken.
- Q3-Ausblick FY2026: 19–21 % Umsatzwachstum (USD), Cloud plus 37–41 % (konstante Währung), Non-GAAP EPS 1,70–1,74 USD. Erwarteter Umsatz: 16,9 Mrd. USD.
- Jahresprognose 2026: ca. 67 Mrd. USD Umsatz (+15 %); Prognose 2027: 80 Mrd. USD. Erwartetes EPS: 7,45 USD (2026), 8,09 USD (2027).
- Aktienkurs: ca. 145–150 USD (Februar 2026), 48 % unter September-Hoch (346 USD), 11 % Rückgang im Jahresvergleich. Marktkapitalisierung etwa 400 Mrd. USD. Nächste Quartalszahlen: ca. 9. März 2026.
Zentrale Risiken für Anleger
- Stargate-Umsetzungsrisiko: Die Errichtung von 4,5 GW Rechenzentrumskapazität erfordert hohe Investitionen und Millionen von GPUs. Berichte über mangelndes Personal und Verzögerungen bergen Unsicherheiten, ob die prognostizierten Umsätze rechtzeitig realisierbar sind.
- Verschuldung und Finanzierung: Konzernschulden über 100 Mrd. USD, weitere 45–50 Mrd. USD sollen 2026 aufgenommen werden. Steigende Zinsen könnten die Bedienung erschweren. Verzögerte KI-Umsätze könnten die Bilanz belasten.
- Negativer Free Cashflow: Das hohe Capex führt voraussichtlich länger zu negativen Cashflows. Oracle agiert zunehmend als Infrastruktur-Unternehmen statt als klassischer Softwarekonzern.
- Umsatz trotz Rekord-Backlog leicht unter den Erwartungen: Die Lücke zwischen Auftragseingang und tatsächlicher Umsatzrealisierung bleibt bestehen, solange Hardwarekapazitäten fehlen.
- Juristische Risiken: Mehrere Sammelklagen mit Vorwurf irreführender Kommunikation. Auch wenn dies nach Kursverlusten üblich ist, können Rechtskosten und Unsicherheiten entstehen.
- Wettbewerbsdruck durch Hyperscaler: AWS, Azure und Google Cloud sind größer, haben mehr Kunden und Marktanteile. Preis- und Innovationsdruck bleibt.
- Bevorstehende Quartalszahlen: Mit Veröffentlichung um den 9. März steht die Aktie vor einem potenziellen Impuls. Nach 48 % Kursrückgang könnten positive oder negative Überraschungen zu deutlichen Bewegungen führen.
ORCL bei Phemex handeln
Oracle ist als TradFi-Futures-Kontrakt bei Phemex handelbar – 24/7 und mit derselben USDT-Margin wie Krypto-Futures.
Die ORCL-Aktie reagiert oft stark auf Quartalszahlen und Nachrichten zu Partnerschaften. Nach Q2 fiel die Aktie um 11 %, nach Stargate-News um 6 %. Mit den kommenden Q3-Zahlen ermöglicht Phemex TradFi 24/7-Handel – vor oder nach den News.
Weitere Aktionen zu Gebühren und Prämien für TradFi-Paare im Futures Events Center.
Fazit
Oracle geht die größte Infrastrukturwette seiner Geschichte ein: Milliarden für KI-Rechenzentren, ein 523-Mrd.-USD-Backlog dank OpenAI, Meta, NVIDIA & Co. Die Cloud wächst um 34 %, OCI um 68 %, Multicloud-Datenbanken boomen. Dennoch: Die Aktie liegt 50 % unter dem Hoch, weil das Umsetzungsrisiko real ist – Cashflow tief negativ, Verschuldung hoch, Stargate-Organisation und Klagen werfen Fragen auf.
Mit den Q3-Zahlen im März bleibt ORCL ein hochvolatiler Name im Unternehmenssoftware-Bereich. Der Auftragsbestand kann Basis einer Wachstumsstory werden – oder eine zu ambitionierte Zusage bleiben. Die nächsten Quartale werden zeigen, wie Oracle die Umsetzung gelingt.
Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. TradFi-Futures sind risikoreiche Derivate; Hebelwirkung kann Verluste und Gewinne verstärken. Bitte prüfen Sie Ihre individuelle Risikoneigung sorgfältig vor jedem Handel.



