Goldman Sachs hat am 14. April 2026 seinen ersten eigenen Bitcoin ETF bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Der Goldman Sachs Bitcoin Premium Income ETF soll mindestens 80 % des Nettovermögens in bitcoinbezogene Instrumente investieren und verfolgt eine Covered-Call-Strategie, um Erträge für Anteilseigner zu generieren. Für eine Bank, die ihren Kunden lange Zeit keinen klaren Anwendungsfall für Kryptowährungen sah, stellt diese Einreichung einen grundlegenden Strategiewechsel dar.
Hinter diesem Strategiewechsel steht David Solomon, der seit Oktober 2018 CEO von Goldman Sachs ist und sich über Jahre hinweg öffentlich skeptisch gegenüber Bitcoin äußerte. Im Februar 2026 gab er erstmals zu, privat „sehr wenig, aber etwas“ Bitcoin zu besitzen. Nun entwickelt seine Bank entsprechende Produkte.
Von Junk Bonds ins Executive-Office von Wall Street
David Michael Solomon wurde am 17. Januar 1962 in Hartsdale, New York, geboren. Er studierte Politikwissenschaft am Hamilton College, spielte Rugby und bewarb sich direkt nach dem Abschluss bei Goldman Sachs – wurde jedoch abgelehnt. Stattdessen begann er bei Irving Trust, wechselte 1986 zu Drexel Burnham Lambert und war dort im Bereich kurzfristige Unternehmensanleihen und später Hochzinsanleihen aktiv. Nach dem Zusammenbruch von Drexel wechselte er zu Bear Stearns und leitete die Junk-Bond-Abteilung.
Erst 1999 wurde er von Goldman Sachs abgeworben, unter anderem wegen seiner Rolle bei der Finanzierung des Venetian Hotel-Projekts in Las Vegas. In den folgenden zwei Jahrzehnten stieg er im Investmentbanking auf, wurde 2006 Co-Leiter der Abteilung, 2017 Präsident und COO und folgte ab 1. Oktober 2018 Lloyd Blankfein als CEO. Unter seiner Führung betreut Goldman Sachs im ersten Quartal 2026 ein Rekordvermögen von 3,7 Billionen US-Dollar.
Abseits der Börse tritt Solomon als DJ D-Sol in Clubs und auf Festivals in New York, Miami und den Bahamas auf. Mit elektronischer Musik begann er 2008 nach Immobilienfinanzierungen in Las Vegas und einem Clubbesuch im Wynn. Sein Hobby ist mittlerweile fester Bestandteil seines Profils – das macht ihn zugänglicher als viele andere CEOs an der Wall Street, brachte ihm aber auch Kritik ein.
Wie äußerte sich Solomon tatsächlich zu Krypto?
Solomons Skepsis war unmissverständlich. In einem CNBC-Interview im Juli 2024 nannte er Bitcoin eine „spekulative Anlage“ und sah keinen klaren Nutzen. Diese Haltung zog sich von 2021 bis 2024 durch. Während andere Wall-Street-CEOs vorsichtiger formulierten, war Solomon deutlich: Bitcoin sei keine Bedrohung für den Dollar, diene nicht als zuverlässige Wertaufbewahrung und die Blockchain-Technologie sei wichtiger als einzelne Token.
Im Februar 2026 gab Solomon auf dem World Liberty Forum in Mar-a-Lago erstmals öffentlich zu, selbst Bitcoin zu halten – allerdings nur „sehr wenig“ und mehr aus Neugier als aus Überzeugung. Entscheidend war die bloße Tatsache: Ein CEO, der Bitcoin jahrelang ablehnte, ist nun selbst im Markt und sein Unternehmen arbeitet längst an Kryptoinfrastruktur.
Nicht Solomons Einstellung, sondern das steigende Interesse institutioneller Kunden an Kryptoprodukten ab 2021 führte zu diesem Wandel.
Goldmans Krypto-Fahrplan – die wahre Geschichte
Die ETF-Einreichung kam nicht überraschend. Goldman entwickelt seit fünf Jahren Infrastruktur für Krypto-Assets. Die Timeline zeigt den Weg:
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 2018 | Eröffnung eines Krypto-Handelsdesks, der später wieder geschlossen wurde |
| März 2021 | Neustart des Desks mit BTC- und ETH-Optionsgeschäften in bar |
| Mai 2021 | Angebot von Bitcoin Non-Deliverable Forwards |
| März 2022 | Erstes OTC-Krypto-Optionsgeschäft mit Galaxy Digital |
| Juni 2022 | Erster Handel mit Ethereum Non-Deliverable Forwards |
| 2024-2025 | Aufbau von $1,71 Mrd. BTC-ETF- und $1,1 Mrd. ETH-ETF-Exposure über iShares und Fidelity |
| Januar 2026 | Öffentliche Aussagen zur Ausweitung auf Tokenisierung, Stablecoins und Prediction Markets |
| Februar 2026 | Solomon gibt privaten Bitcoin-Besitz öffentlich zu |
| 14. April 2026 | Einreichung des Bitcoin Premium Income ETF bei der SEC |
Das Muster ist klar: Goldman testete Krypto zunächst intern, skalierte je nach institutioneller Nachfrage und ging mit dem ETF erst an die Öffentlichkeit, als sich das regulatorische Umfeld unter der zweiten Trump-Regierung änderte. Solomons Eingeständnis im Februar signalisierte den Abschluss der internen Debatte.
So funktioniert der Bitcoin Premium Income ETF
Der vorgeschlagene Fonds hält Bitcoin nicht direkt, sondern erhält das Exposure über börsengehandelte BTC-Produkte und Optionen darauf. Mindestens 80 % des Nettovermögens (inkl. etwaiger Kredite) werden in Instrumente investiert, die Marktexposure zu Bitcoin bieten.
Die Ertragskomponente wird über eine Covered-Call-Strategie erzielt: Der Fonds verkauft Call-Optionen auf 40–100 % der BTC-Positionen. Bei Seitwärts- oder Abwärtsbewegung von Bitcoin verfallen die Optionen wertlos, und die Prämien werden als Ertrag ausgeschüttet. Bei starken Kursanstiegen ist das Aufwärtspotenzial durch die bereits verkauften Optionen begrenzt.
Ein Analyst von Fortune bezeichnete das Produkt als „Boomer Candy“, da es sich v. a. an einkommensorientierte Anleger richtet, die Bitcoin im Portfolio abbilden möchten, ohne der vollen Volatilität ausgesetzt zu sein. Die Fondsmanager Raj Garigipati und Oliver Bunn steuern das Produkt aktiv. Bei einem regulären Prüfungsfenster von 75 Tagen durch die SEC könnte der ETF frühestens Ende Juni 2026 an den Start gehen.
Das Produkt richtet sich weniger an kurzfristig agierende Trader, sondern an Vermögensverwaltungskunden, die ein Ertragsprodukt mit Bitcoin-Exposure suchen – Goldmans Kernzielgruppe.
Bedeutung der Einreichung über Goldman hinaus
Goldman ist nicht die erste Bank mit Bitcoin-ETF-Antrag. BlackRocks iShares Bitcoin Trust verwaltet bereits ein signifikantes Volumen, Fidelity startete Anfang 2024. Doch Goldmans Einstieg ist ein Signal.
Goldman Sachs galt lange als konservativstes großes Haus im Bereich Krypto. Während JPMorgan mit Onyx und Tokenisierung experimentierte und Morgan Stanley Bitcoin-Fonds für seine Kunden öffnete, blieb Goldman zunächst außen vor. Dass nun selbst Goldman – bei ausreichend Nachfrage und regulatorischer Klarheit – einen eigenen Bitcoin-ETF plant, verdeutlicht den Wandel im institutionellen Konsens.
Das gesamte in Bitcoin ETFs verwaltete Volumen lag im April 2026 bei 96,5 Mrd. US-Dollar, mit 411 Mio. US-Dollar Nettozuflüssen am Tag der Einreichung. Diese Zuflüsse deuten darauf hin, dass der Markt die Einreichung als Bestätigung sieht. Goldmans 3,7 Billionen US-Dollar verwaltetes Vermögen könnte bei erfolgreichem ETF-Start erheblich Kapitalströme in BTC-Produkte lenken.
Der DJ, der lernte, Bitcoin nicht mehr zu ignorieren
Solomons persönlicher Wandel spiegelt die Entwicklung an der Wall Street insgesamt wider. Die Skepsis war 2020/2021 nachvollziehbar: fehlende Regulierung, keine Verwahrungslösungen, ein Imageschaden durch den ICO-Hype 2017. Für Bank-CEOs war Ablehnung damals der sichere Weg.
Doch Solomon ist pragmatisch. Im Februar 2026 sagte er gegenüber Bloomberg, Krypto sei Teil einer größeren digitalen Transformation und nannte Tokenisierung als zukunftsweisend für klassische Finanzdienstleister. Goldman investierte daraufhin in Stablecoin-Forschung, CFTC-regulierte Prediction Markets und Tokenisierungsprojekte. Der Bitcoin-ETF ist Teil einer breiten Digital-Asset-Strategie, die Solomon als elementar für Goldmans Zukunft bezeichnet.
Bemerkenswert ist Solomons Ruf nach Regulierung. Wiederholt forderte er ein regelbasiertes System für Krypto, weil Märkte nur so „sicher und stabil“ funktionieren könnten. Das ist keine Maximalismus-Position, sondern Bankerlogik – und erklärt, warum Goldman auf bessere Rahmenbedingungen wartete.
Häufig gestellte Fragen
Ist David Solomon optimistisch gegenüber Bitcoin?
Nicht direkt. Er sieht sich selbst als „Beobachter“ und hält privat nur eine kleine Position. Die Handlungen seines Unternehmens deuten darauf hin, dass Bitcoin als legitime Anlageklasse für institutionelle Produkte betrachtet wird, aber Solomon äußert sich wesentlich zurückhaltender als beispielsweise Michael Saylor.
Was ist der Goldman Sachs Bitcoin Premium Income ETF?
Ein aktiv gemanagter ETF, der Bitcoin über Spot-ETFs und Optionen abbildet und mittels Covered Calls Erträge generiert. Die Strategie begrenzt mögliche Kursgewinne zugunsten von Prämieneinnahmen – geeignet für einkommensorientierte Anleger.
Wann startet der ETF?
Die Antragstellung erfolgte am 14. April 2026. Nach dem regulären SEC-Prüfungsfenster von 75 Tagen könnte der ETF frühestens Ende Juni/Anfang Juli 2026 starten. Verzögerungen sind möglich, falls die SEC weitere Informationen anfordert.
Warum hat Goldman Sachs mit der ETF-Einreichung gewartet?
Goldman zeigte sich traditionell vorsichtiger als Wettbewerber wie BlackRock oder Fidelity. Das Unternehmen wollte abwarten, bis Regulierung und institutionelle Nachfrage klarer waren. Geänderte regulatorische Rahmenbedingungen und verstärkte Kundenanfragen führten schließlich zur Einreichung.
Fazit
Solomons Wandel von „Bitcoin hat keinen Anwendungsfall“ zu „wir reichen unseren ersten Bitcoin-ETF ein“ dauerte etwa zwei Jahre – parallel zu regulatorischen Änderungen und zunehmender Nachfrage. Der ETF ist speziell auf Goldmans Zielgruppe im Wealth Management zugeschnitten, die Exposure ohne volle Volatilität sucht. Sollte der ETF wie geplant im Sommer 2026 starten, würde einer der letzten großen Wall-Street-Player offiziell in den Bitcoin-Markt einsteigen. Die bereits 96,5 Mrd. US-Dollar in Bitcoin-ETFs zeigen, dass Nachfrage vorhanden ist. Die Frage ist nicht mehr, ob TradFi Bitcoin-Produkte nutzen wird, sondern wie schnell sich das Angebot von Spot-Exposure auf Ertrag, Optionen und strukturierte Produkte erweitert – Goldman hat diese Frage nun mit seiner Einreichung beantwortet.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Führen Sie stets eigene Recherchen durch, bevor Sie Entscheidungen treffen.
